Loko und ihr Sohn Hordola, 2, mit der Gesundheitshelferin der Gemeinde, Loko, vor ihrem Haus in Wachile Woreda, Zone Borena, Oromia.

Anfang dieses Jahres war Lokos Sohn Hordola wegen Unterernährung zur Behandlung in ein örtliches Gesundheitszentrum überwiesen worden. Mittlerweile geht es ihm gut.

Die Familie wurde nach einer anhaltenden Dürre in diesem Teil Äthiopiens als Begünstigte eines ERCS-Mehrzweck-Bargeldstipendiums ausgewählt. 1.500 Haushalte in 12 Kebeles in der Region sollen vom Roten Kreuz einen einmaligen Zuschuss von 6.000 Birr (ca. 115 USD) erhalten. Das Geld richtet sich an Familien, die ihren gesamten Viehbestand verloren haben, sowie an von Frauen geführte Haushalte, Haushalte mit einem behinderten Familienmitglied und Menschen, die mit lebenslangen Krankheiten leben.

Die Ethiopian Red Cross Society hat mit Unterstützung der IFRC Gesundheitspersonal wie Loko darin geschult, Kinder in von Dürren betroffenen Gemeinden auf Unterernährung zu untersuchen. Insgesamt wurden 12 Gesundheitsberater in der Region vom Roten Kreuz in gemeinschaftsbasiertem Screening auf Unterernährung und bewährten Ernährungspraktiken für kleine Kinder geschult. Sie können Fälle von Mangelernährung an einen spezialisierten Gesundheitsdienst in der Woreda weiterleiten.

Hinzu kommen 25 Freiwillige der Woreda, die in Psychosozialer Unterstützung (PSS), Schutz, Gender und Inklusion (PGI) und Hygieneförderung geschult wurden. 15 Freiwillige wurden auch auf der Cobo ToolBox-Plattform geschult, die es ihnen ermöglicht, Begünstigte für zukünftige Mehrzweck-Geldzuschüsse auf ihren Mobiltelefonen auszuwählen und zu registrieren.

Afrika: Ernährungskrise trifft Menschen hart

News • 21.11.2022

Die Ernährungskrise südlich der Sahara verschärft sich weiter. Der Regen bleibt aus und die Konflikte halten an. Das verschlimmert die Not der Betroffenen. Wir verlängern unsere Nothilfe im Süden von Äthiopien und planen, sie auf ein neues Gebiet auszuweiten . Auch in Sudan, Südsudan und Malawi unterstützen wir unsere Schwestergesellschaften bei der Bewältigung der Krise.

Afrikanische Länder südlich der Sahara erleben derzeit die schwerste Ernährungskrise seit Jahrzehnten. 146 Millionen Menschen leiden unter akuter Ernährungsunsicherheit. Das entspricht fast einem Drittel der Bevölkerung der Europäischen Union. Diese Menschen benötigen dringend humanitäre Hilfe. Auch längerfristige Unterstützung ist wichtig, um gegenüber solchen Krisen widerstandsfähiger zu werden.

Schlechte Prognose

Experten sagen voraus, dass sich die Ernährungs-Unsicherheit auch 2023 weiter verschärfen wird. Sie gehen unter anderem davon aus, dass die Regenzeit beim Horn von Afrika zum fünften Mal in Folge ausfallen wird. Die Folgen sind drastisch: Millionen von Nutztieren sind bereits verendet wegen Wasser- und Futtermangel. Ernte-Erträge gehen massiv zurück. Auch die Menschenleben sind bedroht.

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So hilft das SRK in Äthiopien

Seit März 2022 unterstützt das SRK eine Zweigstelle des Äthiopischen Roten Kreuzes bei der Nothilfe. Aufgrund der langjährigen Zusammenarbeit können die Massnahmen vor Ort schnell umgesetzt werden:

  • Bargeld-Hilfe:
    Um den Zugang zu Nahrung sicherzustellen erhalten rund 18'000 Menschen in der Region Moyale Bargeld während sieben Monaten. Viele dieser Menschen sind intern Vertriebene. Aufgrund der Dürre sind sie gezwungen, Mahlzeiten ausfallen zu lassen. Ihnen fehlt das Geld, um Lebensmittel für ihren täglichen Bedarf zu kaufen.

  • Zugang zu sauberem Wasser und Hygiene:
    Rotkreuz-Freiwillige führen Infoanlässe zu Hygiene durch. Sie verteilen Behälter mit denen Trinkwasser sicher aufbereitet und gelagert werden kann. Gemeinsame Aktionen zur Beseitigung von Tierkadavern sind wichtig, damit keine Krankheitserreger ins Wasser gelangen.

