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Vor 160 Jahren: ein Rotes Kreuz für die Schweiz

Am 17. Juli 1866 gründen General Guillaume Henri Dufour und Bundesrat Jakob Dubs den «Hülfsverein für schweizerische Wehrmänner und deren Familien» in Bern. Es ist das heutige Schweizerische Rote Kreuz (SRK). Der Historiker Patrick Bondallaz erklärt die Umstände der damaligen Zeit.

News vom 11. Februar 2026

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Patrick Bondallaz

Der Historiker des SRK hält Vorträge, schreibt Fachartikel und hält die Geschichte des SRK fürs Archiv fest. Er wurde 1982 geboren und arbeitet seit 2014 beim SRK. Der Titel seiner Doktorarbeit lautete «Inter Arma Helvetia»: die humanitäre Aktion der Schweiz im Ersten Weltkrieg.

1863 gründet Henry Dunant mit vier Gleichgesinnten in Genf das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK). Dessen Ausrichtung ist klar international: Jeder der 16 Staaten, die bei der ersten Konferenz im Oktober dabei sind, soll eine eigene nationale Hilfsgesellschaft für Kriegsverwundete gründen. Sogleich unterstützen die Regierungen Europas das wohltätige Anliegen aus Genf. Doch ausgerechnet die Schweiz zaudert. Obwohl sie die Rotkreuz-Grundrichtlinien mit ausgearbeitet, die internationale Konferenz von 1864 einberufen und die erste Genfer Konvention ratifiziert hat. Sie gründet erst im Juli 1866 ihre eigene Rotkreuz-Gesellschaft – als 18. Staat.

Argumente gegen eine Schweizer Rotkreuz-Gesellschaft

Hauptgrund für dieses Zögern ist die schweizerische Neutralität. Sie ist seit 1815 anerkannt. Dank ihr wähnt sich die Eidgenossenschaft vor grossen europäischen Kriegen sicher. Die Schweiz sieht wenig Anlass, Hilfe für Kriegsverwundete zu organisieren. Ausserdem sind viele der Ansicht, dass bei einem Konflikt die spontane Solidarität ausreichen würde. Auch die damalige politische Lage erschwert die Gründung einer nationalen Gesellschaft. Die Schweiz ist erst seit Kurzem ein Bundesstaat. Die inneren Spaltungen durch den Sonderbundskrieg von 1847 sind noch spürbar. Die konfessionellen und politischen Verwerfungen bestehen weiter. Die Führungselite ist zersplittert und das nationale Selbstverständnis noch zerbrechlich. Zudem sind die Armee und damit auch ihre Sanitätstruppen grösstenteils Sache der Kantone. Das ist eine Hürde für zentralistische Vorstösse.

Der starke Einfluss von Bundesrat Dubs und General Dufour

Bundesrat Jakob Dubs

Der entscheidende Impuls für die Gründung einer nationalen Rotkreuz-Gesellschaft gibt schliesslich IKRK-Präsident Gustave Moynier. Weil die Bundesbehörden untätig bleiben, verstärkt er seine Bemühungen und verfasst einen ersten Entwurf der Statuten der künftigen nationalen Gesellschaft. Er mobilisiert für sein Vorhaben zwei Schlüsselfiguren: General Guillaume Henri Dufour, eine unangefochtene moralische Autorität, und Bundesrat Jakob Dubs, eifriger und einflussreicher Verfechter des Föderalismus. Ihr strategisches Bündnis vereint moralisches Prestige und politische Absicherung – mit Erfolg:

Am 17. Juli 1866 gründen Bundesrat Dubs und General Dufour den «Hülfsverein für schweizerische Wehrmänner und deren Familien» im Westflügel des Bundeshauses in Bern. Es ist das heutige Schweizerische Rote Kreuz (SRK). Die Gründungsversammlung findet im Beisein von rund zwanzig handverlesenen Gästen aus der politischen und militärischen Spitze des Landes statt. Henry Dunant ist somit keiner der Gründer des SRK. Zwar befürwortet er das Anliegen, er hat aber nur wenig Einfluss. Bundesrat Jakob Dubs und General Guillaume Henri Dufour werden zu Präsidenten respektive Ehrenpräsidenten der nationalen Rotkreuz-Gesellschaft der Schweiz ernannt.

Ein Rotes Kreuz «nach Schweizer Art»

Bei der Gründungsversammlung fallen zwei wegweisende Entscheide. Sie verleihen dem Schweizerischen Roten Kreuz von Beginn an einen Sonderstatus. Der erste betrifft seinen Aufbau, der zweite seine Aufgaben.

IKRK-Präsident Gustave Moynier hätte sich ein zentralistisches Modell gewünscht, bei dem Einzelpersonen einen jährlichen Mitgliederbeitrag entrichten. Doch die Hilfsgesellschaft bevorzugt den föderalistischen Weg. Dieser gewährt den kantonalen Sektionen weitgehende Autonomie – ganz nach dem Vorbild des politischen Systems der Schweiz. Die neue Gesellschaft stützt sich auf eine fünfköpfige Exekutivkommission, die sich um die laufenden Geschäfte kümmert. Ein nationales Komitee aus 44 Mitgliedern – das sind zwei pro Kanton – sorgt für die Koordination und Umsetzung der Hilfsmassnahmen.

Gemäss den Resolutionen und Grundsätzen des Roten Kreuzes ist es die zentrale Aufgabe der «Hülfsgesellschaft» den Sanitätsdienst der Schweizer Armee zu unterstützen. In den Statuten sind folgende Aufgabengebiete festgehalten: die Pflege von Kriegsverwundeten und die Fürsorge für die Familien von einberufenen oder gefallenen Soldaten. Das zweite Aufgabengebiet ist heftig umstritten. Moynier ist dagegen. Dennoch wird das zweite Aufgabengebiet mit knapper Mehrheit angenommen, denn eines scheint klar: Die Schweiz ist ein Land, das oft von Kriegen verschont blieb. Ein Rotes Kreuz, dessen Tätigkeit auf militärische Aufgaben beschränkt ist, wäre die meiste Zeit zwecklos. Es ist sinnvoll, seine Hilfstätigkeit der gesellschaftlichen Realität der Schweiz anzupassen.

General Guillaume Henri Dufour
1866 wurde das SRK in Bern im heutigen Bundeshaus West (das grosse Gebäude oben rechts) im damaligen Ständeratssaal gegründet. Dieses Foto stammt wahrscheinlich aus dem Jahr 1864 und wurde vom Christoffelturm aufgenommen, der kurze Zeit später abgebrochen wurde. Links vom Bundeshaus West steht heute das Parlamentsgebäude mit der grünen Kuppe.

Rückblickend ist es klug, wie die nationale Rotkreuz-Gesellschaft der Schweiz damals aufgebaut wurde. Seine Anpassungsfähigkeit ist bis heute eine Stärke des SRK. Von Beginn an hat sich das SRK komplexen Entwicklungen angepasst, pragmatisch auf Veränderungen reagiert oder kreative Lösungen gesucht. Dies stets mit dem Ziel, seine Hilfstätigkeiten möglichst nah an den Bedürfnissen der Bevölkerung auszurichten.

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