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Bolivien: ausgewogenes Essen auf 2020 Metern Höhe

Reportage

Eine ausgewogene Ernährung ist wichtig für die Gesundheit. Für Menschen, die in abgelegene Tälern in Bolivien leben, ist der Zugang zu ausgewogenem Essen jedoch nicht selbstverständlich. Das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) unterstützt sie beim Anbau von eigenem Gemüse und beim Züchten von Fischen. Der Direktor des SRK, Markus Mader, hat sie besucht.

Text: Célia Francillion | Fotos: Remo Nägeli

«Hola, qué tal?» In fliessendem Spanisch plaudert Markus Mader mit den drei Kindern von Carola Escobar Guerrero. Zehn Jahre sind vergangen, seit der Direktor des SRK letztmals in Bolivien war. Es ist sehr früh am Morgen. Der achtjährige Camilo macht sich bereit für die Schule. Vergnügt frühstückt er zusammen mit seinen Geschwistern.

Drei Kinder sitzen an einem kleinen Tisch und essen. Ein Mann schenkt ihnen etwas in die Tasse ein. Eine Frau steht daneben und hält eine Tasse in der Hand.

Markus Mader kennt Lateinamerika gut. Er war IKRK-Delegierter in Peru und hat die meisten Länder des Kontinents besucht. Er unterhält sich gern mit der Bevölkerung «Die Fortschritte im Bereich Wasser und Hygiene sind offensichtlich. Das ist erfreulich. Aber ich habe Angst, dass die Pandemie und die Ukraine-Krise diese positive Entwicklung bremsen oder sogar stoppen könnte.»

Camilo macht sich auf den Weg zur Schule. Seine Mutter räumt den Tisch ab und denkt bereits an die nächste Mahlzeit. Dank der Hilfe des SRK und insbesondere der Ernährungs-Workshops weiss die 31-Jährige, welche Nahrung ihren Kindern guttut.

Gärten für Familien

In diesen abgelegenen Tälern besteht das traditionelle Essen aus Mais und Kartoffeln. Die Menschen haben keinen Zugang zu Obst, Gemüse und proteinhaltiger Nahrung. Sie können es sich nicht leisten, diese Lebensmittel zu kaufen und die Verkaufsstellen sind Stunden entfernt vom Dorf.

Mangelernährung, verursacht durch Vitamin- und Proteinmangel, hemmt die gesunde Entwicklung der Kinder und ist gesundheitsschädigend.

Seit 2017 fördert das SRK deshalb den Gemüseanbau in Familiengärten. Die Familien erhalten Saatgut und lernen, ihren Garten selbstständig zu bewirtschaften. So wie Carola Escobar Guerrero und Iver Aramayo Melendres dies tun.

Eine Frau und ein Mann knien im Garten und jäten.

Gemüseanbau als Schulfach

Seit Kurzem unterstützt das SRK in Bolivien den Gemüseanbau in Schulgärten. So lernen die Kinder von klein auf die Grundlagen des Gärtners. Die Schulmahlzeiten können dank den Schulgärten nun mit Gemüse angereichert werden.

Ein Knabe hält einen Wasserschlauch in den Händen und gibt damit einem Garten Wasser. Neben ihm hockt ein Mann und beobachtet das Ganze fröhlich.

Fischen will gelernt sein

Das SRK unterstützt die Eltern auch bei der Bewirtschaftung einer Fischzucht. 12 Familien haben dazu eine Vereinigung gegründet. Alle sechs Monate fangen sie Fische, die rund ein Kilo schwer sind. Im künstlich angelegten Teich schwimmen derzeit rund 1000 der fleischreichen Exemplare. «Das SRK hat beim Ausheben geholfen und die Fischbrut finanziert. Zudem werden die Familien von einer Fischzuchtexpertin kompetent beraten», fügt Sergio Betancourt an.

Markus Mader versucht mit dem Wurfnetz einige Fische zu fangen. Erfolglos. Das löst allgemeine Heiterkeit aus. Ein Mitglied der Vereinigung zeigt wie es geht. Fischen will gelernt sein!

Ein Mann wirft ein Netz in einen See. Dieses landet kreisförmig.
Ein Mann hält einen Fisch in den Händen und sieht sich diesen an. Er steht vor einem Teich.

Dank dem SRK sind die Familien zu Profis geworden. Der im Jahr 2019 gebaute Teich ist so ertragreich, dass Anfang dieses Jahres mit dem Gewinn ein zweiter angelegt werden konnte.

Ein Mann kniet und streckt seinen rechten Arm nach vorne. Er blickt auf den Boden und stützt sich mit der linken Hand auf dem linken Knie ab.
Ohne Unterstützung des SRK könnten wir unsere Kinder nicht richtig ernähren.

Iver Aramavo Melendres, Begünstigter des SRK und Vater von drei Kindern

Weitere Familien in San Pedro haben mit der Fischzucht begonnen. Vor drei Jahren gab es in der Region 10 Teiche, nun sind es 22. «Das erachte ich als ein sehr gutes Zeichen. Es ist ein Beweis, dass diese Lösung funktioniert und einem Bedürfnis der Bevölkerung entspricht», meint Markus Mader begeistert. «Mit wenig Mitteln erzielen wir grosse Erfolge. Das ist ausgezeichnet!» Iver Aramayo Melendres bestätigt, wie nötig das Engagement ist: «Ohne Unterstützung des SRK könnten wir unsere Kinder nicht richtig ernähren.»

Wichtige Unabhängigkeit

Durch den Klimawandel sind die Ernten unsicherer geworden. Starker Regen in der Trockenzeit, schwere und anhaltende Dürre, wenn es regnen sollte: Die Jahreszeiten sind nicht mehr so eindeutig wie früher. Die Folgen der Pandemie haben die Bevölkerung geschwächt. Auch hier treibt der Ukraine-Krieg die Lebensmittelpreise in die Höhe. Familien, die ihre Nahrung selber produzieren, sind unabhängiger.

Gemüse aus dem eigenen Garten und selber gezüchteter Fisch scheinen in jeder Hinsicht die beste Lösung zu sein.

Carola Escobar Guerrero ist dankbar über die gewonnene Unabhängigkeit.

GUT ZU WISSEN

Das SRK in Bolivien

Eine einseitige Ernährung, zu jung Mutter werden oder keinen ärztlichen Rat suchen: Das hat Folgen für ein ganzes Leben. Das SRK setzt in Bolivien da an, wo es im Gesundheitsbereich noch Lücken gibt und arbeitet vernetzt. Es sind einfache Massnahmen, die jedoch das Leben von benachteiligten Menschen positiv beeinflussen.

In diesen Bereichen ist das SRK in Bolivien tätig:

  • Sexuelle und reproduktive Gesundheit

  • Schutz vor Krankheiten

  • Wasser und Hygiene

  • Partnerstärkung

  • Nothilfe

  • Ernährung

  • Prävention von Mangelernährung bei Kindern

Die Verletzlichsten vor Mangelernährung schützen

Schenken Sie Familien eine gesunde Zukunft ohne Mangelernährung

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