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Umringt von ihren Mitarbeitenden steht die Generalsekretärin des Sudanesischen Roten Halbmondes am Flughafen in Port Sudan, wo sie Hilfsgüter der Internationalen Föderation in Empfang nimmt.

Sudan: Arbeiten im Konfliktgebiet

Interview

Seit über einem halben Jahr leiden im Sudan Millionen von Menschen unter einem bewaffneten Konflikt. Um seine Arbeit in dieser unsicheren Lage fortsetzen zu können, braucht der Sudanesische Rote Halbmond dringend Unterstützung aus dem Ausland. Gespräch mit Generalsekretärin Aida Elsayed.

Waren Sie persönlich vom Konflikt betroffen?

Aber sicher, wir waren wohl fast alle persönlich betroffen. Ich hatte allerdings grosses Glück. Beim Ausbruch der Kämpfe am 15. April 2023 sass ich gerade mit meiner ganzen Familie in einem Flugzeug nach Khartum. Ich hatte meine Kinder an eine internationale Konferenz mitgenommen. Weil das Flugzeug nicht landen konnte, kehrte es um. Nachdem wir zwei Wochen in Saudi-Arabien verbracht hatten, schickte ich meine Kinder nach Ägypten und kehrte an meine Arbeit nach Port Sudan zurück. Andere Angehörige, die in Khartum geblieben waren, wurden aus unserem Haus vertrieben. Wir verloren unser Zuhause und unser ganzes Hab und Gut. Das ist furchtbar, aber ich hatte das Glück, in diesem Moment meine Familie bei mir zu haben.

Wie konnte der Sudanesische Rote Halbmond unter diesen Bedingungen überhaupt weiterarbeiten?

Dank unseren Freiwilligen. Im ganzen Land haben sich 40000 freiwillige Helferinnen und Helfer des Sudanesischen Roten Halbmondes mobilisiert, um humanitäre Hilfe zu leisten.

Seit mehr als 15 Jahren trainieren wir sie, sich auf den Ernstfall vorzubereiten, psychosoziale Unterstützung zu leisten und sichere Orte für Kinder einzurichten. Eine Gruppe von Freiwilligen hat sich beispielsweise darauf spezialisiert, in Spitälern auszuhelfen. Als der Konflikt ausbrach, waren sie bereit. Die meisten von ihnen blieben in Khartum oder in den Gemeinschaften, wo sie mit ihren Familien integriert waren. Einige brachten ihre Familie in Sicherheit und kehrten an ihre Arbeit zurück. Aber die Lage spitzte sich tagtäglich zu. Manche wurden aus ihren Häusern vertrieben, andere getötet. Einer meiner Mitarbeiter wurde in seinem Haus beschossen. Das Hab und Gut der Mitarbeitenden und Freiwilligen, die in Khartum geblieben sind, wird systematisch zerstört oder geraubt.

Aida Elsayed

Aida Elsayed, Generalsekretärin des Sudanesischen Roten Halbmondes vor dem Sitz des SRK in Bern.
Aida Elsayed, Generalsekretärin des Sudanesischen Roten Halbmondes, war am 19. Oktober 2023 in Bern zu Besuch.

Wie 80 Prozent der Bevölkerung von Khartum musste auch Aida Elsayed die Stadt verlassen, als am 15. April 2023 die Kämpfe ausbrachen. Heute leitet sie die Aktivitäten des Sudanesischen Roten Halbmondes von der Hafenstadt Port Sudan aus. Aida Elsayed ist seit über 30 Jahren für den Sudanesischen Roten Halbmond aktiv. Bereits während des Studiums an der Ahfad-Universität in Omdurman engagierte sie sich als Freiwillige. Danach übernahm die ausgebildete Ernährungswissenschaftlerin beim Sudanesischen Roten Halbmond die Leitung des Bereichs Community Health.

