Hilfe für Flüchtlinge

SRK-Ärztin im Einsatz in Griechenland

Über eine halbe Million Menschen sind dieses Jahr bereits über die gefährliche Mittelmeerroute nach Europa geflohen. Das SRK engagiert sich bei der Unterstützung der Flüchtlinge – unter anderem in Griechenland, wo täglich bis zu 6000 Flüchtlinge neu ankommen. Dort war auch die SRK-Ärztin Isabelle Güss im Einsatz.

 «Auf der Insel Lesbos habe ich gesehen, wie ein Flüchtlingsboot nach dem anderen eintraf. Viele Familien mit Kindern schlafen ungeschützt am Strassenrand und unter Bäumen. Überall, auch in der Hauptstadt Athen.» Isabelle Güss ist tief beeindruckt von dem, was sie während ihres Einsatzes erlebt hat. Die erfahrene SRK-Ärztin hat einen Monat lang das Hellenische Rote Kreuz bei der medizinischen Hilfe für die Flüchtlinge unterstützt.

«Oft wissen die Flüchtlingsfamilien kaum wo sie sind und erst recht nicht, wie es weitergehen soll.»

Viele Menschen seien geschwächt nach der langen und strapaziösen Reise ins Ungewisse. Nach dem Eintreffen in Griechenland werden sie von Freiwilligen des lokalen Roten Kreuzes betreut. Diese stellen die medizinische Grundversorgung sicher, verteilen Hilfsgüter und bieten psychologische Unterstützung. «Viele der Flüchtlingsfamilien brauchen dringend Informationen. Oft wissen sie kaum wo sie sind und erst recht nicht, wie es weitergehen soll. Manche haben auf der Flucht einen Teil der Familie verloren», sagt die Ärztin. In diesen Fällen hilft ihnen das Rote Kreuz bei der Suche nach den Angehörigen. 

Berührende Begegnungen

Isabelle Güss berichtet von Begegnungen, die ihr sehr nahe gingen: «Da war zum Beispiel das Schicksal einer Frau, die ihr Kind am Strand von Lesbos geboren hat. Sie hatte es gerade noch aus dem Boot ans Land geschafft.» Auch die Begegnung mit einer Gruppe von 15 Flüchtlingen, einige davon noch Kinder, sei ihr nahe gegangen: «Sie waren nach dem Kentern ihres Bootes vier Stunden lang geschwommen, bevor sie von der Küstenwache gerettet wurden. Ich traf sie in der Notfallstation des Roten Kreuzes, wo sie aufgewärmt und mit trockenen Kleidern und Essen versorgt wurden. Glücklicherweise haben alle überlebt.»
 
Seit bald fünf Jahren herrscht in Syrien Krieg. Sind zu Beginn noch der Grossteil der Menschen in die Nachbarländer Libanon, Jordanien, Türkei und Irak geflohen, so sehen sich seit einigen Monaten immer mehr Flüchtlinge gezwungen, die gefährliche Reise nach Europa zu wagen. 

Das Schweizerische Rote Kreuz unterstützt die Rotkreuzgesellschaften in Griechenland, Serbien, Deutschland und im Libanon.