Ante-Mortem-Daten

Erfassung der Ante-Mortem-Daten von verschwundenen Migrantinnen und Migranten

Die Fluchtwege werden immer gefährlicher und tödlicher. Oft wenden sich Personen an den Suchdienst SRK, die kurz vor oder bei der Überquerung des Mittelmeers oder auf den Migrationsrouten den Kontakt zu Familienmitgliedern verloren haben.

Nach dem Schiffsunglück vom 3. Oktober 2013 vor Lampedusa hat unser Suchdienst Familien betreut, die bei dieser Katastrophe Angehörige verloren haben. Die dabei gemachten Erfahrungen haben gezeigt, dass diese Frage sehr komplex ist. Es ist äusserst wichtig, über Ressourcen und ein spezifisches Projekt zu verfügen, um die Familien bei der Klärung des Schicksals ihrer verschwundenen Angehörigen optimal begleiten zu können.

Im Juni 2018 hat die Humanitäre Stiftung SRK eine finanzielle Unterstützung für das Projekt «Erfassung der Ante-Mortem-Daten von verschwundenen Migrantinnen und Migranten» gewährt. Diese Unterstützung erstreckt sich über dreieinhalb Jahre, mit der Möglichkeit einer Verlängerung bis fünf Jahre.

Parallel dazu ist ein Prozess angelaufen, in den verschiedene Schweizer Behörden einbezogen sind. Im Hinblick auf einen Austausch und den Aufbau einer Arbeitsgruppe zu diesem Thema haben wir uns kürzlich zu Gesprächen mit der Bundespolizei, dem Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten und dem Staatssekretariat für Migration getroffen. Denn in den letzten Jahren wurden in Griechenland und in Italien wichtige Vereinbarungen zwischen den zuständigen Behörden und dem IKRK, dem Griechischen Roten Kreuz und dem Italienischen Roten Kreuz abgeschlossen. Sie betreffen vor allem die Anerkennung der Rotkreuzgesellschaften als Anlaufstellen für Familien, die nach Angehörigen suchen, die bei der Überquerung des Mittelmeers möglicherweise ihr Leben verloren haben. Der Suchdienst SRK möchte auch in der Schweiz eine gute Zusammenarbeit mit den beteiligten Behörden entwickeln, damit die Familien bei einem solchen Drama nicht auf sich selbst gestellt sind.

Das Projekt sieht insbesondere vor, bei den Familien Ante-Mortem-Daten zu erheben und an die zuständigen Behörden weiterzuleiten. Zu diesen Daten gehören Angaben zur Bekleidung der vermissten Person, zu ihren körperlichen Merkmalen, ihrer Krankengeschichte und dem Zustand ihrer Zähne sowie zu den persönlichen Sachen, die sie zum Zeitpunkt ihres Verschwindens bei sich hatte. Die Erfassung dieser Daten ist ein wichtiger Schritt im Hinblick auf einen Pre-Match-Prozess. Falls sich dieser bestätigt, sind anschliessend die Behörden vor Ort für die weiteren Abklärungen im Zusammenhang mit der DNA-Analyse und dem Todesschein zuständig. Mit diesem neuen Projekt möchte der Suchdienst SRK den Angehörigen von verschwundenen Personen die Möglichkeit geben, beim Roten Kreuz und bei den Behörden eine Anfrage einzureichen. Die Betroffenen sollen während des gesamten Prozesses korrekt und professionell begleitet werden.