Coronavirus

Wie ältere Menschen in Osteuropa unter Corona leiden

Zur Eindämmung des Coronavirus werden die persönlichen Freiheiten stark eingeschränkt. Für ältere Menschen in Osteuropa hat dies einschneidende Folgen, ihre Situation hat sich drastisch verschlechtert. Dies zeigt eine Studie des Roten Kreuzes.

Unsere Gesellschaft wird immer älter. Auch in Armenien, Aserbaidschan und Georgien wächst der Anteil der älteren Bevölkerung stetig. Diese besonders verletzliche Bevölkerungsgruppe muss bereits im normalen Alltag viele Herausforderungen meistern. Durch die Coronavirus-Pandemie haben sich die Probleme verschärft, da COVID-19 ältere Menschen nicht nur unmittelbar gefährdet, sondern auch schwerwiegende Auswirkungen auf deren soziale und wirtschaftliche Situation, aber auch auf die allgemeine Gesundheit mit sich bringt. 

Um die konkreten Folgen festzustellen, führte das Schweizerische Roten Kreuz (SRK) zusammen mit der Rothalbmondgesellschaft von Aserbaidschan, dem Armenischen, Georgischen und Österreichischen Roten Kreuz sowie dem UN-Bevölkerungsfonds eine Studie durch. Untersucht wurden die Auswirkungen der Pandemie auf die Situation älterer Menschen, auf die Gesundheits- und Sozialbetreuerinnen sowie auf die Freiwilligen des Roten Kreuzes bzw. Halbmondes im Kontext des Pflegesystems in Armenien, Aserbaidschan und Georgien. 

Schlechtere Gesundheitsversorgung und grosse Einsamkeit 

Die Studie kommt zu folgenden Ergebnissen: 

  • Ältere Menschen haben immer mehr Schwierigkeiten, sich selbst zu versorgen. Dies liegt auch daran, dass sie seit Beginn der Corona-Pandemie deutlich geringere Unterstützung aus ihrem Umfeld erhalten, aber auch weniger Zugang zu Dienstleistungen haben oder weniger mobil sein können. 
  • Die Gesundheit der älteren Menschen hat sich verschlechtert, sowohl physisch wie auch die psychisch. Dazu kommt, dass der Zugang zu Gesundheitseinrichtungen durch die eingeschränkte Mobilität schwieriger geworden ist. Ausserdem werden prioritär Corona-Patienten behandelt; andere Beschwerden müssen warten. 
  • Die soziale Isolation trifft ältere Menschen besonders stark. Viele sind einsam. Durch die Isolation sind sie noch abhängiger von der Unterstützung aus ihrem Umfeld. Dies hat zur Folge, dass sie Altersdiskriminierung wie körperlichem und finanziellem Missbrauch stärker ausgesetzt sind, insbesondere im städtischen Umfeld. 

«Die Studie bestätigt unsere Wahrnehmung und die gemachten Erfahrungen», sagt Gabriela Zipper, Programmverantwortliche Armenien beim SRK. «Wie auch bei uns leiden die älteren Menschen, die auf Hilfe und Pflege angewiesen sind, unter Einsamkeit. Die bereits vorher geringen Sozialkontakte sind teilweise ganz weggebrochen. Oft besteht ein Kontakt zur Aussenwelt nur noch über die Mitarbeitenden und Freiwilligen des Sozial- und Pflegedienstes des Roten Kreuzes.» 

«Die Versorgung der Klientinnen und Klienten hat oberste Priorität, nicht nur aus pflegerischer sondern auch aus sozialer Sicht.»

Gabriela Zipper, Programmverantwortliche Armenien beim SRK

Sozial- und Pflegedienst geht weiter 

Der Pflegedienst in Armenien konnte während der ganzen Pandemie aufrecht erhalten bleiben. «Das ist sehr erfreulich, denn die Versorgung der Klientinnen und Klienten hat oberste Priorität, nicht nur aus pflegerischer sondern auch aus sozialer Sicht», so Gabriela Zipper.  

Wichtig ist dabei auch das sichere Arbeitsumfeld für die Mitarbeitenden und Freiwilligen, das durch Aufklärung und Schulung im Umgang mit der Pandemie, durch adäquate Schutzmassnahmen oder wo nötig durch psycho-soziale Unterstützung sichergestellt wird. Nur so können sie sozial schwachen und pflegebedürftigen Menschen langfristig eine umfassende Versorgung zukommen lassen. 

Das SRK in Osteuropa 

Das Schweizerische Rote Kreuz führt in mehreren Ländern in Zentral- und Osteuropa Projekte für ältere Menschen durch, so in Armenien, Bosnien, Moldawien, Kirgistan und Weissrussland. Es unterstützt seine Partnerorganisationen unter anderem beim Aufbau spitalexterner Dienste, um betagten und kranken Menschen Pflege und Betreuung zuhause zu bieten.  

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