Syrien-Konflikt

Neue Fluchtwelle im Norden Syriens

Die eskalierende Gewalt im Norden Syriens trifft erneut die Zivilbevölkerung. Wieder sind hunderttausende Menschen auf der Flucht. Das Schweizerische Rote Kreuz unterstützt seine Partner bei der Hilfe für die Betroffenen.

Im Norden Syriens eskaliert die Gewalt. Nach der türkischen Offensive, die am 9. Oktober begann, sind innert weniger Tage hunderttausende Menschen aus den umkämpften Gebieten nahe der Grenze geflohen. Das Leid der Menschen ist unermesslich. Die 38-jährige Mutter Um Ali ist eine von vielen, die Hals über Kopf ihre Häuser und Städte verliessen: «Wir waren gerade mit dem Mittagessen fertig, als wir eine laute Explosion in der Nähe des Hauses hörten.» Zu Fuss ergriff sie mit ihren Kindern die Flucht. Nach zwei Tagen erreichte sie Hassakeh nahe der türkischen Grenze, wo sie in einer Schule einen sicheren Unterschlupf fanden – und den Helfern des Roten Kreuzes berichteten, was sie durchlebt hatten.

Die Gewalt an der türkischen Grenze ist die jüngste Zuspitzung im Konflikt in Syrien. Ein Konflikt, der bereits über acht Jahre dauert und 6,2 Millionen Menschen zu Vertriebenen im eigenen Länd gemacht hat. Sie leben in Flüchtlingslagern oder leerstehenden Häusern. Die Lebensbedingungen sind prekär und die humanitäre Not ist enorm. Ein Grossteil der einst guten Infrastruktur des Landes wurde zerstört. Mehr als 15 Millionen Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Wasser und Sanitäranlagen. 60 Prozent der Spitäler und Gesundheitszentren sind zerstört. Und mehr als 6,5 Millionen Menschen haben nicht genügend Nahrungsmittel.

Schweizerisches Rotes Kreuz hilft in mehreren Regionen

Gemeinsam mit dem Syrisch-Arabischen Roten Halbmond (SARC) unterstützt das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) in verschiedenen Teilen des Landes die Menschen in Not. In der Stadt Ar-Raqqa im Norden Syriens, die grossflächig zerstört ist, verteilt das SRK Wassertanks an 4000 zurückkehrende Familien. Im Deir Ezzor Gouvernment im östlichen Teil des Landes unterstützt es die Sanierung der beschädigten Wassersysteme und die Verteilung von Hygieneartikeln. 75‘000 Menschen profitieren von den Hygienekampagnen. Und in der Region Idlib hilft es intern vertriebenen Familien mit mobilen Gesundheitszentren, Notunterkünften und Trinkwasser.

Die neue Gewalt im Norden des Landes ist ein schwerer Rückschlag für alle, die nach Jahren des Kriegs und der Not auf eine friedliche Zukunft hoffen. Das SRK steht bereit, um zusammen mit seinen lokalen Partnern seine Hilfe weiter auszubauen, um den leidgeprüften Menschen beizustehen.