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Armut und ungleiche Chancen in der Schweiz

Acht Prozent der Menschen in der Schweiz leben in Armut, rund 16 Prozent gelten als armutsgefährdet. Armut kann Menschen in unterschiedlichsten Lebenssituationen treffen, etwa ältere Menschen, Familien oder Erwerbstätige. Das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) fördert die Entwicklungschancen von Kindern und unterstützt Erwachsene bei der beruflichen Integration.

Rund ein Fünftel der Bevölkerung in der Schweiz kann eine unerwartete Ausgabe von 2500 Franken nicht innerhalb eines Monats begleichen. Eine hohe Zahnarztrechnung, eine Trennung oder gesundheitliche Probleme können genügen, um das Haushaltsbudget aus dem Gleichgewicht zu bringen.

Zum Alltag armutsbetroffener Menschen gehört viel Verzicht: Familien leben in zu kleinen Wohnungen, neue Kleider für die Kinder sind nicht selbstverständlich und Besuche bei Freunden oder Verwandten in grösserer Entfernung sind oft nicht möglich.

Erwerbstätigkeit bewahrt nicht immer vor Armut

In der Schweiz leben rund 175 000 Erwerbstätige in Armut. Das entspricht mehr als vier Prozent der arbeitenden Bevölkerung. Obwohl sie erwerbstätig sind, reicht ihr Einkommen nicht aus, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Sie gelten als Working Poor. Besonders gefährdet sind:

  • Teilzeiterwerbstätige und Personen in atypischen Beschäftigungsformen

  • Beschäftigte in kleinen Betrieben und Branchen mit hohem Niedriglohnanteil

  • Personen ohne nachobligatorische Schulbildung

  • Personen aus Drittstaaten

GUT ZU WISSEN

Was bedeutet Armut in der Schweiz?

Armut bedeutet, dass die finanziellen Mittel nicht ausreichen, um grundlegende Bedürfnisse zu decken. Ein Haushalt gilt in der Schweiz als arm, wenn die monatlichen Einnahmen nicht für den Grundbedarf und das Wohnen ausreichen (gemäss den Richtlinien der Sozialhilfekonferenz SKOS). Für zwei Erwachsene mit zwei Kindern lag diese Grenze zuletzt bei rund 4200 Franken pro Monat (exklusive Krankenkassenprämien). Für eine Einzelperson lag die Grenze bei rund 2400 Franken.

Diese materielle Armut führt zu Einschränkungen in verschiedenen Lebensbereichen wie Bildung, Wohnen, Gesundheit oder Freizeit. Armutsbetroffene und armutsgefährdete Menschen haben oft weniger Möglichkeiten, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen und ihre Zukunft selbstbestimmt zu gestalten.

Armut und Familie

Kleidung, Ernährung, Krankenkassenprämien, Wohnen und Freizeit verursachen für Familien hohe Kosten. Hinzu kommen Ausgaben für die familienergänzende Kinderbetreuung. Eltern, insbesondere Mütter, reduzieren häufig ihr Pensum und erhalten einen tieferen Lohn als früher.

In Haushalten mit nur einem Elternteil ist das Armutsrisiko am höchsten. Gut ein Viertel von Personen in solchen Haushalten – meist alleinerziehende Frauen – sind armutsgefährdet.

Der Verzicht und die ständige Angst, das Geld reiche nicht bis Ende Monat, belastet die Betroffenen schwer.
Adalbert Johannes Widmer, Fachexperte Gesundheit / Migration / Bildung

Wenn mehrere Risikofaktoren zusammenkommen

Das Risiko, in Armut zu geraten, ist sehr ungleich verteilt. Eine Kindheit in Armut wirkt sich tendenziell negativ auf das Bildungsniveau aus und schränkt die späteren beruflichen Chancen ein. Häufig werden ungleiche Chancen von einer Generation auf die nächste weitergegeben. Auch in der Schweiz gilt: Je besser die Bildung der Eltern, desto besser sind in der Regel die Bildungschancen der Kinder und entsprechend deren Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Armut und gesundheitliche Probleme können sich zudem gegenseitig verstärken. Häufig macht Armut krank und Krankheit arm. Die Belastung, die ein Leben mit äusserst geringen Mitteln mit sich bringt, wirkt sich schädlich auf die Gesundheit aus. Und Krankheiten bedeuten in vielen Fällen hohe Ausgaben. Deshalb werden Arzt- oder Zahnarztbesuche hinausgezögert, was die gesundheitliche Situation verschlimmern kann. Eine schlechte Gesundheit erschwert wiederum die berufliche Integration.

«2 x Weihnachten» – gemeinsam verpacken wir Glück

Mit Menschen teilen, die wenig haben – das ist die Idee von «2 x Weihnachten». Zwischen dem 24. Dezember und dem 18. Januar sammelt das SRK lang haltbare Lebensmittel und Körperhygieneprodukte für armutsbetroffene Menschen in der Schweiz. Geldspenden für die Hilfsprojekte in Armenien, Bosnien-Herzegowina, Kirgistan und Moldawien sind ganzjährig möglich.

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Unsere Angebote

Dialog mit Politik und Behörden

Im Dialog mit Politik und Behörden setzt sich das SRK zudem für armutsbetroffene Menschen ein. Wir engagieren uns dafür, dass sie in Würde leben und am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Ziel ist es, ihre Chancen und Perspektiven langfristig zu verbessern.

Fragen und Antworten zu Armut

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