Für Kinder aus Krisen- und Kriegsgebieten

Rotkreuz-Camp in Fiesch: Eine unbeschwerte Zeit

Im Rotkreuz-Camp erleben Mädchen und Knaben, die sonst kaum kindgerecht Ferien verbringen dürfen, eine unbeschwerte Zeit. Dabei nehmen die jungen Gäste allerlei Wissenswertes mit für ihr Leben.

Das erste Rotkreuz-Camp
Das Rotkreuz-Camp wird durch den Hauptpartner swisscor finanziell sowie ideell unterstützt und vom SRK durchgeführt. Ein weiterer wichtiger Partner ist Inner Wheel. Neben einer finanziellen Unterstützung engagieren sich die Frauen des Netzwerksclubs im Camp und organisieren  einen Ausflug. Weiterer Sponsor ist das OpenAir St. Gallen. Am Camp teilnehmen können Kinder, die sich in schwierigen Lebensituationen befinden und seit mindestens sechs Monaten in der Schweiz wohnen. Genügend Kenntnisse einer Landessprache wurden vorausgesetzt. Migrationsbehörden, ein SRK-Kantonalverband und das Ambulatorium für Folter- und Kriegsopfer SRK meldeten die Kinder für das Camp an. Aus diesen Anmeldungen entstand eine gemischte Gruppe aus Flüchtlingskindern, unbegleiteten Minderjährigen und Schweizer Kindern in schwierigen Lebenssituationen.

Von Katrin Schöni

Unbeschwert Kind sein

Lautes Kinderlachen, Klatschen, ein wildes Durcheinander und Rufe in verschiedenen Sprachen. So tönt es aus einem Schulungsraum vom Ferienhaus Rosentirli, das sich oberhalb des Sport- und Feriencenters von Fiesch befindet. Bei dieser Gruppe aus Knaben und Mädchen steht an diesem schwülen Sommervormittag der Schweizer Workshop auf dem Programm. Aus Bildern mit verschiedenen Sportarten wie Fechten, Fussball, Sumoringen und Schwingen, erraten die Kinder die typische Schweizer Sportart: Wie aus einem Munde kommt die richtige Antwort: «Schwingen!»

50 Mädchen und Knaben nehmen Ende Juli am Rotkreuz-Camp teil. Sie haben in ihrem jungen Leben bereits viel erlebt, aber wohl kaum einmal richtige Ferien.

Viele der Kinder im Rotkreuz-Camp haben bisher kaum richtige Ferien erleben dürfen.

Die 9- bis 13-Jährigen stammen aus Krisen- und Kriegsgebieten wie Afghanistan, dem Iran, Syrien, Tibet, Eritrea, Somalia oder Sri Lanka. Einige der Kinder sind aus der Schweiz. Campleiterin Carine Fleury vom Schweizerischen Roten Kreuz wirkt locker, aber professionell: «Die Kinder sind sehr solidarisch untereinander. Sie unterstützen sich, auch bei der Verständigung. Die Stimmung hier ist gut und wir  denken, dass wir den Kindern erlebnisreiche Ferien bieten können.» 21 Betreuerinnen und Betreuer – hauptsächlich Freiwillige, die alle das T-Shirt des junggebliebenen Henry Dunant tragen – haben keine freie Minute: Sie trösten bei Heimweh, verpflastern kleine Schürfwunden, suchen verlorengegangene Gegenstände, schlichten bei Reibereien und bieten den Kindern ein abwechslungsreiches Programm mit Spielen, Sport und Ausflügen. Die Kinder finden Zeit sich zu erholen und erhalten wie nebenbei Unterstützung bei der Integration in der Schweiz.

Integration mit Spiel und Spass

Es wird gespritzt, geschubst, getaucht und geschwommen: Im Hallenbad steht Schwimmunterricht auf dem Programm. Unter den gut geschulten Augen der SLRG-Kursleiterin müssen alle Kinder aus der 16-köpfigen Gruppe eine Beckenlänge schwimmen. Wer ohne abzustehen die 10 Meter schafft, bekommt eine grüne Badekappe und darf ins Schwimmerbecken wechseln. Mit grosser Motivation machen sich die Jugendlichen auf den Weg, der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt: Unterwasser, mit dem «Hundeschwumm», nur mit den Beinen oder Armen: Alles wird versucht um ans Beckenende zu gelangen. Doch nur zwei Mädchen beherrschen die richtige Technik und dürfen ins Schwimmerbecken wechseln. Später lernen die Kinder auf dem Trockenen die sechs lebensrettenden Baderegeln. Nebst der Sicherheit im und am Wasser stärken die Jugendlichen ihre Kompetenzen in sozialen und gesundheitlichen Bereichen. Dazu gehören Themen wie gesunde Ernährung, Erste Hilfe und Konfliktbewältigung.

In einer langen Pause im Schatten lassen sich die Kinder das Zvieri sichtlich schmecken. Einige hören Musik, andere sausen über die lange Rutschbahn oder sitzen kichernd in einer Gruppe zusammen – Ferienstimmung! Eine unbeschwerte Zeit in einem nicht ganz alltäglichen Feriencamp.