«2 x Weihnachten»

Jeden Abend ein bisschen Weihnachten

Die Hälfte der Pakete, die Sie für «2 x Weihnachten» spenden, geht an Menschen, die in der Schweiz leben. Eine Gassenküche in Lausanne gehört zu den wohltätigen Organisationen, die mit Lebensmitteln unterstützt werden. Bedürftige erhalten in dieser Suppenküche allabendlich eine warme Mahlzeit. Für einige ist es gar die Einzige des Tages.

Vom 24. Dezember 2013 bis 11. Januar 2014 befördert die Post Ihre Pakete für die Aktion gratis zum SRK. Die Hälfte der Waren wird in der Schweiz, die andere Hälfte in Osteuropa verteilt.

Es ist 19.45 Uhr, im Schatten unterhalb der Bessières-Brücke öffnen sich die Türen der Gassenküche der Stiftung Mère Sofia. Die vielen Menschen, die draussen ausgeharrt haben, strömen in den Raum: ein betagter Mann mit seinem Rollator, eine Mutter mit ihrer kleinen Tochter an der Hand, mehrere etwas verloren wirkende junge Leute und einige Migranten, die auf bessere Tage hoffen. Rasch bildet sich vor dem Büffet eine Warteschlange. Dort geben Freiwillige, die unverzichtbaren guten Geister der Gassenküche, eine warme Mahlzeit aus.

Serviert werden heute eine Mehlsuppe, Reis, Gemüse und Pilze. Auf Fleisch hingegen muss verzichtet werden. Es steht nur ganz selten auf dem Menüplan. Um die leeren Mägen zu füllen, werden auch Sandwiches und Gebäck abgegeben, die in den Bäckereien der Stadt heute nicht verkauft werden konnten.

Ein Zufluchtsort

Diese Szene wiederholt sich Abend für Abend mit jeweils zwischen  100 bis 200 Gästen. Dies entspricht 63 000 Mahlzeiten im Jahr, wie Yan Desarzens, der Geschäftsleiter der Stiftung Mère Sofia, erklärt. «Die Gassenküche ist ein Zufluchtsort, an dem sich die Menschen in Würde begegnen können, ohne diskriminiert zu werden.» Auf Wunsch erhalten sie auch Beratung und werden entsprechend ihren Bedürfnissen an andere Einrichtungen verwiesen.

«Ein Zufluchtsort, an dem sich die Menschen in Würde begegnen können, ohne diskriminiert zu werden.»

Yan Desarzens

Die Lebensmittel, die hier verarbeitet werden, stammen unter anderem aus der Aktion «2 x Weihnachten». Sie werden über das Schweizerische Rote Kreuz Waadt vermittelt und ermöglichen es der Gassenküche, ein abwechslungsreiches Menü anzubieten. Ein Teil der Waren geht an den fahrbaren Lebensmittelladen der Stiftung: Über L'Echelle können Familien, die sich in einer schwierigen Lage befinden, unentgeltlich Esswaren beziehen. Das entlastet ihr knappes Budget. Das eingesparte Geld können sie zum Beispiel einsetzen, um ihrem Kind eine Brille zu kaufen. Dank den Warenspenden kann der Laden auf vier Rädern während vier bis fünf Monaten betrieben werden. «2 x Weihnachten ist eine geniale Aktion. Hier haben die Spenderinnen und Spender Gewissheit, dass ihre Hilfe direkt an Bedürftige geht», sagt Yan Desarzens.

Für alle offen

Die Gassenküche steht allen Menschen offen. Die Meisten kommen hierher für eine warme Mahlzeit und um Brot oder Früchte nach Hause zu nehmen, falls etwas übrig geblieben ist. Doch seit zwei Jahren finden sich auch immer mehr ältere Menschen ein, die allein sind. Einer von ihnen ist der weisshaarige 87-Jährige, der am Buffet als Erster bedient wird. Er ist Stammgast und schätzt es vor allem, einmal am Tag richtig zu essen. «Ausserdem komme ich so einmal im Tag aus meiner Wohnung heraus und habe etwas Abwechslung», sagt er zwischen zwei Bissen.

Jean wiederum war jahrelang Gast in der Gassenküche, bevor es ihm gelang, eine feste Stelle zu finden. Nun engagiert er sich als Freiwilliger. Der 45-Jährige kommt fast jeden Tag hierher. «Die Gassenküche ist eine Zaubertür!», schwärmt er. «Sie ist der einzige Ort, an dem du das Elend vergessen kannst, wenigstens einen Abend lang.» Er schätzt die vielen Kontakte, die er im Lauf der Zeit hier geknüpft hat. «Was hier geleistet wird, ist stark!».

Zunehmende soziale Unsicherheit

Wie andernorts in der Schweiz leben auch im Kanton Waadt immer mehr Menschen in prekären Einkommensverhältnissen. «Zum Beispiel Familien, die kaum noch über die Runden kommen, obwohl die Eltern arbeiten», erklärt Paul Milliet, der beim Schweizerischen Roten Kreuz Waadt die «2 x Weihnachten» koordiniert.

In den kommenden Wochen wird er im Kanton erneut 24 000 Kilo Lebensmittel, Hygieneartikel und weitere Geschenke verteilen. Die Abgabe erfolgt hauptsächlich über lokale Organisationen und über die Gemeinden, die in engem Kontakt mit den unterstützungsbedürftigen Menschen stehen. Mit dieser Hilfe lässt sich verhindern, dass sich die wirtschaftliche Situation der Empfänger weiter verschlechtert, wie Paul Milliet erklärt.