Ein Monat nach Hurrikan Matthew

Das Rote Kreuz hilft Zehntausenden in Haiti

Praktisch alle Häuser zerstört, die Ernten vernichtet, sauberes Trinkwasser knapp: Haiti braucht dringend Hilfe. Ihre Hilfe!

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ZAHLEN UND FAKTEN

Die Bilder und Videos aus den betroffenen Regionen zeigen es: Die Katastrophe ist noch nicht überwunden. Noch lange nicht. Wege sind unpassierbar, ganze Landschaften verwüstet. Das Zuhause vom Sturm zerstört oder vom nachfolgenden Regen unter Wasser gesetzt. Die Felder und somit die Nahrungsgrundlage vernichtet. Wasserleitungen sind geborsten, die Versorgung mit sauberem Wasser zusammengebrochen. Es droht eine Choleraepidemie. «Das Szenario war apokalyptisch», schildert Fabienne Weibel, SRK-Programmverantwortliche für Haiti, die wenige Tage, nachdem Hurrikan Matthew über das Land hinweggefegt war, nach Haiti flog und erst vor kurzem zurückkam.

«In der Not holen die Familien das Wasser im
verschmutzen Bach und werden krank.»

Fabienne Weibel, SRK-Programmverantwortliche für Haiti

Die Geschichte von Rosline

Hilfsgüter und Logistik

Sie sitzt ausserhalb ihres kleinen Hauses und wäscht das Geschirr. Rosline Limithe, 34-jährig und Mutter von fünf Kindern. Das Geschirr ist neu. Eine Blache deckt notdürftig das Dach. Beides erhielt sie vom Roten Kreuz. Als «Matthew» am 4. Oktober über das Land zog, raste die 7-köpfige Familie los, den Berg hinunter, ein Auto war ihre Zuflucht.  >> Lesen Sie mehr

Anse D'Hainault, die Heimat von Rosline Limithe, ist eine der Regionen, wo das Rote Kreuz Hilfsgüter verteilt. Für 44 000 Menschen bisher. Darunter sind Blachen, Hygieneartikel, Küchensets, Moskitonetze, Chlortabletten für sauberes Wasser. Einer der Männer und Frauen, die dafür sorgen, dass die richtigen Hilfsgüter ihren Weg zu den Menschen finden, die sie am dringendsten brauchen, ist Thomas Büeler. Er war Leiter der ersten Logistik-Einheit vor Ort, welche das SRK regelmässig nach Grosskatastrophen in den Einsatz schickt. «Wir sind diejenigen, die Nadelöhre öffnen», sagt Bühler mit Blick auf die zerstörten Verkehrswege, anhaltenden Niederschläge und auch bürokratischen Hindernisse. 800 Tonnen Güter haben die Teams, die stets im Hintergrund wirken, bisher am Hafen in Port-au-Prince in Empfang genommen.

Die Geschichte von Sarah

Sicheres Bauen und Wiederaufbau

Ihr Haus hat dem Sturm standgehalten. Dieses Mal. Beim Erdbeben verlor Sarah Saint-Pierre alles. Hier, in den Hügeln von Léogâne, lag 2010 das Epizentrum des schweren Erdbebens. Dank Spenden und der Unterstützung des Schweizerischen Roten Kreuzes konnte die Familie wieder ein Haus bauen.  >> Sehen Sie den Beitrag auf SRF

Das SRK ist seit dem schweren Erdbeben von 2010 in Haiti präsent und verfügt dadurch über ein gutes lokales Netzwerk. In der Region Léogâne leistete es nach dem Erdbeben Wiederaufbau und hilft bis heute den Gemeinden bei der Katastrophenprävention und in der Verbesserung der Gesundheitssituation. Beim Hurrikan Matthew hat sich dies bewährt. Die SRK-Häuser trotzten dem Sturm. Viele Menschen begaben sich in die Schutzunterkünfte, die das SRK für genau solche Notsituationen aufgebaut hatte. «Bereits haben sich verschiedene Gruppen aus den umliegenden Gemeinden gemeldet, weil sie langfristig unsere Unterstützung bei der Katastrophenprävention möchten», so Fabienne Weibel.

Die Geschichte von Yuko

Hygiene und Cholera

«Wir verteilen keine Hilfsmittel. Wir teilen Wissen.» Die Rotkreuz-Frau Yuko Ogasawara bildet in Haiti junge Frauen zu Pflegefachfrauen aus. Unterrichtsinhalt unter anderem: Hygie­ne und Cholera. Es könnte nicht passender sein. «Dank unserer Aufklärung haben die Menschen Latrinen gebaut.» In ihrer Gemeinde gab es seit «Matthew» keinen neuen Cholerafall. Das Rote Kreuz führt Hygienekampagnen durch, sorgt für die Reinigung des Trinkwassers und leistet medizinische Hilfe in abgelegendsten Gebieten.
>> Lesen Sie mehr über die Choleraprävention
>> Lesen Sie mehr über die medizinische Hilfe in abgelegenen Gebieten