aus dem Jugendmagazin «ready for red cross»

Im Körper eines alten Menschen

Bewegungen fallen schwer, die Sicht ist eingeschränkt und Knöpfe schliessen wird zu einer Herkulesaufgabe. Dank dem AgeMan-Anzug alterte Fiona in einer halben Stunde um einige Jahrzehnte.

von Fiona Kauer, Jugendrotkreuz Basel

Im März fand in Baden die EXPOsenio statt, eine Fachmesse für Seniorinnen und Senioren. Unter den Ausstellerinnen und Ausstellern war auch das Schweizerische Rote Kreuz Kanton Aargau. Das Publikum konnte sich an den Ständen vom SBB-Ticketverkauf über Sportbekleidung bis hin zu Bestattungsunternehmen über verschiedene Themen informieren. Auch jüngere Gäste waren anwesend. Für sie hatte das SRK Aargau den AgeMan am Stand. Dieser Anzug macht es möglich, sich in den Körper eines älteren Menschen hineinzuversetzen. Genau dafür bin ich heute angereist. Ich möchte herausfinden, wie es ist, älter zu sein.

Zuerst die Beweglichkeit…

Bruna vom SRK Aargau hilft mir, die verschiedenen Teile des Anzugs anzuziehen. Zuerst gilt es Gelenke – Knie und Ellenbogen – und den Bauch mit elastischen Bändern einzubinden. Meine Beweglichkeit ist dadurch bereits eingeschränkt. Danach kommt eine Latzhose, die zusätzlich mit Gewicht versehen ist, eine Jacke und Schuhe. Beim Anziehen der Schuhe bin ich zum ersten Mal froh um die vielen Stühle am Stand. Es dauert eine Weile, bis ich weiss, wie ich mich bewegen muss. Die Füsse scheinen weiter entfernt von meinen Händen zu sein als sonst.

...dann die Sinne einschränken

Um mich auch mit den Sinnen dem Alter anzupassen, erhalte ich Handschuhe, die das Tasten erschweren, einen Hörschutz und einen Helm mit Sichtscheibe. Die vorher so lebendige, von Stimmen erfüllte Halle ist plötzlich dumpf und verschwommen. Um Anweisungen zu verstehen, muss ich mich richtig konzentrieren. Zum Glück spricht Bruna laut und deutlich zu mir. Die nächste Herausforderung sind die Knöpfe an der AgeMan-Jacke. Mit geschwächter Sehkraft und den Handschuhen dauert es eine Weile, bis die Jacke zu ist.

Andere Besucherinnen und Besucher sprechen mich auf den Anzug an. Sie finden die Sensibilisierung jüngerer Menschen für das Alter sehr wichtig. Eine Rentnerin scherzt, bis wann man denn den Anzug testen kann, bevor man nicht selber schon weiss, wie er sich anfühlt.

Moment der Wahrheit

Nach einem kurzen Lese- und Schreibtest wage ich mich ans Treppensteigen. Wegen meiner eingeschränkten Sicht ist die Rolltreppe zu schwierig. Darum gehe ich nach draussen. Langsam gewöhne ich mich an die trägen Bewegungen, doch die Sicht und das dumpfe Gehör bereiten mir Schwierigkeiten. Um die grauen Treppenstufen zu sehen, muss ich mich richtig konzentrieren. Zum Glück hat es einen Handlauf.

Zurück am Stand freue ich mich, die Ausrüstung wieder ausziehen zu können. Endlich kann ich die Menschen in meiner Umgebung wieder verstehen und scharf sehen. Ich empfehle allen, so einen Auszug auszuprobieren! Ich verstehe nun ältere Menschen besser und werde zukünftig noch geduldiger im Umgang mit ihnen sein.