Rotkreuz-Ferien: Wo Gemeinschaft entsteht
Eine Woche Abstand vom belastenden Alltag, Zeit für Freundschaften und neue Erlebnisse: Seit zehn Jahren ermöglichen die Rotkreuz-Ferien Kindern aus Krisen- und Kriegsgebieten unbeschwerte Ferientage. Im Juli verbringen rund 50 Kinder im Alter von 9 bis 12 Jahren eine abwechslungsreiche Woche in Schaffhausen.
News
•Janine Michel
Zehn Jahre Rotkreuz-Ferien
Die Rotkreuz-Ferien feiern 2026 ihr zehnjähriges Bestehen. Während die Herausforderungen im Freiwilligen-Management zugenommen haben (Freiwillige und Standorte finden, Verbindlichkeit), bleibt die Wirkung des Angebots ungebrochen.
Die Ferienwochen stärken Kinder und Jugendliche in ihrer persönlichen Entwicklung, schaffen Zugehörigkeit und ermöglichen unvergessliche Erlebnisse. Gleichzeitig bieten sie Freiwilligen die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen, Gemeinschaft zu erleben und sich persönlich weiterzuentwickeln.
Eindrücke aus den Rotkreuz-Ferien 2026
Raum für Entwicklung
Wie nachhaltig die Rotkreuz-Ferien wirken können, zeigt die Geschichte eines Jungen, der dieses Jahr bereits zum zweiten Mal teilnimmt. Im ersten Jahr benötigte er aufgrund besonderer Bedürfnisse eine intensive Begleitung. Gemeinsam entwickelten die Psychologin, die Gruppenleiterin und das Kind Strategien für den Ferien-Alltag. Heute – ein Jahr später – bewältigt er viele Situationen selbstständig, geht aktiv auf seine Bezugspersonen zu und ist selbstverständlich Teil der Gruppe. Solche Entwicklungen werden möglich, weil die Rotkreuz-Ferien gezielt auf individuelle Bedürfnisse eingehen und eine enge Begleitung ermöglichen.
Alles möglich dank der freiwilligen Leiterinnen und Leiter, Kinderärztin und Psychologin, die die Woche begleiten. «Die Freiwilligen nehmen sich alle eine Woche frei. Sie sind hier, eine Woche, von morgens bis abends. Dieses Engagement finde ich nicht selbstverständlich und schätze es sehr. Ohne die Freiwilligen wären diese Ferien nicht möglich.» Erzählt Jessica Lopes, Co-Leiterin der Rotkreuz-Ferien.
Freiwilligenarbeit 2025 in Zahlen
Stunden
unentgeltliche Arbeit haben die SRK-Freiwilligen im Jahr 2025 geleistet.
Freiwillige
engagieren sich für das SRK und seine vier Rettungsorganisationen.
junge Freiwillige
engagieren sich schweizweit in SRK-Jugendorganisationen.
Eine Woche, die den Fokus neu ausrichtet
Für Alisha Hablützel, eine der vier Gruppenverantwortlichen der Rotkreuz-Ferien, ist die Lagerwoche jedes Jahr etwas Besonderes. «Für eine Woche stehen die Bedürfnisse der Kinder und das gemeinsame Gelingen der Rotkreuz-Ferien im Mittelpunkt. Alles andere tritt in den Hintergrund. Das ermöglicht eine echte Präsenz im Hier und Jetzt.» Besonders schätzt sie die intensive Zusammenarbeit im Team.
Man teilt viele besondere Momente miteinander. Das schweisst zusammen. Und wenn mir ein Kind sagt, dass es nächstes Jahr wieder kommen möchte, weiss ich, dass ich hier am richtigen Ort bin.
Gemeinschaft motiviert
Internationale Studien innerhalb der Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung zeigen, wie wichtig Teamdynamik für ein langfristiges freiwilliges Engagement ist. «Es gibt drei psychologische Grundbedürfnisse, die für die Motivation im freiwilligen Engagement zentral sind: Autonomie, Kompetenz und Zugehörigkeit. Werden diese Bedürfnisse erfüllt, bleibt die Motivation langfristig bestehen», sagt Carine Fleury Bique, Co-Leiterin der Rotkreuz-Ferien.
Auch in den Rotkreuz-Ferien erleben die Freiwilligen, wie Vertrauen, gegenseitige Unterstützung und gemeinsame Verantwortung den Zusammenhalt stärken. Freiwillige übernehmen Verantwortung, bringen eigene Ideen ein und gestalten den Ferien-Alltag aktiv mit. Gleichzeitig entstehen Beziehungen und gemeinsame Erfahrungen, die oft weit über die Ferienwoche hinaus Bestand haben.
Freiwilligkeit
Freiwilligkeit ist einer der sieben Grundsätze der Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung. Menschen engagieren sich freiwillig für andere – aus Mitmenschlichkeit und ohne persönliche Vorteile anzustreben. Dieses Engagement macht Angebote wie die Rotkreuz-Ferien überhaupt erst möglich.
Engagement, das bleibt
Seit zehn Jahren zeigen die Rotkreuz-Ferien, was freiwilliges Engagement bewirken kann. Kinder gewinnen Selbstvertrauen, knüpfen Freundschaften und sammeln positive Erfahrungen. Freiwillige erleben Sinn, Verantwortung und Gemeinschaft.
«Die Rotkreuz-Ferien erlauben mir einen Blick über den eigenen Tellerrand, hinein in andere Lebensrealitäten», erzählt die freiwillige Kinderärztin Regula Ziegler.
Hier darf ich die Kinder lebensnah erleben. Ich sehe, wie sie ticken, was in ihnen vorgeht und wie stark sie sind. Mit jedem Jahr gewinne ich mehr Vertrauen. Die Rotkreuz-Ferien haben mir immer wieder gezeigt, dass Kinder oft mehr schaffen, als man ihnen zunächst zutraut.
In dieser einen Woche werden Samen gesät – für Selbstvertrauen, Zugehörigkeit und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Manche davon gehen erst viel später auf. Doch genau das macht die Wirkung der Rotkreuz-Ferien aus: Sie reicht weit über eine einzelne Ferienwoche hinaus.
