Hoffen auf ein Happy End

Eine Familie wird auf der Flucht getrennt

Eine afghanische Familie wird auf der Flucht getrennt und findet sich nach drei Jahren wieder – dank dem Suchdienst des Roten Kreuzes und tracetheface.org

www.tracetheface.org
Trace the Face bietet Migrantinnen und Migranten die Möglichkeit, Ihre vermissten Familiengehörigen zu suchen und ihr eigenes Foto online zu veröffentlichen.

Herr S. aus Afghanistan musste im Jahr 2015 zusammen mit seiner Frau und den drei Kindern sein Heimatland verlassen. Die Familie machte sich gemeinsam auf den langen Weg nach Europa. In einer grösseren Gruppe durchquerten sie die Grenzregion zwischen dem Iran und der Türkei, wo sie von den Schleppern getrennt wurden. Die Männer setzten ihren Weg zu Fuss fort, während die Frauen und Kinder auf Pferden ritten. Die Männer wurden mit dem Versprechen vorausgeschickt, dass sie ihre Familien in der Türkei wieder treffen würden.

Herr S. erreicht die Türkei nach vielen Stunden auf unwegsamen Bergpfaden. Seine Familie kann er entgegen der Versprechungen der Schlepper nirgends finden. Zwei Monate lang sucht er in der Türkei verzweifelt nach seiner Frau und seinen Kindern. Dann beschliesst er, seinen Weg fortsetzen und gelangt im November 2015 in die Schweiz.

Im Februar 2016 wendet er sich an den Suchdienst SRK und trifft einen freiwilligen Mitarbeiter, um seine Suchanfrage zu besprechen und die Suchmöglichkeiten zu analysieren. Im Anschluss an dieses Gespräch wird eine Suche in die Wege geleitet und ein Foto von Herrn S. auf der Webseite «Trace the Face»* veröffentlicht. Lange geschieht gar nichts.

Der Wendepunkt

Die Freude ist deshalb umso grösser, als der Suchdienst SRK nach drei Jahren im März 2019 vom Pakistanischen Roten Halbmond die Nachricht erhält, dass eine Frau in ihrem Büro das Foto von Herrn S. auf der Trace the Face-Webseite erkannt habe. Die Frau sei im Herbst 2015 von ihrem Mann an der Grenze Iran/Türkei getrennt worden, als sie mit den drei Kindern zu Pferd unterwegs gewesen sei. Plötzlich fielen Schüsse und erschreckten die Pferde. Frau S. sprang sofort mit ihrem kleinen Sohn vom Pferd. Gerade als sie der älteren Tochter, mit ihrer kleinen Schwester auf einem anderen Pferd reitend, das kleine Mädchen abnahm, brannte das Pferd durch und rannte mit der ältesten Tochter auf dem Rücken davon. Nach vielen Umwegen landete Frau S. mit den zwei kleinen Kindern schliesslich in Pakistan, wo sie sich an den Pakistanischen Roten Halbmond wandte und um Hilfe bei der Suche nach ihrem Ehemann und ihrer ältesten Tochter bat.

Nachdem überprüft werden konnte, dass es sich jeweils um die richtigen Personen handelte, wurde mit Hilfe des IKRK in Islamabad ein Videoanruf organisiert. Herr und Frau S. und die beiden Kinder sahen sich nach mehr als 3 Jahren zum ersten Mal wieder. Eine lange herbeigesehnte Wiedervereinigung – wenn auch vorerst nur am Bildschirm.

Inzwischen hat Herr S. beim Staatssekretariat für Migration einen Antrag auf Familienzusammenführung gestellt, welcher kürzlich angenommen wurde. Die Familie wird nun von einer Rechtsberatungsstelle bei der Organisation der Reise unterstützt und kann sich hoffentlich bald in die Arme schliessen.

Die älteste Tochter der Familie bleibt verschwunden. Die Suche nach ihr geht weiter - wir hoffen immer noch auf ein Happy End!