Südosteuropa

Dankbarkeit nach grosser Not

Vor einem Jahr führte tagelanger Regen im Südosten Europas zu zerstörerischen Überschwemmungen. Das Rote Kreuz leistete Soforthilfe in Bosnien-Herzegowina und Serbien. Anschliessend unterstützte es die Betroffenen bei der Renovation ihrer Häuser und der Rückkehr in den Alltag.

«Stellen Sie sich vor, Ihr ganzes Leben schwimmt weg», erzählt Mara Pupčević (71) im grauen Strickpulli. Sie steht in ihrem Garten hinter dem Haus, Apfelbäume blühen, Vögel zwitschern und ein Kätzchen räkelt sich in den Frühlings-Sonnenstrahlen. Es ist schwer vorstellbar, dass die kleine Ortschaft Samač im Nordosten von Bosnien-Herzegowina vor einem Jahr komplett unter Wasser stand und die Einwohner per Helikopter und mit Booten evakuiert werden mussten.

Heute erinnern nur noch da und dort graue, dreckige Linien an Hausfassaden daran, wie hoch das Wasser stand: bis kurz unter die Zimmerdecke. «Es war grässlich, als das Wasser nach zehn Tagen endlich wieder gewichen war.Zurück blieben Dreck und Schlamm.» Dies traf Mara Pupčević besonders hart, da sie mit ihrer bescheidenen Witwenrente sowieso kaum über die Runden kommt.

Wiederaufbau dank finanzieller Hilfe

«Schon vor der Katastrophe lebten diese Menschen in sehr bescheidenen Verhältnissen, oft als Selbstversorger dank Gemüsegärten, einigen Hühnern und Schweinen. Jeder Zweite ist arbeitslos. Die Renten der Senioren reichen nicht annähernd zum Überleben», erklärt Andrea Schmid, Projektkoordinatorin des SRK vor Ort. «Nach der ersten Nothilfe ging es darum, den Menschen wieder zurück in den Alltag zu helfen, da oft ihre Existenzgrundlage zerstört war.» Gestützt auf konkrete Kriterien hat das SRK nach den Überschwemmungen in Bosnien und Serbien rund 3800 Haushalte ausgewählt, die am Schlimmsten betroffen waren: kinderreiche Familien ohne Einkommen, behinderte, kranke, oder betagte Menschen, die keinerlei Unterstützung erhalten – weder vom Staat noch von Verwandten aus dem Ausland.

Wer kann, renoviert selbst

Jeder betroffene Haushalt hat unterschiedliche Bedürfnisse. Deshalb hat das SRK jedem Begünstigten ein Konto eröffnet und Geldbeträge in Tranchen kontrolliert ausbezahlt.  Über 5 Monate wurden gestaffelt Geldbeträge für Renovationen, Einrichtung und Mobiliar, Essensvorräte und Holz sowie schliesslich im Frühling für Saatgut ausbezahlt. «Um Missbrauch vorzubeugen, haben unsere Projektteams und Freiwillige des lokalen Roten Kreuzes die Begünstigten regelmässig besucht und überprüft, ob die Geldbeträge sachgemäss verwendet werden», erläutert Andrea Schmid das Vorgehen des SRK.

«Zum Glück konnte ich die meisten Aufräum- und Renovationsarbeiten selbst durchführen», sagt Bauer Marko Ćošković aus Domaljevac. Seine Familie hat in den Fluten drei ihrer Milchkühe verloren, das Gewächshaus und die gesamte Ernte wurden zerstört. «Wir haben versucht, das Beste aus der Situation zu machen. Dank der finanziellen Hilfe des SRK konnte ich den Bauernbetrieb relativ rasch wieder aufnehmen.» Lächelnd fügt er an: «Und die Küche hat selbstverständlich meine Frau ausgesucht.»