Besondere Help-Übung

Zeit für 117

Ein Überraschungsgast kommt zur Übung der Help LORA. Er lässt aber auf sich warten. Halten die Jung-Samariterinnen die Spannung aus?

«Mann, was war das für ein langer Tag», stöhnt Cédric, als er nach der Arbeit end­lich auf sein Velo steigt und sich auf den Heimweg macht. In Gedanken immer noch bei der Arbeit bemerkt er nicht, dass es bereits dunkel geworden ist. Nur rasch nach Hause, keine Zeit verlieren, um tief in den Taschen mühselig nach dem Velolicht zu suchen. Cédric fröstelt. «Hätte ich doch nur die wärmere Jacke angezogen», kann er gerade noch denken, bevor es passiert: Ein Auto kommt um die Ecke und erfasst ihn. Der Aufprall ist hart. Cédric liegt benommen mit dem Velo am Boden…

Helpis leisten Erste Hilfe

«Kinder und Jugendliche wollen in den Übungen Action und Spass haben», erklärt Carmen Segessenmann, Help-Leiterin und Präsidentin des Samaritervereins LORA. «Auch muss man sie herausfordern.» Dafür scheut Carmen keinen Aufwand, wie später bei der Übung unschwer feststellbar wird. Und schon erscheinen wie Superheldinnen durch den dichten Bodennebel die vier Helpis Arven, Leonie, Vanessa und Selina auf der nachgestellten Unfallstelle. Sie wurden bestimmt, um bei der Übung Erste Hilfe zu leisten. Leonie, mit 12 Jahren die Älteste, übernimmt gleich das Kommando. «Vanessa und Selina, kümmert euch um die Autofahrerin, Arven und ich versorgen den Velofahrer.» Schnell stellen sie fest, dass Cédric nur leicht verletzt ist und keine Ambulanz braucht. «Ich rufe die 117 an und alarmiere», schlägt Leonie vor und greift sich ein Handy. Selina hat die Autoapotheke gefunden und versorgt Cédrics Kopfwunde. Sie deckt ihn mit einer isolierenden Rettungsdecke zu. Obwohl das Thermometer 0 Grad anzeigt, fühlt es sich an wie minus 10. Vanessa und Selina reden der aufgebrachten und unter Schock stehenden Autofahrerin gut zu und versuchen sie zu beruhigen.

Wann kommt die Polizei?

Leonie erreicht die Polizei und schildert ruhig und konzentriert die Situation. «Ja, dem Unfallopfer geht es den Umständen entsprechend gut, es braucht keine Ambulanz. Wir sind auch da und beruhigen die Autofahrerin. Ok, dann warten wir auf Sie.» Die Polizei verspricht, möglichst rasch vor Ort zu sein. Die Helpis ziehen sich gelbe Sicherheitswesten an und warten. Banges Warten. Nach fünf Minuten werden sie nervös. Nach zehn langen Minuten endlich die Erlösung: Das bekannte weiss-orange Fahrzeug taucht auf, und die Polizistinnen und Polizisten steigen aus. «Ich habe der Polizei extra gesagt, dass sie sich Zeit lassen sollen. Es ist nicht einfach, in einer solchen Situation ruhig zu bleiben und zu warten», erklärt Carmen, die erfolgreich vor fünf Jahren die Help-Gruppe aufgebaut hat. Sofort sichern die Polizisten die Unfallstelle ab und lassen sich von den Helpis erläutern, was genau geschehen ist. Mit Kreide markieren sie die Unfallstelle und befragen die Autofahrerin und Cédric. Nach einiger Zeit wird die Übung abgeschlossen und im warmen Samariterlokal nachbesprochen.

Lob für den Einsatz

«Ihr habt genau richtig gehandelt. Weil ihr nämlich reagiert habt! Nur nichts machen ist falsch», lobt der Polizist die Jung-Samariterinnen. «Ihr seid sehr ruhig geblieben und habt konzentriert gearbeitet. Auch das ist nicht selbstverständlich. Bravo!», zeigt er sich beeindruckt. Nur das Velo hätten die eifrigen Helferinnen nicht wegräumen sollen. Die Polizei muss sehen, wie es gelegen hat, um den Unfallhergang nachzuvollziehen. «Ihr hättet auch vorher ein Foto schiessen und nachher das Velo wegstellen können», schlägt er vor. Ganz wichtig sei es auch gewesen, dass sie auf ihre eigene Sicherheit geschaut haben und sich mit Leuchtwesten kenntlich gemacht haben. «Wir arbeiten Hand in Hand. Das ist sehr gut so. Weiter so!», appelliert er. Die Helpis haben bei dieser Übung wieder viel Neues gelernt und festgestellt, dass sie auf die Polizei zählen können.