Kirgistan: Schutz vor der nächsten Katastrophe
Mit dem Klimawandel nehmen in Kirgistan die Häufigkeit und die Intensität von Naturgefahren zu. In Aral, einem kirgisischen Dorf am Fuss eines Berges, drohen bei starken Niederschlägen Überschwemmungen und Murgänge. Das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) unterstützt die Schutzmassnahmen, die der Kirgisische Rote Halbmond (KRH) gemeinsam mit der Bevölkerung umsetzt.
Es regnet in Strömen im Dorf Aral im Westen Kirgistans. Vor dem Haus von Eshimkan Sarbaliev ist der Boden aufgeweicht. Der 66-Jährige zeigt auf die braune Spur an der Hauswand: «So hoch stand das Wasser. Es kam von den Bergen herunter und hat unser gesamtes Grundstück überflutet.»
Katastrophale Folgen für armutsbetroffene Familien
Es ist im April 2024, als es über 48 Stunden unaufhörlich regnet: Das Wasser steigt innerhalb von wenigen Minuten stark an. Es überflutet den Vorraum und drückt an die Aussenwände.
Nach eineinhalb Stunden geht das Wasser zurück. Vater Eshimkan Sarbaliev, Mutter Zhypargul Sarbalieva und ihre Kinder wagen sich hinaus. Doch es zeigt sich ein Bild der Zerstörung. Die Habseligkeiten im Vorraum sind verloren. Besonders schwer wiegt der Verlust der Kartoffelernte. Für die Familie, die von der Milch ihrer einzigen Kuh und von Gelegenheitsarbeiten lebt, ist das ein harter Schlag. Der Kirgisische Rote Halbmond (KRH) unterstützt die Familie mit Bargeld und Hygieneartikeln. Doch die Unsicherheit bleibt: Passiert das wieder?
Wenn das Wetter extremer wird
Von den Überflutungen im April 2024 waren in der Region vier Dörfer mit über tausend Menschen betroffen. Eshimkan Sarbaliev ist hier aufgewachsen und beobachtet, wie sich das Wetter verändert.
Im Winter gibt es weniger Schnee, die Sommer sind länger und heisser geworden. Früher konnten wir das Gras dreimal im Jahr mähen, heute nur noch zweimal. Wenn es regnet, dann sehr stark.
Temperaturen über 40 Grad sind keine Seltenheit mehr. Gleichzeitig nehmen Starkniederschläge zu, die Überschwemmungen verursachen. Besonders zerstörerisch sind Murgänge. Allein im Jahr 2025 wurden in Kirgistan über 250 solcher Schlammlawinen registriert. Tausende Haushalte waren betroffen. Häuser, Schulen und Strassen wurden beschädigt.
Freiwillige organisieren die Katastrophenhilfe
In gefährdeten Dörfern bereitet der KRH die Bevölkerung auf Katastrophen vor. Daran beteiligt sind auch Freiwillige wie Khanzada Bekenova. Die 18-Jährige lebt in Aral und engagiert sich seit der siebten Klasse beim KRH. Ihr Wissen über den Klimawandel und was im Notfall bei einem Naturgefahrenereignis zu tun ist, gibt sie an ihrer Schule weiter. So sind die Kinder und Jugendlichen vorbereitet – und tragen das Wissen nach Hause zu Eltern und Grosseltern.
Die Schule übt regelmässig den Notfall. Die Schülerinnen und Schüler trainieren Evakuierungen und Erste Hilfe. Das eingeübte Verhalten rettet im Ernstfall Leben. Khanzada Bekenova ist mittendrin. Sie leitet das Freiwilligen-Team der Schule, organisiert Informationsveranstaltungen und hilft bei Übungen. Ihr Engagement ist eine Familientradition: Schon ihr Grossvater half nach einer Überschwemmung. Eine Brücke trägt ihm zu Ehren seinen Namen.
Schutzmassnahmen zeigen Wirkung
Schäden lassen sich verhindern. Das zeigt in der gleichen Region das Dorf Kara-Suu. Bevor der KRH vor zehn Jahren diese Region entwässerte, gab es in den Häusern Schimmel, und Landwirtschaft war aufgrund des sehr feuchten Bodens kaum möglich. Heute sorgt ein Entwässerungskanal dafür, dass das Wasser abfliesst. Der Boden ist geeignet, um Gemüse anzubauen. Das Raumklima in den Häusern und damit die Lebensqualität der Menschen hat sich spürbar verbessert.
Für jeden Franken, den wir in die Vorsorge investieren, sparen wir sieben Franken an Nothilfe. Wo wir tätig sind, ist die Bevölkerung besser auf den Klimawandel und die damit verbundenen Naturgefahren vorbereitet

Das Engagement des SRK in Kirgistan
Gemeinsam mit dem KRH unterstützt das SRK die Bevölkerung dabei, sich besser auf Katastrophen vorzubereiten. Ziel ist es, Menschen zu schützen und Schäden durch Überschwemmungen, Murgänge und andere Gefahren zu verhindern.
Die Massnahmen umfassen unter anderem:
Sicherung von Flussufern und Reinigung von Kanälen
Bau von Schutzvorrichtungen gegen Murgänge
Pflanzung von Bäumen und Schaffung von Grünflächen
Schulungen in Erster Hilfe und Katastrophenvorsorge
Unterstützung lokaler Katastrophenkomitees bei der Vorbereitung auf Naturgefahrenereignisse



