30. August - Tag der Verschwundenen

Die Tragödie der Vermissten und ihrer Angehörigen

Weltweit werden hunderttausende Menschen vermisst. Sie wurden verschleppt, umgebracht oder sind im Krieg gefallen. Ihre Angehörigen sind zum Teil seit vielen Jahren ohne Nachricht über ihr Schicksal. Anlässlich des Internationalen Tags der Verschwundenen am 30. August macht das Schweizerische Rote Kreuz auf die Tragödie der Vermissten und ihrer Angehörigen aufmerksam.

UNO-Konvention

1992 verabschiedete die UNO-Generalversammlung eine Erklärung über den Schutz aller Personen vor dem Verschwindenlassen und 2006 eine Konvention. Bei deren Ausarbeitung spielten auch das Internationale Komitee des Roten Kreuzes (IKRK) und zahlreiche Opfer- und Nichtregierungsorganisationen eine wichtige Rolle. Sie setzen sich für die rasche Ratifizierung der Konvention ein. Basierend auf Völkergewohnheitsrecht macht die Konvention deutlich, dass das Verschwindenlassen von Menschen nicht nur eine schwere Menschenrechtsverletzung, sondern auch ein Verbrechen ist, das die Vertragsstaaten verhindern, untersuchen, verfolgen und bestrafen müssen.

Der Internationale Tag der Verschwundenen wird jährlich am 30. August begangen. Ergeht auf die Initiative der Lateinamerikanischen Föderation der Vereinigungen von Familienangehörigen Festgehaltener / Verschwundener im Jahre 1981 zurück. De rGedenktag erinnert an das Schicksal von Personen, über deren Verbleib nichts bekannt ist.
Weltweit werden jährlich Tausende Menschen Opfer von Praktiken, die das Ziel haben,Menschen verschwinden zu lassen. Auch in Europa gibt es Verschwundene: So werden als
Folge des Krieges in Ex-Jugoslawien immer noch mehrere tausend Menschen vermisst.

Das erzwungene Verschwinden macht nicht nur die direkt Betroffenen, sondern auch ihre Angehörigen zu Opfern. Es ist für sie extrem belastend, nicht zu wissen, wo sich ihre Liebsten befinden, ob sie noch am Leben oder tot sind. Die Angehörigen bleiben mit ihren Gefühlen und der Ungewissheit meist allein, leiden unter stressbedingten Störungen und erfahren zum Teil gesellschaftliche Ausgrenzung. Damit sind auch existenzielle Probleme verbunden. Durch den Ausfall des Versorgers fehlt es den Familien an Einkünften. Die Ehefrauen leiden unter ihrem unklaren rechtlichen Status, denn als Witwen würden sie eine Rente erhalten und könnten auch wieder heiraten. Die Besitzrechte bleiben ungeklärt, solange Verschwundene nicht für tot erklärt werden. Verschwundene Frauen werden oft auch Opfer von sexueller Gewalt und sind nach ihrer allfälligen Rückkehr gesellschaftlich zum Teil geächtet. Damit verknüpft ist das Problem der Straflosigkeit der Täter: Viele besitzen immer noch Einfluss und Macht, und verhindern damit die Aufarbeitung der Verbrechen der Vergangenheit.