Lokale Gesundheitsförderung
Gesundheit wird im direkten Lebensumfeld der Menschen geprägt, genau hier setzt lokale Gesundheitsförderung an. Das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) stärkt die Gesundheit der Menschen in ihren Gemeinschaften. Gemeinsam mit unseren Schwestergesellschaften erreichen wir verletzliche Menschen auf lokaler Ebene – in der Schweiz und weltweit.
Herausforderungen
Armut und ungleiche Chancen
Weltweit haben Milliarden Menschen keinen Zugang zu grundlegenden Gesundheitsdiensten. Die wichtigsten Gründe dafür sind Armut, Mangel an Fachpersonen sowie fehlende Informationen und Infrastruktur. Selbst in gut funktionierenden Gesundheitssystemen haben bestimmte Bevölkerungsgruppen keinen einfachen Zugang zur Gesundheitsversorgung. Gründe dafür können Sprachbarrieren oder ein geringes Bildungsniveau sein. Für viele Menschen ist die medizinische Versorgung schlicht zu teuer – sie können sich die Behandlungskosten und oft auch die Anreise zum Krankenhaus nicht leisten.
Hohes Gesundheitsrisiko für Verletzliche
Manche Menschen sind besonders auf Vorsorge und einen guten Zugang zum Gesundheitssystem angewiesen – etwa Kleinkinder, Schwangere, stillende Frauen, ältere Menschen, Menschen mit Beeinträchtigung oder Menschen mit Migrationshintergrund. Für sie ist es besonders problematisch, wenn dieser Zugang fehlt oder erschwert ist. Für unsere Arbeit bedeutet dies: ihre besonderen Bedürfnisse zu kennen und zu berücksichtigen, um sie besser zu schützen.
Ungesunde Lebensweise und Gewohnheiten
Gewohnheiten lassen sich nur schwer ändern. Zu wenig Wissen über Gesundheit ist meist nur eines von vielen Hindernissen, um das eigene Verhalten dauerhaft zu verändern. Daneben spielen auch Zeit, Kosten, soziale Normen, Zugang zu Infrastruktur und Prioritätensetzung eine Rolle.
Um Gewohnheiten nachhaltig verändern zu können, reichen Informationen allein nicht. Es müssen weitere Faktoren berücksichtigt werden. Etwa, was einen Menschen antreibt oder zurückhält – zum Beispiel persönliche Lebensumstände, finanzielle Mittel oder die Umgebung, in der eine Person lebt.
Klimawandel, Krankheiten und Migration
Die Folgen des Klimawandels wirken sich vielerorts negativ auf die Gesundheit aus. Hitze, Dürren und Überschwemmungen zerstören Lebensgrundlagen, führen zu Ernährungsunsicherheit und verschärfen Konflikte um Ressourcen. Am häufigsten sterben infolge von Hitze ältere Menschen, insbesondere wenn sie chronisch krank oder sozial isoliert sind.
Überschwemmungen verunreinigen oft das Trinkwasser, was zu Cholera und Durchfallerkrankungen führt. Auch von Mücken übertragbare Krankheiten werden durch steigende Temperaturen und überflutete Flächen begünstigt.
Geflüchtete oder vertriebene Menschen sind zusätzlichen Gesundheitsrisiken ausgesetzt. Auf der Flucht ist es oft schwierig, medizinische Versorgung zu erhalten. In Flüchtlingslagern und Asylunterkünften erhöht das Leben auf engem Raum sowie unzureichender Zugang zu sanitären Anlagen und sauberem Wasser das Risiko von Infektionskrankheiten.
Unser Ziel
Das SRK stärkt in der Schweiz gemeinsam mit dem Bund, sowie weltweit mit den Schwestergesellschaften die Gesundheit und das Wohlbefinden der Bevölkerung auf lokaler Ebene und beugt Krankheiten vor.
Damit unterstützen wir das Nachhaltigkeitsziel «Gesundheit und Wohlergehen» der Vereinten Nationen.
Was wir tun
Das SRK unterstützt die Mitarbeitenden und Freiwilligen der Kantonalverbände und Schwestergesellschaften (nationale Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften) strategisch und fachlich in ihrer Aufgabe, die Gesundheit auf lokaler Ebene – in den Gemeinschaften – langfristig zu verbessern.
