Syrienkonflikt

Syrien: Zehn Jahre ohne Ende

Seit Beginn des Konflikts im Jahr 2011 leistet das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) Unterstützung in Syrien. Als es sieben Jahre nach Kriegsbeginn ein Büro in Damaskus eröffnet, scheint dies ein Hoffnungsschimmer zu sein. Doch nun ist die Situation schlimmer denn je: Der nicht enden wollende Krieg im Norden des Landes zwingt zehntausende von Menschen zur Flucht. Hinzu kommen eine zerstörerische Wirtschaftskrise, die Corona-Pandemie sowie Naturkatastrophen wie Überschwemmungen und Brände. SRK-Mitarbeitende im In- und Ausland erleben das Leid, doch auch bereichernden Begegnungen mit Syrerinnen und Syrer.

Maya Helwani, SRK-Delegierte in Damaskus

«Es reicht nicht mehr, Lebensmittelpakete zu verteilen. Die Menschen müssen sich wieder eine Existenz aufbauen können. Aber das ist schwierig. Insbesondere wegen der Wirtschafts- und Coronakrise. Deshalb sorgt das SRK für eine längerfristige Unterstützung. 2021 wird das SRK das Starthilfe-Programm weiterführen. Dieses gibt den Familien junge Hühner oder Schafe, damit sie sich eine neue Existenzgrundlage aufzubauen können. Zudem lancieren wir ein Bargeldprogramm. Dies ist eine essenzielle Hilfe für verletzliche Personen, deren Einkommen weggebrochen ist. Ebenso fortgeführt wird die Instandsetzung von Wasserpumpen in der Provinz Deir-Ezzor. Wir werden den Syrisch-Arabischen Roten Halbmond bei der Ausstattung seiner Ambulanzen, bei der Ausbildung des Sanitätspersonals und weiterhin bei der Eindämmung des Coronavirus unterstützen. Unser langfristiges Engagement trägt zur Entwicklung der nationalen Rotkreuzgesellschaft bei.»

Danilo Mezzadri, Sozialarbeiter Asyl- und Flüchtlingsdienst Uri des SRK

«Wir begleiten im Auftrag des Kantons Menschen, die in der Schweiz um Asyl bitten. Vermehrt kommen Syrerinnen und Syrer, die wegen dem Krieg fliehen mussten. Sie zu begleiten gibt mir etwas zurück: Ich lerne herzliche Menschen sowie eine neue Kultur kennen. Dadurch kam dieser Krieg auch für mich näher.»

Petra Meyer, Fachspezialistin Migration Beratungsdienst für humanitäre Visa SRK

«Täglich sind wir mit der grossen Verzweiflung, der Belastung und den Schuldgefühlen der Geflüchteten aus Syrien konfrontiert. Sie haben es in die sichere Schweiz geschafft, während das Leben ihrer Angehörigen noch immer durch den Krieg bedroht ist. Das humanitäre Visum ist leider oft die einzige Möglichkeit, auf legalem und sicherem Weg international Schutz zu ersuchen. Wir engagieren uns für die Menschen, die an Leib und Leben gefährdet sind und Schutz suchen, sowie für die Zusammenführung von syrischen Familien in der Schweiz.»

Sabrina Stucki, Psychotherapeutin beim Ambulatorium SRK

«Die aus Syrien stammenden Patientinnen und Patienten sind seit 2019 die grösste Gruppe am Ambulatorium für Folter- und Kriegsopfer SRK. Sie leiden psychisch sehr. Traumatherapie ist vor allem dann erfolgreich, wenn die Wahrscheinlichkeit einer anhaltenden oder erneuten Traumatisierung ausgeschlossen oder sehr gering ist. Leider müssen aus Syrien Geflüchtete jedoch jederzeit damit rechnen, vom gewaltsamen Tod einer nahestehenden Person zu erfahren. Auch das Schuldgefühl, selber in Sicherheit zu sein und der grosse Verantwortungsdruck, den Verwandten zu helfen, erschweren einen traumatherapeutischen Prozess. »

Dorothee Pujol, Leiterin Alltagsintegration, SRK Graubünden

«In einem fremden Land Fuss zu fassen ist eine grosse Herausforderung. Begegnungen und ein regelmässiger Austausch mit der einheimischen Bevölkerung unterstützen das Einleben. Unsere Integrationsangebote eins zu eins und peer to peer setzen genau dort an. Oft entstehen aus den anfänglichen Treffen zwischen der Migrationsbevölkerung und unseren Freiwilligen neue Freundschaften.»

Jean-Paolo Spoto, Fachspezialist Suchdienst SRK

«Syrische Familien in der Schweiz wenden sich häufig an uns, weil eine verwandte Person im Heimatland verhaftet wurde. Oft wissen sie nichts über das Schicksal einer seit Jahren vermissten Person. Für die Familien ist es entscheidend, dass die Vermissteb nicht vergessen werden. Wir begleiten die Angehörigen in der Schweiz durch die lange Zeit der Ungewissheit. Leider sind nur begrenzt Suchen vor Ort möglich.»