Freizeitangebot für Asylsuchende

Sport spricht alle Sprachen

Freiwillige vom Jugendrotkreuz Aargau organisieren und leiten selbstständig Sportnachmittage für junge Asylsuchende. Diese schätzen die Abwechslung im eintönigen Alltag. Nebenbei trägt der Sport zur Integration bei und motiviert, die neue Sprache zu verstehen.

Für Jugendliche in Not
Wer kennt die Bedürfnisse und Sorgen bedürftiger Jugendlicher besser, als Jugendliche selbst? Das Jugendrotkreuz hat die Initiative ergriffen und verschiedene Ideen umgesetzt. Neben den Sportnachmittagen für junge Asylsuchende gibt es das weiterführende Mentoring-Projekt. Jugendliche vom Roten Kreuz übernehmen die Rolle einer Mentorin oder eines Mentors. Sie unterstützen ihre Mentees beim Erlernen der Sprache und entdecken mit ihnen das Gastland. Im Gegenzug erhalten die jungen Freiwilligen einen Einblick in die ihnen fremde Kultur ihres Mentees. Ähnlich aufgebaut ist das Nachhilfeprojekt für benachteiligte, schulpflichtige Kinder. Beim Integrationsprojekt für Menschen mit Behinderungen ermöglichen junge Freiwillige Gleichaltrigen mit deiner körperlichen Behinderung Freizeitaktivitäten. Jugendrotkreuz-Organisationen gibt es in den Kantonen Aargau, Basel, Freiburg, Genf, Luzern, St. Gallen, Thurgau und Zürich. Rund 880 junge Freiwillige setzen sich dafür ein.

Ein junger Mann im Dress von Real Madrid flitzt durch die Turnhalle. Geschickt dribbelt er seine Gegenspielerin im Rotkreuz-Shirt aus, zieht auf und knallt den Ball ins Goal. Tor! Zabiollah wirft die Hände in die Höhe, jubelt und schlägt übermütig ein Rad. Seine Teamkollegen rennen zu ihm und umarmen ihn stürmisch - Torjubel wie bei den Profis. Doch in den Turnhallen trainieren nicht etwa Profis vom FC Baden, sondern Teams aus jungen Asylsuchenden, gemischt mit Freiwilligen aus dem Jugendrotkreuz Aargau. 

Jugendliche handeln

Zweimal im Monat organisiert das Jugendrotkreuz Aargau selbstständig solche Sportnachmittage für junge Asylsuchende. Über 80 junge Männer aus den Asylunterkünften der Region Baden sind dem Aufruf gefolgt. «So viele Teilnehmende hatten wir noch nie», freut sich Pascal Fehlmann, Leiter des heutigen Sportnachmittages und «geistiger Vater» des Projekts. «Offensichtlich kommen die Sportnachmittage gut an. Das bestätigen uns auch die Asylzentren. Sie sind froh, dass wir die Bewohnerinnen und Bewohner für einige Stunden beschäftigen können.» Es werden aber nicht nur Fussballturniere organisiert, sondern auch spezielle Sportarten ausprobiert. «Wir waren auch schon Schlittschuhlaufen», erzählt Mohamed aufgeregt. Der junge Afghane nimmt jedes Mal an den Sportnachmittagen teil und stand dank dem Jugendrotkreuz Aargau das erste Mal auf Kufen.

«Das war eine ziemlich rutschige Angelegenheit. Mir gefallen besonders die Wanderausflüge. Da bleibt viel Zeit zum deutsch Reden. Leider ist das selten. Ich komme sonst kaum in Kontakt mit Gleichaltrigen aus der Schweiz». Mohamed mag es, Verantwortung zu übernehmen. «Ich helfe gerne anderen Menschen. Mein grösster Traum ist es, eine Lehrstelle als Fachmann Gesundheit zu finden», kann er gerade noch berichten, bevor er das Goal pfeifen darf. Nun muss Mohamed wieder aufs Spielfeld. Er ist heute Schiedsrichter und das nächste Tor zeichnet sich ab. Grosses Jubelgeschrei erfüllt plötzlich die Turnhalle. So stark, dass sogar das zweite laufende Spiel ins Stocken gerät und die Spieler nachschauen, wer das Tor geschossen hat.

«Die Teilnehmenden haben verlangt, dass wir konsequent deutsch sprechen. Mit uns getrauen sie sich, die Sprache zu üben.»

Sport, Sprache und Spass

Der Glückstreffer gelang Stefanie vom Jugendrotkreuz. Geschickt hat sie alle Männer ausgespielt und den Torhüter überlisten können. Die jungen Asylsuchenden beglückwünschen sie und klopfen ihr kollegial auf die Schulter. Da in den Asylzentren in Baden mehrheitlich junge Männer wohnen, kommen kaum junge Frauen zu den Sportnachmittagen. «Unsere Hauptzielgruppe sind die jungen isolierten Männer. Mit unserem Programm wollen wir ihnen Abwechslung bieten und ihnen helfen, ein Netzwerk aufzubauen. Nebenbei trägt das Projekt zur Gesundheitsförderung bei», beschreibt Pascal Fehlmann die Ziele der Sportnachmittage, die schon vor fünf Jahren ins Leben gerufen wurden.

«Die verschiedenen Kulturen der Asylsuchenden sind hier kein Thema und sie kommen mit gleichaltrigen Schweizerinnen und Schweizern in Kontakt.» Stefanie, die vorgängige Torschützin, ergänzt: «Wir sprechen konsequent Deutsch. Das wurde von den Teilnehmenden ausdrücklich verlangt. Mit uns können sie die Sprache üben und getrauen es sich auch.»
Nach dem Fussballspiel sind die Asylsuchenden und jungen Freiwilligen ausgepowert, aber überglücklich. Sie bilden einen Kreis. Mit typischen Schweizer Pfadfinder- und Blauringspielen schliessen sie den Nachmittag ab. Alle sind mit Spass dabei.