Zahlen des Beratungsdienstes humanitäre Visa 2017

Weniger erteilte Visa im Jahr 2017 - Anzahl der Anfragen jedoch konstant

Im Jahr 2017 fiel auf, dass weniger humanitäre Visa bewilligt wurden als noch im Vorjahr. Trotzdem erhielt der Beratungsdienst konstant viele Anfragen zur Möglichkeit, legal und sicher in die Schweiz einzureisen. Die meisten Anfragen betrafen Syrien. Der Beratungsdienst wurde insgesamt von Personen aus 33 Ländern kontaktiert.

Weniger Kontakte zu Personen in der Schweiz, mehr Anfragen von Betroffenen ohne direkten Link zur Schweiz

Die Beratungsstelle hatte im Jahr 2017 zu insgesamt 2268 Personen Kontakt. Im Jahr 2016 waren es etwas mehr als 3000. Diese Zahl setzt sich aus den Personen zusammen, welche sich in der Schweiz über das humanitäre Visum informiert haben, sowie Personen aus dem Ausland, dies vor allem aus Syrien (1). Der Unterschied zu 2016 könnte daher stammen, dass 2017 vergleichsweise weniger Personen oder kleinere Familien ein Gesuch einreichten als noch 2016. Grössere oder intakte Familien erhielten 2017 eher weniger humanitäre Visa für die Schweiz. Im Durchschnitt waren es zwei bis drei Personen, die schliesslich ein Visum erhielten, wie zum Beispiel eine Witwe mit Kindern oder betagte Eltern.

2017 meldeten sich 774 Personen, vornehmlich aus Syrien und ohne direkten Link zur Schweiz, welche nur einmalig Informationen zum humanitären Visum wollten und danach keinen weiteren Kontakt zum Beratungsdienst aufnahmen. Im Vergleich dazu waren es 2016 deren 665. Die hohe Anzahl Anfragen direkt aus dem Ausland ist wahrscheinlich auf den lang andauernden Konflikt in Syrien und die Perspektivenlosigkeit in Drittstaaten wie dem Libanon oder der Türkei zurückzuführen. 

Anfragen für Alternativen zu regulärem Familiennachzug steigend

Der Beratungsdienst erhielt auch 2017 vornehmlich Anfragen aus Syrien. Dabei konnten 291 Klientinnen und Klienten beraten werden. Es meldeten sich jedoch auch 197 Personen aus 33 anderen Ländern beim Beratungsdienst. 2016 kamen die Anfragen bloss aus 19 Herkunftsländern.

Eine Erklärung dafür könnte sein, dass der Beratungsdienst noch bekannter wurde. Eine andere ist, dass sich vor allem Personen mit vorläufiger Aufnahme meldeten, da sie keinen regulären Familiennachzug in Anspruch nehmen konnten. Die Personen können oftmals die hohen Hürden für den Familiennachzug nicht bewältigen. Deshalb suchen sie andere Wege, um ihren Ehepartner/ihre Ehepartnerin oder minderjährige Kinder legal und sicher in die Schweiz holen zu können.

Fast doppelt so viele humanitäre Visa 2016 als 2017

Für das Jahr 2017 erhielt der Beratungsdienst Kenntnis von 429 Personen, welche ein humanitäres Visum beantragten und dazu den Beratungsdienst in Anspruch nahmen. Davon stammten 378 Personen aus Syrien und 51 Personen aus anderen Ländern. Bei 220 Personen wurde eruiert, dass das Gesuch abgelehnt wurde. Davon kamen 188 Menschen aus Syrien und 32 aus anderen Ländern. Die Zahlen können aber auch bedeutend höher sein, da nicht alle Klientinnen und Klienten den Beratungsdienst informierten, wenn sie ein Gesuch einreichten oder es abgelehnt wurde.  

Bei 76 Personen, welche Kontakt mit dem Beratungsdienst hatten, wurden für 2017 die Visa bewilligt. Davon kamen 71 aus Syrien, vier aus Eritrea und eine Person aus Afghanistan. Im Jahr 2017 wurden laut SEM-Visamonitoring 522 Visa aus humanitären Gründen erteilt . Davon fielen 141 bewilligte Visa in die Kategorie der Weisung des SEM vom 25.02.2014 , auf welche sich der Beratungsdienst bezieht und 111 bewilligte Visa nach der Aktion des Bundes von März 2015 für erleichterten Familiennachzug für vorläufig aufgenommene Personen aus Syrien. 

