Matthias Gerber und Dixie

Startklar für den Ernstfall

Matthias Gerber engagiert sich mit seiner Hündin Dixie beim Schweizerischen Verein für Such- und Rettungshunde REDOG. Das zeitintensive Engagement fordert viel von Mensch und Hund. Ein Besuch beim Hundeführer in Davos zeigt, woraus er seine Motivation für diese freiwillige Arbeit schöpft.

Lautes Bellen empfängt mich im Treppenhaus eines Mehrfamilienhauses in Davos. Dadurch etwas nervös geworden, steige ich die Treppen hoch. Als ich jedoch vor Dixie stehe, löst sich meine Nervosität augenblicklich in Luft auf. Schnuppernd und aufgeregt wedelnd begrüsst mich die achtjährige Deutsche Schäferhündin. Ich schliesse sie sofort ins Herz! Neben Dixie steht ein gross gewachsener, sportlicher Mann mit einem sympathischen Lächeln und begrüsst mich freundlich. Im Wohnzimmer heisst mich auch seine Partnerin Agi Bucher willkommen. Dixie steht wedelnd neben mir und lässt sich weiterhin kraulen. Ist Dixie zu allen Menschen so freundlich? Dixie sei ein schlechter Wachhund, sie liebe die Menschen zu sehr, sagt Matthias Gerber und schmunzelt. «Gerade weil sie so gerne Menschen hat und allen gefallen will, ist sie aber ein guter Rettungshund und für den Ernstfall bereit.»

«Dixie ist ein schlechter Wachhund, sie liebt die Menschen zu sehr»

Matthias Gerber, Hundeführer bei REDOG

Der 43-jährige gebürtige Basler sprüht vor Energie. Es kommt nicht selten vor, dass er vor der Arbeit noch schnell auf eine Skitour geht – natürlich in Begleitung von Dixie. Matthias Gerber arbeitet als Teamleiter Warn- und Informationssystem am Institut für Schnee- und Lawinenforschung in Davos. Seine «Trulla», wie er seine Hündin auch nennt, ist immer und überall dabei: Im Büro, zu Sitzungen, auf Skitouren und beim Joggen. «Wie sind Sie auf den Hund gekommen, Herr Gerber?» Lächelnd erklärt mir der Hundeliebhaber, dass seine Partnerin Dixie ausgesucht habe: «Sie hat ein geschicktes Händchen gehabt.» Als sein alter Hund Aki gestorben war, wollte Gerber keinen Hund mehr. Doch die Freundin liess nicht locker, und schon bald fand ein kleiner Welpe ein neues Zuhause. Gab es auch eine hundelose Zeit im Leben von Matthias Gerber? «Ja, als Jugendlicher», sagt der Hundeführer und zeigt auf ein eingerahmtes Schwarz-Weiss-Foto, Gerber als 18-Jähriger mit eindrucksvollem Punk-Kamm. Die Zeit als Punk habe ihn bis heute in seiner Persönlichkeit geprägt: «Ich versuche immer, mich selber zu sein und ziehe das durch, was ich für richtig halte – egal, was das Umfeld über mich denkt.»

In den Trainings mit versteckten Figuranten ist Dixie zu 99 Prozent erfolgreich und findet die Personen. 

Diese Eigenschaft sei ihm in seinem 20-jährigen Engagement für REDOG sehr nützlich gewesen. Und fügt lachend hinzu: «Früher wurde ich dauernd wegen meiner Frisur fotografiert – heute interessieren sich die Leute nur noch für meinen Hund.» Dass der Hundeführer, dessen Partnerin und Dixie ein eingespieltes und gut funktionierendes Team sind, fällt sofort auf: Beim Fotoshooting stellen sie verschiedene Übungssituationen nach. Die Hündin gehorcht aufs Wort. Immer wieder sucht Dixie den Augenkontakt mit beiden. «Wir sind ein gut eingespieltes Dreierteam», bestätigt Agi Bucher. «Aber Matthias arbeitet hauptsächlich mit ihr. Doch ich bin Dixies liebste Spielgefährtin.» Auf die Frage, was sie am liebsten an Dixie mögen, sagen beide: «Sie ist immer guter Laune und unser Aufsteller an schlechten Tagen.»

Für den Ernstfall allzeit bereit

Nach getaner Arbeit liegt Dixie faul und zufrieden in ihrem Körbchen, öffnet nur kurz die Augen, wenn ihr Name fällt, und schaut dann gespannt zu ihrem Herrchen. Fast so, als würde sie sagen: «Ich bin allzeit bereit!» Allzeit bereit – das müssen Hundeführer und Hund unbedingt sein, denn bei REDOG gelten Geber und Dixie als «einsatzfähig». Das bedeutet, dass jederzeit ein Anruf kommen könnte und das Team in ein Katastrophengebiet, zum Beispiel nach Erdbeben, Explosionen oder Bergstürzen, aufgeboten wird. Innert sechs Stunden müssten die Hundeführerteams am Flughafen Kloten sein. Ob das zu schaff en wäre? Ohne zu zögern kommt Gerbers Antwort: «Ja, ich wäre bereit für den Ernstfall, bin mir aber auch der psychischen und physischen Belastung bewusst, die ein solcher Einsatz mit sich bringt.»

Bis ein Team aus Mensch und Hund den Ausbildungsstand «einsatzfähig» erhält, benötigt es viel Zeit, Geduld und Können. Die Trainings und Übungen fi nden an Abenden und an Wochenenden statt. Pro Jahr sind das mindestens 40 Übungen. Auf besonders geeigneten Übungsplätzen verstecken sich Personen. Ein Katastrophensuchhund muss die Person suchen, vor Ort scharren und bellen. Dixie findet rund 99 Prozent aller «verschütteten » Personen. Damit dies auch so bleibt, finden nebst den Trainings auch immer wieder Prüfungen statt. Alle drei Jahre müssen Gerber und seine Hündin den Test für die Einsatzfähigkeit wiederholen. Wie bringt Gerber das alles unter einen Hut? «Die Arbeit bei REDOG macht mir und meiner Hündin grossen Spass. Das ist das Wichtigste dabei», sagt der Davoser. Ohne Freude an der Arbeit würde so etwas gar nicht gehen. «Zu spüren, wie aus Mensch und Hund ein einsatzfähiges Team wird, das ist Motivation pur!»