  • Verlängerung:
    Weil sich die Ernährungssituation nicht verbesserte und die Menschen weiterhin kein Essen produzieren oder kaufen können, musste die Unterstützung verlängert werden.

  • Ausweitung:
    Den in Moyale erfolgreich erprobten Ansatz, beabsichtigt das Rote Kreuz auf das angrenzende Gebiet Borena auszweiten. Der humanitäre Bedarf ist dort ebenso dringend. Ziel ist es, 69000 Menschen mit Bargeld-Transfer zu unterstützen.

KURZ ERKLÄRT

Was ist Bargeld-Hilfe?

Bargeld-Hilfe ist ein wirksames und transparentes Mittel für Menschen, die von einer Katastrophe betroffen sind. Sie gewährleistet Betroffenen Unabhängigkeit und Würde. Diese Form der humanitären Hilfe gibt verletzlichen Menschen die Möglichkeit selber zu entscheiden, wofür sie das Geld einsetzen.

Adoy, 35, und ihr Sohn Kalid vor ihrem Haus in der somalischen Region Moyale.

Adoys Familie wurde nach einer anhaltenden Dürre in Äthiopien als Begünstigte eines Mehrzweck-Bargeldzuschusses der Gesellschaft des Äthiopischen Roten Kreuzes ausgewählt.
Diese stillende Frau in Moyale wurde vom Äthiopischen Roten Kreuz als besonders verletzlich identifiziert. Sie erhält Bargeld-Hilfe um die Dürre zu überstehen.

SRK-Unterstützung in Südsudan, Sudan und Malawi

Der afrikanische Kontinent als Ganzes sowie bestimmte Regionen im Besonderen sind von extremen Wetter-Ereignissen wie Dürren und Überschwemmungen immer wieder betroffen. Hinzu kommen politische und wirtschaftliche Instabilität. Derzeit steigen die Preise für Nahrungsmittel und lebensnotwendige Güter stark an. Die schwere Inflation trifft die schwächsten Haushalte als erste.

In Südsudan, Sudan und Malawi arbeitet das SRK eng mit seinen Schwestergesellschaften zusammen, um die Folgen der Ernährungskrise zu lindern. Es unterstützt seine Partner dabei, die Situation zu erfassen und geeignete Massnahmen zu entwickeln:

  • Zugang zu Nahrungsmitteln durch Bargeld-Transfers

  • Behandlung und Prävention von Unterernährung, besonders bei Kindern und Frauen

  • Förderung von Hygiene-Praxis

  • Stärkung der Kapazitäten der Schwestergesellschaften

Wir dürfen diese Menschen nicht vergessen. Ihr Leid ist immens.

Beatrice Weber, Co-Leiterin Katastrophenhilfe SRK

Regional koordinierte Nothilfe

Weiter beteiligt sich das SRK finanziell an der regionalen koordinierten Nothilfe, die von den nationalen Rotkreuz-Gesellschaften durchgeführt und von der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRC) unterstützt wird.

GUT ZU WISSEN

Was sind Ursachen der Ernährungskrise?

  • Gewaltsame Konflikte mit Vertreibungen

  • Armut

  • Folgen der COVID-19 Pandemie: Verlust von Arbeitsplätzen und Einkommen sowie Inflation und gestiegene Lebenshaltungskosten

  • Extremwetter-Ereignisse als Folgen des Klimawandels

  • Heuschreckenplage

  • Teuerung von Lebensmitteln

Diese Krisen überlagern und verstärken sich gegenseitig. Sie haben eine enorme humanitäre Krise erzeugt.

Einfluss der Ukraine-Krise

Der Russland-Ukraine-Konflikt stört die weltweite Lebensmittelversorgung erheblich. Preise von Lebensmitteln, welche aus der Ukraine und Russland exportiert werden (z.B. Weizen) und von welchen vielen Ländern und gerade auch in Afrika abhängen, haben sich massiv erhöht. Da sich der Konflikt auf die Preise für Exporte von Getreide und Treibstoff sowie die Verfügbarkeit von Düngemitteln auswirkt, beeinträchtigt dies auch künftige Ernten in vielen Ländern. Ausserdem ist die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit weitgehend auf diesen Konflikt gerichtet, während die Ernährungskrise in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara nicht die nötige Aufmerksamkeit erhält.

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