Gesundes Verhalten fördern
Verhaltensänderungen wirken nachhaltig, wenn wir die Beweggründe der Menschen verstehen. Deshalb entwickelt das SRK gemeinsam mit der betroffenen Bevölkerung praktikable Massnahmen, die gesundes Verhalten fördern. Das SRK arbeitet nach einem erprobten Ansatz (COM-B Modell von Michie und Stralen, 2012). Dieser Ansatz berücksichtigt die Lebensrealität der Menschen – ihre Fähigkeiten, ihr Umfeld und ihre Motivation. So entstehen praktische Lösungen, die Verhalten nachhaltig verändern.
Der Fokus liegt dabei auf der Prävention von Krankheiten in folgenden Bereichen:
Gesund Altern
Psychische Gesundheit
Mutter-Kind Gesundheit
Wasser und Hygiene
Nicht-übertragbare Krankheiten
Blutspende
Klima und Gesundheit
Gesundheit und Migration
Verhaltensänderungen stärken die Gesundheit. Gleichzeitig entlasten sie das Gesundheitssystem und die oft knappen Budgets der verletzlichsten Menschen.
COM-B Modell
Das COM-B Modell ist ein wissenschaftlich fundierter Ansatz zur Analyse und Förderung von Verhaltensänderungen. Es hilft zu verstehen, warum Menschen ihr Verhalten ändern – oder nicht. Dabei sind drei Faktoren entscheidend:
Fähigkeiten: Hat eine Person das nötige Wissen und die Voraussetzungen?
Möglichkeiten: Gibt es im Alltag die passenden Bedingungen, um ein Verhalten umzusetzen?
Motivation: Will eine Person ihr Verhalten verändern?
Eine nachhaltige Veränderung von Gewohnheiten (Verhaltensänderung) kann nur gelingen, wenn die drei Faktoren zusammenspielen.
Zielgruppengerechte Informationen
In der Schweiz ist das SRK einer der grössten Anbieter von Gesundheitskursen für die Bevölkerung. Die Teilnehmenden lernen, für sich selbst und für andere zu sorgen.
Das SRK fördert zudem die Chancengleichheit im Gesundheitsbereich:
Wir beraten Fachpersonen, die mit Menschen aus unterschiedlichen sozialen, sprachlichen und kulturellen Lebenswelten arbeiten.
Wir stellen leicht verständliches und mehrsprachiges Gesundheitsmaterial zur Verfügung.
So tragen wir dazu bei, dass möglichst viele Menschen in der Schweiz Gesundheitswissen verstehen, nutzen und selbstbestimmte Entscheidungen für ihre Gesundheit treffen können.
Beispiele unseres weltweiten Engagements für die Gesundheit
Lücken schliessen und Verletzlichste erreichen
In vielen Ländern sowie in der Schweiz schliessen die Rotkreuz- und Rothalbmondorganisationen Lücken in der staatlichen Gesundheitsversorgung. Freiwillige und Mitarbeitende sind auch in abgelegenen Gemeinschaften präsent. Die Bevölkerung vertraut ihnen, da sie selbst Teil ihrer Gemeinschaften sind. Sie kennen die Bedürfnisse, Risiken und Ungleichheiten und sind geschult, gezielt zu unterstützen.
Wo wir helfen
Das SRK setzt sich in der Schweiz und weltweit für die Gesundheit ein. In mehreren Ländern fördern wir die fachliche Expertise unserer Schwestergesellschaften, damit diese die Gesundheitsbedürfnisse der Bevölkerung möglichst gut erfüllen können.
Unsere Einsatzländer
Darstellung einer Weltkarte. Auf dieser Karte sind alle Länder, in denen das Schweizerische Rote Kreuz aktiv ist, markiert. Diese Länder sind: Äthiopien, Bangladesch, Benin, Bolivien, Burkina Faso , El Salvador, Honduras, Israel und besetzte Gebiete, Kirgistan, Laos, Libanon, Moldawien, Nepal, Paraguay, Schweiz, Sudan, Südsudan, Syrien, Togo, Ukraine.


