aus dem Jugendmagazin «ready for red cross»

Weltweit für mehr Menschlichkeit

Wenn sich tausende Menschen aus der ganzen Welt auf einem Platz in Norditalien versammeln und friedlich mit Fackeln durch die Dämmerung laufen, dann ist es wieder Zeit für die Fiaccolata. Ein einmaliges Erlebnis, dass jede und jeder, der sich für das Rote Kreuz engagiert, einmal erlebt haben sollte.

Bei der alljährlich stattfindenden Fiaccolata im italienischen Solferino geht es darum, der Gründungsidee des Roten Kreuzes zu gedenken. Schockiert von den Szenen auf dem Schlachtfeld in Solferino, wo sich österreichische und sardisch-französische Truppen bekämpft hatten, beschloss Henry Dunant zu helfen. Mit der Unterstützung der Frauen von Castiglione delle Stiviere, dem Nachbardorf von Solferino, koordinierte Dunant den Verwundetentransport in nahgelegene Spitäler.

Was heute naheliegend zu scheinen mag, war der Ursprung einer revolutionären Idee: Das Leiden der Verwundeten zu mindern, unabhängig davon, auf welcher Seite sie kämpfen. Unabhängig von ihrer Nationalität, ihrer Religion, ihrem sozialen Status oder ihrer Herkunft. Dieser Gedanke begründete die Rotkreuz-Rothalbmond-Bewegung, die heute in 191 Ländern rund um den Globus nach den sieben Grundsätzen handelt und den humanitären Gedanken Dunants weiterträgt. Während der Fiaccolata marschieren Menschen aus der ganzen Welt, die sich für das Rote Kreuz engagieren, mit Fackeln von Solferino nach Castiglione delle Stiviere. Dabei bildet sich ein eindrücklicher, kilometerlanger Zug von Menschen.

Internationaler Jugendaustausch

Und mitten drin waren auch wir, Freiwillige vom Jugendrotkreuz aus der Schweiz. Die Fiaccolata bildete für uns, Anja (JRK Luzern), Philipp (SMSV) und Miriam (JRK Luzern) den Höhepunkt nach dem 4. International Youth Meeting, welches eine Woche dauerte und ebenfalls in der Nähe von Castiglione stattfand. Das Camp bot Rotkreuz-Rothalbmond-Freiwilligen aus der ganzen Welt die Möglichkeit sich in den vielfältigen Workshops zu den Themen Klimawandel, Migration, die Strategie 2030 und vielem mehr auszutauschen.

Nebst den intensiven Workshops kam aber auch das Freizeitprogramm nicht zu kurz: beim Besuch im Rotkreuz-Museum, dem Flea-Market, bei dem sich jede Nationalgesellschaft ihr Land vorstellt, Konzerten, Karaoke und nächtlichem Ninja-Spiel wurden schnell internationale Freundschaften geschlossen. Ein Höhepunkt des Camps war sicher das Generationentreffen am Freitag mit Joanna MacLean, eine der Hauptorganisatorinnen des allerersten International Youth Meeting von 1979. Durch ihren extremen Schatz an Lebenserfahrung teilte sie nicht nur viel Motivierendes mit uns, sondern auch unzählige witzige Anekdoten aus ihrer jahrelangen Arbeit für die Föderation. Ein echtes Highlight!

Ready für die Fiaccolata

Am Samstag ging es für uns schon früh los Richtung Solferino. Da das Youth Camp das letzte Mal vor zehn Jahren stattgefunden hat, durften die Teilnehmenden den Fackelmarsch dieses Jahr anführen. Dementsprechend galt es früh vor Ort zu sein, da im Laufe des Tages jeweils Tausende Menschen der Rotkreuz-Rothalbmond Bewegung, vor allem aus Italien und Deutschland, zum zentralen Platz in Solferino strömen, wo die Zeremonie beginnt. Anwesend war auch Francesco Rocca (Präsident der Föderation), der sich mit flammenden Worten an alle Anwesenden richtete und mit seinen Schlussworten «Tutti Fratelli, Tutte Sorelle» wieder an die Gründungsidee und die internationale Solidarität innerhalb der Bewegung erinnerte.

Friedlich begann anschliessend der Fackelmarsch. Aus den Teilnehmenden bildete sich ein Meer von Rotkreuz-Uniformen aus der ganzen Welt und ein Stimmgewirr mit den verschiedensten Sprachen. Und doch hatte alle derselbe Grund an diesen Ort geführt: Das Bedürfnis, sich für mehr Menschlichkeit einzusetzen. Während dem über 10 Kilometer langen Marsch wurde gelacht, gesungen und andächtig die Atmosphäre genossen. Im Camp angekommen, hatte das italienische Rote Kreuz bereits Verpflegung organisiert. Tausende von Teilnehmenden, die bis in das Camp gelaufen waren, assen zusammen Pizza und liessen diesen speziellen Abend gemütlich ausklingen.