Werden die Embleme des Roten Halbmonds respektiert? Können Sie sicher arbeiten?

Seit der Eskalation des Konflikts im April wird keine einzige Regel mehr eingehalten. Die Embleme des Sudanesischen Roten Halbmondes werden weder respektiert noch geschützt. Alles wurde beschossen, auch Zivilpersonen und internationale Organisationen. Sie haben uns sogar die Fahrzeuge gestohlen, die uns das IKRK für Leichentransporte zur Verfügung gestellt hatte. Sie haben Material und Gebäude des Roten Halbmondes zerstört. Sie haben sogar freiwillige Helferinnen und Helfer entführt, damit sie Verwundete pflegen. Sie dachten, die Freiwilligen mit ihren roten Westen seien Ärztinnen und Ärzte. Zum Glück wurden sie wieder freigelassen.

Was ist aktuell die grösste Herausforderung in der Leitung des Sudanesischen Roten Halbmondes?

Ein Ende des Konflikts ist nicht in Sicht. Unsere grösste Herausforderung ist es, die Arbeit des Sudanesischen Roten Halbmondes fortzusetzen und dabei die Sicherheit der Mitarbeitenden und Freiwilligen zu gewährleisten. Derzeit klären wir ab, wie wir unser gesamtes Personal aus Khartum evakuieren können. Dafür müssen wir aber erst Unterkünfte organisieren. Ausserdem brauchen wir in den lokalen Zweigstellen genügend Personal mit Kriegserfahrung. Dies ist gegenwärtig nicht immer der Fall. Wir sind dringend auf Hilfe von aussen angewiesen. Andernfalls läuft der Sudanesische Rote Halbmond Gefahr, zu kollabieren.

Auf welche Aktivitäten konzentrieren Sie sich seit Ausbruch des Konflikts?

Wir arbeiten eng mit dem IKRK, der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften und den nationalen Gesellschaften wie dem Schweizerischen Roten Kreuz zusammen, die uns seit Langem unterstützen. Seit Ausbruch der Kämpfe konzentrieren wir uns auf die Nothilfe: Erste Hilfe, Versorgung mit Wasser und Lebensmitteln, psychosoziale Unterstützung für Kinder. Die Zusammenarbeit mit dem IKRK umfasst zudem die Identifizierung von Toten, die Suche von Angehörigen, die Organisation von Blutspenden und die Erfassung von Vertriebenen.

Millionen von Menschen vertrieben

Eine Frau versorgt sich mit Wasser.
400.000 Menschen flüchteten nach dem Ausbruch des Konflikts im Sudan in den Tschad.

Die Kämpfe, die im Sudan am 15. April 2023 ausbrachen, trieben Millionen von Menschen in die Flucht. 80 Prozent der Spitäler in den umkämpften Zonen sind ausser Betrieb. 20 Millionen Menschen sind von Ernährungsunsicherheit betroffen. Gegen 5,3 Millionen Menschen mussten aus ihren Häusern fliehen. Davon hat eine Million in Ägypten, im Tschad, in Libyen oder anderen Nachbarländern Zuflucht gefunden.

Wichtige Hilfe

Das Schweizerische Rote Kreuz unterstützt den Sudanesischen Roten Halbmond seit über 30 Jahren. Die langfristigen Projekte mussten mit dem Ausbruch der Gewalt vor sechs Monaten sistiert werden. Seither hat sich das Schweizerische Rote Kreuz auf die Unterstützung der Nothilfe konzentriert, die von der internationalen Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung bereitgestellt wird. Es hat zwei Nothilfe-Logistikfachkräfte ins Land geschickt, medizinisches Material zur Verfügung gestellt und das Engagement der internationalen Bewegung finanziell unterstützt.

Eine Gruppe von Menschen schaut in die Richtung des Fotografen. Sie sitzen auf dem Boden, auf trockener Erde. Die meisten von ihnen sind Frauen und Kinder.

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