Coronavirus

Unerbittlicher Kampf gegen Covid-19 in Bangladesch

Als eines der ärmsten und am dichtesten besiedelten Länder will Bangladesch bis Ende Jahr 50 Millionen Menschen gegen Covid-19 impfen. Viele haben ihre Existenz verloren und brauchen dringend wieder ein Einkommen. Felicitas Ledergerber verstärkt seit November 2020 das Team des SRK in Dakka und schildert uns mit eindrücklichen Zahlen die immense Not vor Ort.

von Felicitas Ledergerber

Seit gut acht Monaten bin ich als Junior Programmverantwortliche des SRK in Bangladesch im Einsatz. Wie in vielen anderen Ländern hat die Pandemie auch hier enorme Auswirkungen auf das Leben der rund 165 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner. Es ist eine grosse Herausforderung, in dem sehr dicht besiedelten Land die Pandemie einzudämmen. Das Gesundheitssystem ist bis über die Grenzen gefordert.

24,5 Millionen «neue Arme» aufgrund der Pandemie

Besonders gravierend ist, dass durch die Pandemie viel zu viele Menschen ihre Lebensgrundlage verloren haben. Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie rutschten während des ersten Lockdowns von Ende März bis Anfang Juni 2020 rund 21.5 Prozent der Gesamtbevölkerung Bangladeschs neu unter die Armutsgrenze. Ein Jahr später waren es noch immer 14.8 Prozent. Das heisst, dass es im Land aufgrund der Pandemie 24,5 Millionen zusätzliche sogenannt «neue Arme» gibt.

In den Slums der grossen Städte ist die Situation besonders schlimm. Die meisten Menschen sind in Kleiderfabriken oder im Kleingewerbe tätig. Die Einschränkungen der Bewegungsfreiheit und die vorübergehende Schliessung der Fabriken haben sie besonders hart getroffen. Während des ersten Lockdowns haben in der Hauptstadt Dakka 71 Prozent der Slum-Bewohnerinnen und –bewohner ihre Arbeit verloren.

Unterstützung in den Slums

Aus diesem Grund engagiert sich das SRK gemeinsam mit seiner Schwestergesellschaft, dem Bangladeschischen Roten Halbmond (BDRCS), in zwei Covid-19-Projekten in städtischen Slums. Besonders arme und benachteiligte Menschen werden dabei unterstützt, ihre Lebensgrundlage wiederaufzubauen. Es wird ihnen beispielsweise ermöglicht, Näh-, Schneider- oder auch Elektromontage-Kurse zu besuchen, damit sie bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Zudem werden hart getroffene Kleinstunternehmen beim Erstellen eines Business-Plans unterstützt. Und wenn sie einen überzeugenden Plan haben, erhalten sie einen finanziellen Beitrag, um ihr Unternehmen wiederaufzubauen oder zu stärken. Meine Aufgabe ist es, diese Projekte zusammen mit dem BDRCS zu planen und zu koordinieren. Leider musste ich aufgrund der Corona-Einschränkungen einen Grossteil meiner Arbeit vom Homeoffice aus verrichten. Aber es ist eine grosse Motivation, dass ich trotzdem dazu beitragen kann, die Lebenssituation der Ärmsten zu verbessern.

Harter Lockdown im Juli

Lange schien es, als ob Bangladesch in Bezug auf die Ausbreitung von Covid-19 eher glimpflich davonkommen würde. Doch im Frühsommer 2021 hat sich eine heftige neue Welle im gesamten Land ausgebreitet. Die Zahlen sind stetig angestiegen. Fast täglich verzeichnete das Land einen neuen Rekord an positiv getesteten und an Covid-19 verstorbenen Personen. Am 1. Juli wurde landesweit erneut ein strikter Lockdown verhängt. Wer ohne triftigen Grund das Haus verlässt, muss mit einer hohen Busse oder gar einer Festnahme rechnen.

Stockende Impfkampagne

Angesichts der hohen Fallzahlen ist es besonders wichtig, die Impfkampagne weiter voranzutreiben. Sie ist ein entscheidendes Instrument zur Pandemiebekämpfung. Doch leider ist die von der Regierung frühzeitig eingeleitete Kampagne wegen Lieferengpässen ins Stocken geraten.

Die Regierung versucht mit allen Mitteln, Impfstoffe zu beschaffen um bis Ende Jahr 50 Millionen Menschen vollständig zu impfen.

Die Regierung versucht nun mit allen Mitteln, Impfstoffe zu beschaffen. Ihr erklärtes Ziel ist es, bis Ende Jahr 50 Millionen Menschen vollständig zu impfen. Gegenwärtig haben rund 4.3 Millionen Menschen beide Impfdosen erhalten.

Eindrücklich Leistung der Rothalbmond-Freiwilligen

Das SRK unterstützt den BDRCS mit dringend benötigten finanziellen und technischen Mitteln, damit er seine wichtige Rolle in der staatlichen Impfkampagne wahrnehmen kann. 4200 Freiwillige sind landesweit in den 741 Impfstellen und 256 Impfzentren im Einsatz.

Ich hatte selber Gelegenheit, das Impfzentrum des Kurmitola General Hospitals in Dakka zu besuchen, das kurzfristig in ein Covid-19-Spital mit Impfzentrum umfunktioniert wurde. Dort konnte ich mir ein genaues Bild von den Prozessen machen und mich ausführlich mit den jungen Freiwilligen des BDRCS unterhalten. Ich war tief beeindruckt von ihrem Engagement. Sie registrieren die Impfwilligen, überprüfen die Impfdokumente oder kümmern sich um körperlich beeinträchtigte Personen – um nur einige ihrer Aufgaben zu nennen. Am Schluss meines Besuches im stark frequentierten Impfzentrum verabschiedete ich mich persönlich beim Direktor des renommierten Militärspitals. Er hat sich ausdrücklich für den unermüdlichen Einsatz der Freiwilligen des BDRCS bedankt. Ohne diese jungen Menschen würde die Impfkampagne bei weitem nicht so reibungslos ablaufen.

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