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Im Einsatz in der West-Ukraine

Reportage

Das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) setzt in der Ukraine verschiedene Fachleute ein. So stärken wir das Engagement des Ukrainischen Roten Kreuzes (URK) für die notleidende Zivilbevölkerung. Gemeinsam verbessern wir in den Flüchtlingsunterkünften die Infrastruktur und unterstützen mit Geldhilfen bedürftige Familien und ältere Menschen, damit sie sich Essen und warme Kleidung kaufen können.

Text: Sonja Gambon | Bilder: Remo Nägeli

Es ist Mittagszeit, als an diesem Novembertag in Iwano-Frankiwsk, West-Ukraine, die Sirenen aufheulen. Sofort greifen alle im Büro des Roten Kreuzes nach ihrem Handy. Über verschiedene Apps informieren sich die Mitarbeitenden, welche Gebiete gefährdet sind. Jeder Alarm erfordert eine Risiko-Einschätzung. Es wird entschieden, dass wir uns vorsichtshalber in den Bunker zurückziehen. An einigen Tagen ertönt der Luftalarm mehrmals. Die Delegierten des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK) bleiben gelassen. Es hilft, Teil zu sein der Rotkreuz-Familie. Man gibt sich gegenseitig Halt, arbeitet Hand in Hand mit den Mitarbeitenden des Ukrainischen Roten Kreuzes (URK). Alle geben täglich ihr Bestes, um die enorme Not im Land einzudämmen. Die Motivation zu helfen und die Arbeitsmoral sind trotz den widrigen Umständen ungebrochen.

SRK-Fachleute in der Ukraine

Seit März 2022 unterstützt das SRK seine Schwester-Gesellschaft in der Ukraine. Im Oblast Iwano-Frankiwsk ist seit September 2022 eine Delegation des SRK permanent im Einsatz. Diese koordiniert die Unterstützung des SRK für die vom Krieg betroffene Zivilbevölkerung im Westen der Ukraine. Ende November 2022 unterstützen drei Fachleute von Iwanow-Frankiwsk aus das URK: Architektin Fabienne Hugi, 34, kümmert sich um Unterkünfte für die innerhalb der Ukraine geflüchteten Menschen. Andrea Leuenberger, 32, arbeitet als Expertin für den Gesundheitsbereich. Bektur Imankulov, 36, koordiniert die Bargeldhilfe des Roten Kreuzes.

Der gesamte Einsatz der SRK-Delegation erfolgt in Absprache mit dem URK, der Landeskoordination in Kiew und der Programm-Verantwortlichen Yvonne Affolter des SRK in Bern. Letztere präzisiert: «Unsere Aufgabe ist es, die Arbeit des Ukrainischen Roten Kreuzes zu verstärken. So können die Ressourcen effizient genutzt werden und das lokale Rote Kreuz bleibt die Anlaufstelle für die Bevölkerung.»

Weiterhin suchen viele Ukrainerinnen und Ukrainer aus den umkämpften Gebieten Zuflucht in der westlichen oder zentralen Ukraine. Für ihre Betreuung und Unterbringung benötigt das Rote Kreuz zusätzliche Fachleute. Diese stellt das SRK zur Verfügung. Auf Bitte des URK setzt das SRK nun ebenfalls im zentralukrainischen Oblast Kirowohrad Fachleute aus der Schweiz ein.

Porträtbild von Yvonne Affolter. Sie trägt ein Poloshirt mit dem Logo des Schweizerischen Roten Kreuzes.
Unsere Aufgabe ist es, die Arbeit des Ukrainischen Roten Kreuzes zu verstärken. So können die Ressourcen effizient genutzt werden und das lokale Rote Kreuz bleibt die Anlaufstelle für die Bevölkerung.

Yvonne Affolter, Programmverantwortliche Ukraine SRK

Unser Team in der West-Ukraine

Unterkünfte für Intern Vertriebene

Wir besuchen eine Flüchtlings-Unterkunft in der Stadt Iwano-Frankiwsk, die als Hauptort gleich wie der Oblast heisst. Über 220000 Menschen sind aus den umkämpften Gebieten in die Oblasten Iwano-Frankiwsk und Ternopil geflüchtet. Sie kommen aus dem Osten und Süden des Landes, aus Donezk, Luhansk, Charkiw oder Cherson. Die Geflüchteten haben Unvorstellbares durchgemacht. In den Hauptstädten leben nun je 42'000 intern Vertriebene.

Die meisten mieten eine Wohnung oder wohnen bei Verwandten oder Bekannten. Wer in einer Flüchtlings-Unterkunft leben muss, hat keine Wahl. «Die Geflüchteten in den Unterkünften kennen niemanden hier oder sie sind mittellos», erklärt Fabienne Hugi. Das Rote Kreuz verbessert die Infrastruktur in den Flüchtlings-Unterkünften. Wir beschaffen Waschmaschinen, Kühlschränke, Boiler, Kochherde und Küchengeräte. Vor dem Winter wurden beschädigte Fenster ersetzt und Generatoren zur Stromversorgung installiert.

Etwas Warmes zu Essen

Die 34-jährige Tatyana B. musste mit ihren Kindern und Eltern aus Donezk fliehen. Da ihr Mann an der Front ist, möchte sie nicht mit vollem Namen genannt werden. In der Flüchtlings-Unterkunft bleibt ihr nichts anderes übrig, als auszuharren, bis der Krieg endet. «Wir möchten einfach wieder nach Hause. Doch das ist unmöglich.» Mehrere Tage waren sie mit dem Auto unterwegs. Sie hatten nur das Nötigste dabei. Es ist zu schmerzhaft, über eine Zukunft fernab der Heimat nachzudenken. «Wir hoffen jeden Tag, dass es besser wird, aber dann wird es nur noch schlimmer!», erzählt sie unter Tränen. Sie zeigt Fabienne Hugi Fotos, auf denen zu erkennen ist, dass die Soldaten nun in ihrer Wohnung verharren. «Doch wir sind sehr dankbar für die Unterstützung des Roten Kreuzes. Es bedeutet uns viel, dass wir zumindest etwas Warmes essen können.»

Wir sind sehr dankbar für die Unterstützung des Roten Kreuzes. Es bedeutet uns viel, dass wir zumindest etwas Warmes essen können.

Tatyana B., 34, Intern Vertriebene aus Donezk

Tatyana B. lebt nun mit ihren Kindern, Sofia (2) und Dominik (10) in einer Flüchtlingsunterkunft in Iwano-Frankiwsk. Dank dem SRK haben die Kinder auch etwas Raum, zu spielen und den Krieg zu vergessen.

Gutscheine für das Nötigste

Etwas vom Wichtigsten für die Menschen in der Ukraine ist die finanzielle Unterstützung durch das SRK. «Mit Wertgutscheinen können sich Menschen kaufen, was sie am dringendsten benötigen. Zudem wird die lokale Wirtschaft unterstützt», erklärt Bektur Imankulov, SRK-Delegierter für die Bargeldhilfe.

An diesem kalten Morgen strömen zahlreiche Menschen zum Büro des URK, um ihre Wertgutscheine abzuholen. Pensionierte, Alleinerziehende und Eltern, die sich um ein Kind mit einer Beeinträchtigung kümmern, sind besonders auf die Unterstützung angewiesen. Olga Degferova, 34, hat vier Kinder. Das Jüngste kam diesen Sommer zur Welt. «Mit den Gutscheinen können wir uns Essen kaufen. Ich bin so dankbar!», erzählt sie uns.

Olga Degferova (34) erhält einen Wertgutschein in Iwano-Frankiwsk.

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