Während 57 Jahren gesucht

Vater trifft zum ersten Mal seine Tochter

Im Oktober 2016 wendet sich Herr Joss an den Suchdienst des Schweizerischen Roten Kreuzes. Als er 17 Jahre alt war, lernte er Raili, eine junge Finnin, in Bern kennen. Sie war in der Schweiz, um die deutsche Sprache zu lernen und wohnte bei Herrn Joss' Eltern. Die beiden verliebten sich ineinander, und Raili wurde im Jahr 1959 schwanger.

Leider beschlossen die Eltern von Herrn Joss, dass Raili nach Finnland zurückkehren muss, da ihrer Ansicht nach beide damals zu jung waren, um eine Familie zu gründen. Nach der Rückkehr seiner grossen Liebe versuchte Herr Joss nach Finnland zu fahren. Er wurde aber von seinem Vater in Basel geschnappt und nach Bern zurückgebracht. Im Juni 1960, in Helsinki, wurde seine Tochter geboren. Herr Joss anerkannte sie offiziell durch die finnische Botschaft und ein Berner Gericht. Allerdings hatte Herr Joss keine Möglichkeit, Kontakt mit seiner Freundin und seiner Tochter aufzunehmen, und unter diesen Umständen zerbrach die junge Liebe. Die Hürden waren zu gross.

Herr Joss probiert immer wieder, Freundin und Tochter ausfindig zu machen, er hat jedoch nie Glück. Als er sich an den Suchdienst wendet, ist er nicht einmal sicher, ob die Tochter weiss, dass er ihr Vater ist. Im Juli 2017 leiten wir seine Suchanfrage an unseren Kollegen vom Finnischen Roten Kreuz weiter.

Zehn Tage später bekommt Herr Joss eine SMS auf seinem Handy: «Hallo Papa, ich bin deine Tochter.» Herr Joss nimmt sofort Kontakt mit dem Suchdienst auf, um alles zu verifizieren. Ende Juli kommt Tiina Sarkola, die Tochter von Herrn Joss, in die Schweiz, um den Schweizer Teil ihrer Familie kennenzulernen: Seit sie 12 Jahre alt war, versuchte sie, ihren Vater zu finden – leider ohne Erfolg. Nun kann sie endlich ihren Papa und ihren Halbbruder kennenlernen und diesen Teil ihres Lebens ergänzen. Leider ist ihre Mutter Raili vor zwei Jahren verstorben. Tiina ist inzwischen selber Grossmutter und Herr Joss ein überglücklicher Urgrossvater.