Ein Jahr nach Taifun Haiyan

Philippinen: Ein Dach über dem Kopf, das hält

Am 8. November 2013 ist der Taifun Haiyan mit bis zu 300 Stundenkilometern über die Philippinen gerast. Mehr als 6300 Menschen starben, Hunderttausende verloren ihr Obdach. Unterdessen nimmt der Wiederaufbau Form an. Das SRK engagiert sich in drei Regionen beim Bau sturmfester Häuser.

Jedes Mal, wenn über Palawan ein Sturm aufkommt, packt Enrico Apoulinario wieder die Angst: «Der Super-Taifun war schlimmer als alles, das ich mir je vorstellen konnte. Mein ganzes Haus wurde zerstört und es ist ein grosses Glück, dass meine Frau und die sechs Kinder überlebt haben.» Dem 39-jährigen Kleinbauern aus dem Dorf Decalachao sitzt der Schrecken noch immer in den Knochen. Doch nun hat er wenigstens ein solides Zuhause. Denn die achtköpfige Familie gehört zu den ersten, die ein vom SRK finanziertes, stabiles Haus beziehen konnten.

Schreiner erlernen stabiles Bauen

Errichtet werden die Häuser von lokalen Schreinern, angeleitet von Fachleuten des Roten Kreuzes und der Baubehörde. In sechstägigen Workshops erlernen sie, wie man aus lokal verfügbarem Material die Häuser so errichten kann, dass sie künftigen Stürmen standhalten. Die Holzträger der traditionellen «Pfahlbauten» sind jetzt in Betonsockeln verankert, so können sie weder im feuchten Boden verfaulen noch vom Wind weggerissen werden. Und die Dächer sind fest mit der Trägerstruktur verzurrt – beim Taifun sind sie reihenweise davongeflogen. Zu jedem Wohnhaus gehört zudem ein Latrinenhäuschen, um die hygienischen Verhältnisse zu verbessern. Für Enrico Apoulinario ist dies ein Luxus, den er vorher nicht hatte, aber durchaus begrüsst: «Es geht uns jetzt sogar besser, als vor dem Taifun. So hat das Schlimmste, das ich je erlebte, auch sein Gutes», sagt der sechsfache Familienvater, dessen älteste Tochter demnächst ihr erstes Kind erwartet.

Allein in Decalachao erhalten 56 besonders benachteiligte und kinderreiche Familien vom Roten Kreuz ein neues Zuhause. Von den Verbesserungen profitiert das ganze Dorf. Die lokalen Bauleute kennen jetzt Techniken, um bestehende Häuser nachträglich zu verstärken oder Neubauten sturmfest zu errichten. Für die Schreiner aus dem Dorf, die für ihren Weiterbildungs-Workshop ein Zertifikat erhalten, eröffnen sich zudem bessere berufliche Perspektiven.

Von der Nothilfe zur langfristigen Unterstützung

Zusammen mit dem Philippinischen Roten Kreuz engagiert sich das SRK in drei Regionen der Philippinen beim Wiederaufbau von sturmfesten Häusern. Ausser in Palawan ist es mit Unterstützung der Glückskette auch in Capiz und Leyte tätig. Insgesamt errichtet es rund 1700 stabile Häuser, unterstützt weitere rund 2100 Familien bei der Verstärkung der bestehenden Unterkünfte und baut überall die dazu gehörigen sanitären Anlagen.

Mit dem Wiederaufbauprogramm setzt das SRK sein Engagement fort, das gleich nach dem Taifun Haiyan mit einer umfangreichen Nothilfe begann. In den Wochen nach der Katastrophe verteilte es zusammen mit dem Philippinischen Roten Kreuz an 5000 Familien Wellblech, Baumaterial und Bargeld-Beiträge, damit sie ihre Häuser flicken konnten und rasch wieder ein Dach über dem Kopf hatten.

Rotkreuzbewegung spielt Schlüsselrolle

Das SRK ist Teil der internationalen Rotkreuzbewegung, die  bei der Bewältigung der Taifun-Katastrophe eine zentrale Rolle spielt. 18 nationale Rotkreuzgesellschaften aus vier Kontinenten unterstützen das Philippinische Rote Kreuz beim Wiederaufbau in zehn Regionen. Durch dieses koordinierte Engagement bekommen insgesamt 40‘000 Familien ein neues, strumresistentes Zuhause, weitere 50‘000 erhalten Material und Anleitungen, um ihre bestehenden Häuser zu verstärken und ebenso viele Barbeiträge für einen Neubeginn nach dem Verlust der Lebensgrundlagen. Die Nothilfe der internationalen Rotkreuzfamilie hatte in den Wochen nach dem Taifun insgsamt 1,3 Millionen Menschen erreicht.