aus dem Jugendmagazin «ready for red cross»

Humanitärer Einsatz als Hebamme

Zu helfen, dass neues Leben auf die Welt kommt, ist an und für sich schon eine aufregende Tätigkeit. Doch die Geschichten von Augusta Theler toppen dies um ein Vielfaches. Sie war und ist im humanitären Einsatz in Ländern wie Bangladesch, Haiti, Nepal oder Eritrea.

Augusta Theler ist Hebamme aus Leidenschaft und regelmässig als solche an schwierigen Orten im Einsatz. In Ländern wie unter anderem Eritrea, Haiti oder Bangladesch hat sie Frauen bei diesem besonderen Ereignis unterstützt.

Bereits vor 18 Jahren begann sie ihren Beruf in der Schweiz auszuüben. Sie sammelte Erfahrungen, doch nach nur wenigen Jahren reifte die Idee, ihren beruflichen Horizont im Ausland zu erweitern. Da ihr Mann Arzt ist und viel im humanitären Einsatz war, wollte auch sie dieser Erfahrung eine Chance geben. 2004 ging Augusta Theler daher für drei Monate nach Eritrea. Einerseits, um herauszufinden, ob sie für solch ein Abenteuer gemacht ist und andererseits, um von den lokalen Hebammen zu lernen. Ihre Erwartungen wurden weit übertroffen.

«Natürlich war der dortige Lebensstandard sehr einfach, doch der Zusammenhalt im Team war unglaublich. Ich habe mich als Teil einer Familie gefühlt»,

berichtet Augusta Theler enthusiastisch. In diesen drei Monaten hat sie nicht nur viel für ihr Handwerk gelernt, sondern auch für ihre persönliche Entwicklung. Das Verlangen war von nun an geweckt, immer wieder durch diese Lebensschule zu gehen. So entschied sie sich, Teil der Emergency Response Unit des Roten Kreuzes zu werden, um regelmässig humanitäre Einsätze machen zu können. Diese Teams werden bei Katastrophen aufgeboten, um Nothilfeeinsätze zu leiten. Es handelt sich um Berufsleute, in ihrem Fall um Gesundheitsfachpersonen, die in Schulungen des Roten Kreuzes auf solche Einsätze in Extremsituationen vorbereitet werden.

Ein Lächeln zaubern, selbst in schweren Momenten

Natürlich wächst mit jedem Einsatz der Erfahrungsschatz. Doch das heisst nicht, dass es irgendwann zur Routine oder gar langweilig wird. Beim aktuellsten Einsatz 2018 in Bangladesch fand sich Augusta Theler wieder in einer neuen Situation. Im derzeit grössten Flüchtlingslager der Welt ist man mit ganz anderen Problemen konfrontiert, wie z. B. nach einer Naturkatastrophe. Augusta Theler erzählt sichtlich gerührt:

«Noch immer bin ich zutiefst beeindruckt von den wunderbaren Menschen, die ich dort kennenlernen durfte. Unerwarteterweise bestand meine Aufgabe sehr oft aus Zuhören. Ihnen die Chance zu geben, ihre Geschichte zu erzählen, war eine wichtige und bereichernde Aufgabe. Diese Menschen blicken nämlich in eine Zukunft ohne Perspektiven. Das ist schwer mitanzusehen. Daher habe ich mit kleinen Geschenken versucht, zumindest für kurze Zeit ein Lächeln in ihre Gesichter zu zaubern»

Eine Welt – so viele Unterschiede

Offensichtlich ist, dass die Lebenssituation der werdenden Mütter in den Einsatzländern und in der Schweiz komplett unterschiedlich ist. Auch die Versorgung beziehungsweise das Expertenwissen weist grosse Differenzen auf. Hier in der Schweiz gibt es im Falle von Komplikationen viel mehr Möglichkeiten. Nicht nur umfassenderes Spezialwissen ist vorhanden, sondern vor allem jegliche technischen Gerätschaften stehen immer zur Verfügung.

«In Einsatzländern ist es manchmal schwer mitzuerleben, wenn eine Geburt keinen positiven Ausgang hat und klar ist, dass man unter anderen Bedingungen umfangreicher helfen hätte können»,

erwähnt Augusta Theler nachdenklich. Aber es gibt auch positive Seiten in dieser Hinsicht. Auch wenn die westliche Ausbildung sehr fortschrittlich ist, sind die Herangehensweisen in anderen Ländern keinesfalls minderwertig. «Alle Sinne werden bei eritreischen Hebammen einbezogen. Man hört, fühlt, spürt viel mehr und ist so nicht von technischen Geräten abhängig. Ich habe dadurch gelernt, mehr auf kleine Details zu achten und das Ganze wieder als die natürlichste Sache der Welt zu betrachten», teilt sie ihre Erfahrung. Diese Natürlichkeit lässt die werdenden Mütter viel instinktiver am Geburtsprozess teilnehmen.

Bestens qualifiziert

Instinkt und das Vertrauen in die Sinne qualifiziert das lokale medizinische Personal bestens. «Egal, an welchem Ort internationale Unterstützung angefordert wird, lokale Angestellte wissen am besten, in welcher Form Hilfe benötigt wird. Daher sollten wir nur unterstützend handeln und vor allem in Notfallsituationen unser Spezialwissen teilen», unterstreicht Augusta Theler. «Wir sind nicht dazu da, das Ruder an uns zu reissen, sondern voneinander zu lernen. Daher bin ich auch überzeugt, dass nur die qualifiziertesten Ärzte, Hebammen usw. sich für einen humanitären Einsatz melden sollten.