2xWeihnachten

Winterhilfe gegen Armut und Einsamkeit in Armenien

Die Winter in Armenien sind hart und dauern lange. Im kleinen Land am Rande des Kaukasus leben viele ältere Menschen in bitterer Armut. Hier hilft das SRK: Dank der Spenden von 2xWeihnachten können die Menschen regelmässig Lebensmittelspenden bekommen.

Ein kalter, rauer Wind weht durch die armenische Stadt Hrazdan. Immer wieder kommt es zu intensiven Schneestürmen im Hauptort der zentral gelegenen Provinz Kotayk, der von vielen Bergen umgeben ist. Im ehemals wichtigen Industriestandort zu Zeiten der armenischen Sowjetrepublik leben rund 40'000 Menschen, die meisten davon in heruntergekommenen Plattenbauten; so auch der 82-jährige Karlos Stepanyan.

Der pensionierte Förster lebt alleine und freut sich sehr über den seltenen Besuch. Er offeriert Kaffee und Früchte. Die Geste wiegt schwer, hat Karlos doch selber kaum genug zu essen. Doch heute ist ein besonderer Tag, denn Freiwillige des Roten Kreuzes kommen vorbei, die ihm dringend benötigte Lebensmittel mitbringen. «Ich bin sehr froh um diese Unterstützung», berichtet Karlos, «damit habe ich einige Sorgen weniger und ich kann das gesparte Geld für Elektrizität verwenden.»

Trotz seines hohen Alters ist Karlos stolz und aktiv. So hat er sich das Gitarre spielen beigebracht, um geistig fit zu bleiben. «Musik verlängert das Leben», ist er überzeugt und fängt sogleich an armenische und internationale Hits zu spielen und zu singen. Die Bücher stapeln sich in seiner kleinen Wohnung, in unzähligen Gläsern sammelt er Früchte und Blumen, die Gesellschaftsspiele sind zentral positioniert. Man merkt sofort: Karlos möchte nicht untätig sein. Fünfzig Jahre hat er als Förster gearbeitet, bis ihn sein Arbeitgeber des Alters wegen entliess. Das ist für ihn immer noch schwierig zu akzeptieren, er würde gerne für sich selber sorgen können. «Ich möchte so gerne arbeiten, aber wer würde mich schon anstellen?»

Dass er arbeiten möchte, liegt nicht nur an seiner inneren Motivation. Für ältere Menschen in Armenien ist es kaum möglich, sich selbst zu finanzieren. Die knapp 100 CHF Rente reichen bei weitem nicht für den Lebensunterhalt. Dazu kommen strukturelle Probleme: Viele junge Menschen verlassen das Land, um Arbeit zu finden. Zurück bleiben 12 Prozent der drei Millionen Menschen über 65 Jahre. Der andauernde Konflikt mit Aserbaidschan um das Gebiet Nagorno-Karabach und die Coronavirus-Pandemie erschweren die wirtschaftliche Situation zusätzlich.

Alt und einsam – und Corona

«Die ältere Bevölkerung ist am meisten betroffen von Armut», erklärt Jina Sargizova, SRK-Delegierte in Armenien. «Im Winter ist es besonders hart. Elektrizität ist teuer, da ist es oft ein Entscheid zwischen Strom oder Essen.» So war es früher auch bei Karlos. Seit einem Jahr bekommen er und 216 weitere Betroffene nun in den kalten Wintermonaten alle zwei Wochen ein Lebensmittelpaket, das ihnen Freiwillige des Armenischen Roten Kreuzes (ARCS) vorbeibringen. Dieses beinhaltet Grundnahrungsmittel wie Buchweizen, Reis, Bohnen, Mehl und Öl. Heute ist aber noch ein besonders kostbares Lebensmittel dabei: Kaffeepulver. «Wir hatten viele Anfragen von den Begünstigten nach Kaffeepulver», erklärt Nazeli Kirakosyan, Mitarbeitende des ARCS. 

Karlos ist nicht nur froh um die Lebensmittel, die er dank Spenden durch 2x Weihnachten erhält. Mindestens genauso viel bedeutet ihm der soziale Kontakt, den er mit den Freiwilligen pflegt, die ihm die Lebensmittel nachhause bringen. Denn Karlos ist einsam. Aufgewachsen in einem Waisenheim, kannte er das Gefühl schon von klein auf. Nun ist er wieder alleine, denn seine Frau hat ihn verlassen, die Söhne sind für die Arbeit nach Russland gegangen. «Ihr Leben ist schwierig genug, sie können mir nicht helfen.» Mit der Coronavirus-Pandemie wurde auch der Kontakt zu den Nachbarn oder Bekannten immer weniger. Die Einsamkeit schmerzt ihn, der sonst so aufgestellte Karlos wird plötzlich ganz still. «Ich freue mich immer sehr, wenn das Rote Kreuz kommt. Es ist mein wichtigster sozialer Kontakt.»

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