Reisetagebuch Ghana

Miss Earth Schweiz 2016, Manuela Oppikofer, unterwegs mit dem SRK in Ghana

Als Botschafterin für das Projekt «Augenlicht schenken» hat Manuela Oppikofer eine Projektreise begleitet. Im Tagebuch berichtet sie von ihren persönlichen Eindrücken und Erlebnissen.

Samstag, 25. Juni 2016
Während die Schweizer Fussballnationalmannschaft gegen Polen kämpft, habe ich es ruhiger und sitze im Flieger KL0589 Richtung Accra. 5200 Kilometer zeigt die Karte an. Ich bin so müde, dass die Zeit schnell vergeht. Mein Leben hat sich seit der Wahl zur Miss Earth Schweiz total auf den Kopf gestellt.

Sonntag, 26. Juni 2016
In Tamale, der Hauptstadt der Northern Region, erwartet uns die Rotkreuzcrew. Auf der kurzen Fahrt vom Flughafen zum Hotel sehe ich ein Mädchen am Strassenrand mit einem Korb auf dem Kopf balancierend. Ich fühle mich sofort zurückversetzt in meine Kindheit. Das Mädchen könnte ich sein!

Bei einem ersten Briefing wird mir erklärt, wie das Schweizerische Rote Kreuz gemeinsam mit dem lokalen Roten Kreuz und dem Gesundheitsministerium den Menschen in der Region hilft. Danach esse ich zum ersten Mal Jollof – ein typisches Reisgericht aus Ghana: Absolut empfehlenswert!

Montag, 27. Juni 2016
Heute reisen die Journalistin Sylvie Kempa und der Fotograf Remo Nägeli von der Schweizer Illustrierten an. Sylvie wird über meinen Projektbesuch in Ghana berichten, Remo nimmt für das SRK Bilder auf, die für eine Kampagne im Winter gebraucht werden. Während die beiden am Flughafen in Tamale abgeholt werden, besuchen wir das Büro des SRK. Es ist klein und bescheiden. Daneben liegt eine Augenklinik des Ghana Health Service, die wir uns ansehen. Es macht mich nachdenklich, die riesigen Unterschiede zwischen den Spitälern hier und zuhause zu sehen.

Dienstag, 28. Juni 2016
Wir besuchen Samira, ein 8-jähriges blindes Mädchen aus dem Dorf Gambaga. Sie ist schüchtern, unsicher. Ich schliesse sie sofort in mein Herz und versuche sie zum Lachen zu bringen. Es gelingt - und Samira fasst Vertrauen. Das macht mich richtig glücklich. Zusammen mit den Freiwilligen und der Rotkreuzcrew begleiten wir Samira nach Walewale in die Augenklinik. Hier wird sie heute operiert werden, an beiden Augen. Sie leidet am grauen Star. Ich bin dabei und halte ihre Hand während der Operation. Dieser Moment berührt mich sehr.

Mittwoch, 29. Juni 2016
Heute wird der Augenarzt Dr. Seth Wanye den Patientinnen und Patienten die Augenbinde abnehmen. Er erklärt mir, dass es noch zwei bis drei Wochen dauert, bis sie wieder vollständig sehen können. Jetzt ist für sie alles neu: Das helle Licht, die vielen Eindrücke. Alles, was bisher dunkel und unklar war, taucht auf einmal auf. Das ist eine riesige Veränderung. Ich darf Samira die Augentropfen verabreichen. Alles ist gut gegangen!

Nachher steht der Besuch eines Augencamps in der Nähe von Tamale an. Es wimmelt von Kindern. Alle halten einen Zettel in der Hand, auf dem vermerkt ist, wie der Augentest ausgefallen ist. Wer ein entzündetes Auge hat, bekommt Augentropfen. Wenn etwas Schwerwiegenderes auffällt, werden sie an den Augenarzt überwiesen.

Donnerstag, 30. Juni
Heute besuchen wir Samira nochmals bei ihr zu Hause. Und was für eine Freude: Das schüchterne, ängstliche Mädchen ist heute gelöst, fröhlich und glücklich. Sie wirkt wie ein anderes Kind. Ich schenke ihr ein kleines Plüschtierchen, das sie fortan bei sich trägt. Danach will Samira in die Schule. Dort singe ich spontan mit den Kindern ein Lied, das ich in Kamerun gelernt habe. Es wird laut und wild ;-)

Spontan singe ich mit einer Schulklasse ein Kinderlied ;-)

©  Schweizerisches Rotes Kreuz

Nach dieser wunderschönen Erfahrung fahren wir in eine Schule, wo ich fünf Kindern ihre neuen Brillen übergeben darf. Alle Brillen sind extra für sie geschliffen und angepasst worden. Ich hoffe fest, dass diese Schülerinnen und Schüler nun besser sehen und damit besser lernen können.

Heute poste ich auf Facebook: «Que des souvenirs ici au Ghana qui me rappelle de mon enfance. Je suis très très heureuse de tout ce qu'on a accomplit ici.»

Freitag, 1. Juli 2016
Unsere Abreise steht bevor. Wir können etwas länger schlafen - bisher bin ich immer um 5 Uhr aufgestanden! Die Dörfer hier liegen weit auseinander und wir sind lange, holprige Strecken im Auto gereist.

Ich werde noch einige Zeit brauchen, um zu realisieren, was ich alles erlebt habe. Ich bin stolz und dankbar, diese Aufgabe für das SRK ausführen zu dürfen. Ich wünsche mir, dass ich ganz viele Menschen überzeugen kann, das Projekt «Augenlicht schenken» zu unterstützen. Es ist ein wunderbares Projekt mit wunderbaren Menschen vor Ort. Danke, dass ich dabei sein durfte!