Hurrikan Matthew

Haiti zwei Monate nach Matthew

Gut zwei Monate nachdem Hurrikan Matthew Teile Haitis verwüstet hat, läuft die internationale Rotkreuz-Hilfe weiter. Das Wetter sowie der Transport der teilweise direkt in Haiti produzierten Hilfsgüter bleiben dabei die grössten Herausforderungen.

Während der Nothilfe hat es fast täglich geregnet. «Die Strassen, die schon bei Trockenheit schlecht sind, waren in katastrophalem Zustand», sagt Markus Stämpfli, SRK-Nothelfer im Logistiker-Team, der vor kurzem von einem vierwöchigen Einsatz auf Haiti zurückgekehrt ist. «Für 18 km Transportweg brauchten wir schon mal bis zu zweieinhalb Stunden.»

Einige Hilfsgüter liess das Rote Kreuz direkt in Haiti herstellen. «1000 Werkzeug-Sets haben wir vor Ort produzieren lassen. Sie enthalten unter anderem eine Säge, einen Hammer und Nägel – das nötige Werkzeug, um erste Reparaturen am Haus zu machen», erzählt SRK-Logistiker Marcel Ducceschi. «Auch 2000 Hygiene-Kits liessen wir vor Ort aus lokalem Material zusammenstellen. Die optimale Lösung: Die Ware war schnell besorgt, wir konnten den Empfängern dieser Sets rasch helfen und gleich noch die lokale Wirtschaft etwas unterstützen.»

Der Weg der Hilfsgüter der internationalen Rotkreuz-Bewegung von Port-au-Prince bis zur Verteilung im stark verwüsteten Südwesten des Landes

© IFRC

Die Verteilung der Hilfsgüter in den Dörfern läuft dank vielen Freiwilligen des Haitianischen Roten Kreuzes gut, bestätigt Stämpfli, der in der Region um die Hafenstadt Jérémie im Einsatz war. «Sie sind sehr engagiert und gut in den Dörfern verankert.» Die Menschen sind im stark verwüsteten Südwesten Haitis nach wie vor dringend auf Hilfe angewiesen. Die Bedürfnisse sind gross und übersteigen bei weitem die Hilfe, die international zur Verfügung gestellt wird.

Lebensgrundlage wieder aufbauen

Nicht nur Zehntausende Häuser beschädigte Hurrikan Matthew, vielerorts wurde auch die Lebensgrundlage, Felder und Gärten, zerstört. In Léogâne engagiert sich das SRK seit dem Erdbeben 2010. Die Region wurde ebenfalls vom Hurrikan betroffen, wenn auch nicht so stark wie andere Gebiete. Das SRK hilft hier mit Saatgut aus, damit die Familien so rasch wie möglich aussäen und ernten können. Zudem arbeitet es mit der Stadtverwaltung in Léogâne zusammen, um Abflusskanäle und Rinnsteine von Abfall zu säubern, damit das Wasser bei Regen besser abfliessen kann. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Wasserversorgung. Mit Chlorbehandlung des Wassers und gleichzeitiger Aufklärung soll verhindert werden, dass sich Krankheiten wie Cholera ausbreiten.

Im zerstörten Corail, etwa eine Tagesreise westlich von Léogâne entfernt, engagiert sich das SRK mittelfristig. Neben den Werkzeug-Sets, die verteilt wurden, instruieren SRK-Fachleute die Einwohner, wie man sturm- und erdbebensicherer baut. Zudem verteilt auch hier das SRK Saatgut sowie Netze an Fischer, die beim Hurrikan ihre Lebensgrundlage verloren haben, und verbessert die Wasserqualität mit den entsprechenden Massnahmen.