23. September 2021

Naturkatastrophe

Weitere Traumatisierung für Haiti

Nach dem Erdbeben vom 14. August 2021 kehrt auch im Epizentrum in Nippes langsam der Alltag wieder zurück. Doch die Betroffenen erholen sich kaum von dieser Katastrophe, die zum ohnehin angespannten politischen und wirtschaftlichen Kontext hinzukam. Oihane Olaetxea Martinez, SRK-Delegierte in Haiti, gibt uns einen Überblick über die aktuelle Situation.

Wie ist das Leben vor Ort seit dem Erdbeben?

In den drei betroffenen Departementen Nippes, Grande Anse und Sud kehrt langsam wieder der Alltag zurück. Die Märkte sind wieder geöffnet und das neue Schuljahr beginnt. Doch das Ausmass der Zerstörung ist gross. Viele Schulen sind eingestürzt oder beschädigt. Alleine in Nippes, wo das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) im Einsatz ist, sind rund 54 000 Personen betroffen. Sie haben ihr Zuhause verloren oder es wurde beschädigt. Tausende von Menschen schlafen auf der Strasse. Viele haben Angst, dass weitere Gebäude einstürzen.

Wie geht es den Menschen?

Schlecht. Es ging ihnen bereits vor dem Erdbeben nicht gut aufgrund von mehreren aufeinanderfolgenden Naturkatastrophen. Aber auch das politische Klima und die Sicherheitslage waren schon vorher sehr schwierig. Zu all dem kam das verheerende Erdbeben dazu.

Was unternimmt das SRK, um den Betroffenen zu helfen?

Den grössten Bedarf gibt es bei den Unterkünften. Wir sind mitten in der Hurrikan-Saison, es regnet häufig. Wir verteilen zahlreiche Zeltblachen, um den Menschen eine Notunterkunft zu ermöglichen. Wir geben ihnen auch Hygienekits und Solarlampen ab. Zudem unterstützen wir mit Geldhilfen, mindestens bis Dezember. Damit können sich die Menschen das Nötigste kaufen, zum Beispiel Kleider oder Medikamente, oder Reparaturen vornehmen.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit dem Haitianischen Roten Kreuz?

Sehr gut. Wir arbeiten eng mit ihm zusammen. Dank seiner lokalen Verankerung, insbesondere über die lokalen Komitees und die Freiwilligen, können wir selbst in den entlegensten Orten Hilfe leisten. Der Weg dorthin ist jedoch nach wie vor sehr kompliziert, da bestimmte Orte nur über nicht asphaltierte Strassen zugänglich sind.

Die Nothilfe in Nippes ergänzt die SRK-Projekte in der Region Léôgane.

Ja, die Entwicklungsprojekte, die wir in der Region Léôgane durchführen, insbesondere für die Katastrophenvorsorge, wurden aufgrund des Erbebens gebremst. Ein Teil unseres Teams wurde für die Nothilfe eingesetzt. Es musste aber kein Projekt unterbrochen werden. Zum Glück erlitt die Region Léôgane keine Schäden durch das Erdbeben.

Nachhaltigkeitsziele

Diese Aktivität ist Teil unseres Engagements für die UNO-Nachhaltigkeitsziele.

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