Im Jahr 2016 fällt auf, dass mehr Personen, nämlich 228, ein humanitäres Visum nach Weisung des SEM erhielten. Dazu kommen 226 Personen, die von der Aktion des Bundes für vorläufig aufgenommene Personen aus Syrien profitieren konnten. Insgesamt waren es laut SEM-Statistik deren 748 Visa, die aufgrund humanitärer Gründe bewilligt wurden. 

2016 wurden somit mehr Personen mit dem humanitären Visum aufgenommen, als 2017. Eine ersichtliche Begründung dazu ist, dass 2016 mehr Visa aufgrund der Aktion von 2015 erteilt wurden. Es ist derweil offensichtlich, dass die Visa, welche 2017 bewilligt wurden, in keiner Weise der Anzahl Anfragen entsprechen. Verhältnismässig suchen immer noch gleich viele Personen Schutz über humanitäre Visa wie 2016. 

Vorabklärung bei besonders prekären Fällen: Erfolgsquote konstant
 
Bei besonders prekären Fällen konnte das SRK auch 2017 in 55 Fällen / 177 Personen eine Vorabklärung bezüglich humanitäre Visa beim SEM einreichen. Dabei erhielten 24 Fälle / 64 Personen eine positive Antwort, was knapp die Hälfte der Fälle aber nur gut ein Drittel der Personen ausmachte. Bei 31 Fällen / 113 Personen wurde diese Voranfrage negativ beantwortet.

Im Jahr 2016 erhielten gesamthaft 66 Personen eine positive Antwort vom SEM nach einer Vorabklärung. Der Beratungsdienst betreute insgesamt 39 Fälle / 109 Personen als Vorabklärung. Davon waren 22 Fälle / 66 Personen positiv, also etwas mehr als 50% der Fälle. Bei 43 Personen / 17 Fällen waren die Antworten des SEM negativ. Im Vorjahr wurden also etwas mehr Fälle und etwas mehr Personen positiv bewertet.

Wie bereits oben erwähnt, machte der Beratungsdienst die Erfahrung, dass die positiven Antworten 2017 durchschnittlich eine kleinere Personenzahl pro Fall beinhalten. Eine weitere Beobachtung der Zahlen zeigt, dass eher alleinstehende Frauen und minderjährige Kinder eine positive Antwort erhalten haben sowie einzelne betagte Witwen oder Ehepaare ohne weitere Angehörige vor Ort.

Einzelne Männer oder Männer über 65 Jahre erhielten deutlich weniger humanitäre Visa. Sie scheinen, wie intakte oder grössere Familien, für die Behörden weniger verletzlich zu sein. 

Auch bezüglich der Aktion des Bundes für Personen aus Syrien mit vorläufiger Aufnahme, machte der Beratungsdienst 2017 direkte Voranfragen beim SEM. Dies betraf 32 Personen. Dabei erhielten 21 Personen in 5 Fällen eine positive Antwort. In 3 Fällen, die 11 Personen betrafen, wurden die Anfragen negativ beantwortet. 2016 wurden in vier Fällen Vorabklärungen gemacht nach dieser Aktion des Bundes. Das betraf insgesamt 17 Personen. Alle vier Fälle wurden vom SEM positiv beantwortet. 

Vorabklärungen innerhalb der Aktion des Bundes wurden aufgrund der prekären Situation der Angehörigen in Syrien oder einem Drittstaat gemacht, deren Familienmitglieder in der Schweiz unzumutbar lange auf einen Entscheid warten mussten. Ohne einen Entscheid, hätten sie eigenständig kein Gesuch einreichen können. Die Aktion des Bundes über den erleichterten Familiennachzug wurde Ende 2017 beendet. 

Ausblick

Auch im folgenden Jahr wird die Beratungsstelle Tendenzen des humanitären Visums beobachten und je nachdem die Tätigkeiten laufend anpassen. Wegen der neu aufflammenden Kämpfe in Syrien in der Region Afrin oder Ost Ghouta, ist es möglich, dass 2018 wieder viel mehr Anfragen den Beratungsdienst erreichen. Auch bezüglich Anfragen von Personen aus anderen Ländern ist eine Steigerung wahrscheinlich.

(1) Die Zahlen des Beratungsdienstes beziehen sich auf diejenigen Kontakte, welche im System erfasst werden konnten. Sie sind nicht absolut, sondern können einzig eine ungefähre Tendenz widerspiegeln.