Erstes Treffen

Gedenktag für Personen, die Angehörige suchen

Am 26. August 2018 fand in Bern der erste Gedenktag für Menschen, die Angehörige suchen, statt. Acht Angehörige von Vermissten und drei Begleitpersonen nahmen daran teil. Die Beteiligten sind sich einig: Der Austausch war aufwühlend und intensiv, aber auch tröstlich und kraftspendend.

Es gibt viele mögliche Ursachen für die Trennung von Familienmitgliedern: Kriege, Naturkatastrophen, Migration sowie soziale Gründe (Adoption oder Konflikte innerhalb der Familien). Im Jahr 2017 gingen beim Suchdienst SRK insgesamt 724 neue Anfragen ein. Das sind fast zwei Anfragen pro Tag. Manche der Suchen erstrecken sich über Jahre – und in einigen Fällen dauern sie ein Leben lang.

Suchdienst SRK

Facts and Figures
208 Personen konnten dank dem Suchdienst im Jahr 2017 gefunden werden  

Gründe des Kontaktverlusts
Migration: 65%
Bewaffneter Konflikt: 19%
Soziale Gründe: 16% 

Ende 2017 waren noch 481 Anfragen in Bearbeitung (1043 gesuchte Personen).

Der Suchdienst SRK setzt sich für das Wiederfinden von verschwundenen Angehörigen ein. Mit persönlicher Beratung und administrativer Unterstützung hilft das Rote Kreuz den Betroffenen. Die regelmässigen Informationen über den Stand der Nachforschungen zeigen den Angehörigen, dass sie mit ihrer Suche nicht alleine sind. Wird die gesuchte Person gefunden, ist ihr Einverständnis für eine Kontaktaufnahme zentral. Möchte jemand nicht gefunden werden, wird das respektiert.

Gedenktag für Personen, die Angehörige suchen

Damit die Suchenden ihren Gefühlen Ausdruck geben und sich mit anderen Menschen in ähnlichen Situationen austauschen können, führte der Suchdienst SRK erstmalig einen Gedenktag für suchende Personen durch. Die Zusammenkunft zeigte den Betroffenen, dass sie nicht alleine sind. Ihr Schicksal teilen sie mit anderen – unabhängig von Geschlecht, Alter, und Herkunft. Am Sonntag, 26. August 2018 trafen sich acht Suchende (und drei Begleitpersonen) zum Gedenken an ihre vermissten Angehörigen.

Unsere Erfahrung zeigt, dass es vielen Menschen schwerfällt, einen Ort zu finden, um ihre Gefühle, ihren Schmerz oder ihre Gedanken über die Abwesenheit des geliebten Menschen zu äussern.

Nicole Windlin, Leiterin Suchdienst SRK

Bei den einleitenden Worten von Nicole Windlin, Leiterin Suchdienst SRK, spürt man die Zustimmung der Teilnehmenden. Als sie über die Unmöglichkeit des Weitergehens spricht, geht ein Nicken durch die Runde. Betroffene können sich in der Situation wie eingefroren fühlen, so lange sie nicht Gewissheit über das Schicksal der gesuchten Personen haben.

«In unserer Arbeit werden wir täglich daran erinnert, dass es für Personen, die auf der Suche nach nahestehenden Personen sind, leider keinen Raum gibt: keine Gedenkstätte, kaum Möglichkeiten für einen Austausch und keine Regeln im sozialen Umgang. Das führt oft zu Isolation und Einsamkeit», sagt Nicole Windlin.

Nach den einführenden Worten folgt eine Gesprächsrunde, in der die Betroffenen von ihren Angehörigen erzählen können. Die Worte sind aufwühlend und schmerzlich. Man zeigt sich gegenseitig von der verwundbaren Seite, öffnet sich und lässt die anderen am eigenen Schmerz teilhaben.

Zum Abschluss des Tages lassen die Angehörigen in Gedenken an die gesuchten Personen symbolisch Ballone steigen und tauschen sich bei einem gemeinsamen Apéro nochmals persönlich aus.

Tag der Verschwundenen

Am 30. August findet jährlich der «Internationale Tag der Verschwundenen» statt. Dabei wird durch verschiedene Organisationen auf die oftmals unterschätzte und vergessene Thematik aufmerksam gemacht.