Winterhilfe in Bosnien dank «2 x Weihnachten»

Für entbehrungsreiche Monate das Nötigste

Die enorm hohe Arbeitslosigkeit im Winter trifft die ärmsten Familien in Bosnien und Herzegowina besonders hart. Ohne Einkommen können sich viele betroffene Familien kaum lebensnotwendige Güter leisten. Sie sind auf die Hilfe des Roten Kreuzes angewiesen, die teils mit der Aktion «2 x Weihnachten» finanziert wird.

APROPOS: «2 x Weihnachten»: Hilfe für Armutsbetroffene

Postpaket schicken

Vom 24. Dezember 2019 bis 11. Januar 2020 können Sie von Ihrer Poststelle kostenlos Ihr Warenpaket verschicken lassen. Die Waren werden in der Schweiz direkt an armutsbetroffene Menschen und an soziale Institutionen verteilt. Legen Sie ausschliesslich lang haltbare Lebensmittel oder Hygiene- und Toilettenartikel in Ihr Paket. Die Produkte sollten mindestens bis Ende Juni 2020 haltbar sein. In grösseren Filialen von Coop gibt es zudem fertig zusammengestellte Pakete für «2 x Weihnachten» zu kaufen. Coop transportiert das Paket direkt zum SRK.

Online-Paket schenken

Sie können das ganze Jahr über ein Online-Paket spenden. Mit den Spendengeldern werden vor Ort Lebensmittel und Grundbedarfsartikel finanziert. Damit helfen Sie armutsbetroffenen Menschen in Osteuropa und Zentralasien, die harten Wintermonate zu überbrücken. Die Website bietet die Möglichkeit, online ein Paket zusammenzustellen oder ein Paket auszuwählen. Sie können auch eine Spende mit dem Vermerk «2xWeihnachten» überweisen.

Noch hat der Schnee die Landschaft rund um das bosnische Dörfchen Orašje nicht ganz bedeckt. Doch dunkle Wolken am Himmel deuten darauf hin, dass sich das bald ändern wird. Schon von Weitem sind bellende Hunde zu hören. Hier, rund eine Stunde von der Bezirkshauptstadt Tuzla entfernt, leben Gordana und Ivo Dominiković in einem kleinen Haus am Dorfrand als Patchworkfamilie.

Gordana Dominiković lädt im gemütlichen Wohnzimmer zum Tee ein, während ihr Mann draussen auf dem Hof werkelt. Die fünfjährige Marija schmiegt sich an ihre Mutter. Beide Elternteile würden gerne arbeiten, doch die wenigen Jobs sind in Bosnien begehrt. «Es ist frustrierend», sagt Gordana Dominiković. «Ich bin noch jung, bin fähig zu arbeiten – aber es gibt nirgends Arbeit, vor allem im Winter nicht.» Laut der Internationalen Arbeitsorganisation der vereinten Nationen liegt die Arbeitslosenquote in Bosnien bei über 20 Prozent, in der Generation der jungen Erwachsenen gar bei 45,8 Prozent (Zahlen von 2017).

«Es ist frustrierend. Es gibt nirgends Arbeit, vor allem im Winter nicht.»

«Ohne die Unterstützung des Roten Kreuzes ginge es nicht», sagt Gordana Dominiković. Sie nimmt auch Gelegenheitsarbeiten an. Doch im Winter sind sogar diese rar. Darum erhält die Familie als Winterhilfe eine finanzielle Unterstützung durch das Rote Kreuz. Jeden Monat wird dieser Zustupf auf das Bankkonto von Familie Dominiković überwiesen. Diese Form von Winterhilfe wird finanziert durch die Online-Spenden aus «2 x Weihnachten». «Dank dem Hof und den Tieren können wir uns weitgehend selber versorgen», so Gordana Dominiković, «aber ohne das Rote Kreuz könnte ich die Stromrechnungen nicht bezahlen.» Und kein Strom bedeutet Eiseskälte. Auch im Stall, wo die Ferkel erfrieren würden.

Unterschiedliche Bedürfnisse

«Wir haben sehr gute Erfahrungen mit den Online-Spenden von «2 x Weihnachten» gemacht. Sie helfen konkret den von Armut betroffenen Familien“, sagt Mihela Hinic, Länderverantwortliche in Bosnien und Herzegowina. Online-Pakete sind im Gegensatz zu den Warenpaketen wirtschaftlicher und umweltverträglicher, da keine Lastwagenfahrten aus der Schweiz nötig sind. Und sie unterstützen die lokale Wirtschaft. «Zudem sind die Bedürfnisse der Menschen unterschiedlich», erklärt Mihela Hinic. «Während es den einen an Nahrungsmitteln fehlt, sind es bei anderen Familien eben Medikamente oder Kleidung, die sie dringend benötigen.» Dank der finanziellen Unterstützung können die Menschen selber kaufen, was sie am meisten brauchen.

Tragisch und von grosser Armut geprägt ist das Leben einer siebenköpfigen Familie, die im Zentrum von Orašje lebt. «Wir hatten früher ein kleines Häuschen, ein bisschen abgelegen ausserhalb des Dorfes», sagt der Familienvater Rešat Salji. «Es war nicht viel, aber es war unseres.» Bis zu den verheerenden Überschwemmungen 2014, welche das Zuhause der Familie zerstörten. Wie so viele Familien in Bosnien, die kaum versichert waren, stand Familie Salji vor dem Nichts. Schliesslich kam die Familie in der Einzimmerwohnung im Wohnblock in Orašje unter, wo sie bis heute lebt. Zwei Erwachsene und fünf Kinder, das älteste davon 16-jährig, wohnen auf engstem Raum. Rešat Salji ist arbeitslos, er hat nur hin und wieder ein geringes Einkommen durch Gelegenheitsarbeiten.

«Nicht alles, was wir dringend brauchen, ist im Supermarkt erhältlich.»

Der Sonnenschein der Familie ist die jüngste Tochter Shakira, die alle Didi nennen. Während ihr Vater redet, schneidet sie ihren Geschwistern Grimassen und bringt diese zum Lachen. Auch Rešat Salji muss lächeln, als er bemerkt, was seine Kinder so unterhaltsam finden. «Zum Glück haben wir Unterstützung durch das Rote Kreuz», sagt er. «Dieses Jahr konnten wir von dem Geld Winterschuhe für Didi kaufen.» Letztes Jahr habe die Winterhilfe noch aus Supermarkt-Gutscheinen bestanden, erklärt Rešat Salji. «Doch das Bargeld hilft uns mehr. Nicht alles, was wir brauchen, ist im Supermarkt erhältlich.»