Flüchtlingstage 2020

Solidarität kennt keine Grenzen

Das Coronavirus darf kein Grund sein, um schutzsuchende Menschen an der Grenze zurückzuweisen. Ihr Kampf ums Überleben ist seit dem Ausbruch der Coronavirus-Pandemie noch prekärer geworden. Halten sie sich noch in Kriegsgebieten auf, haben sie aufgrund geschlossener Grenzen kaum die Möglichkeit zur Flucht. Ausserhalb ihres Landes sind sie ohne soziale oder staatlich-wirtschaftliche Auffangnetze praktisch auf sich alleine gestellt.

Im April 2020 wurden in der Schweiz gerade mal 332 Asylgesuche eingereicht. Das sind noch knapp 30% der Gesuche des Vorjahres. Damals wurden im April 1'118 Asylgesuche eingereicht. Die neusten Zahlen vom Mai 2020 zeigen dasselbe Bild: eine Abnahme von knapp 70% gegenüber dem Vorjahr, insgesamt 376 Asylgesuche (850 weniger als im Mai 2019). 

Grenzöffnung nicht nur für Touristen

Das Coronavirus darf kein Grund sein, um Menschen an der Grenze zurückzuweisen – der Zugang zum Asylverfahren muss für alle Schutzsuchenden gewährleistet sein. Das Schweizerische Rote Kreuz fordert deshalb die Schweiz auf, sich für die Einhaltung der Menschenrechte und für den Zugang zum Asylverfahren einzusetzen.

Diverse Länder öffnen Stück für Stück ihre Grenzen. Die Lockerungen sind begrüssenswert. Ferien in den Nachbarländern sollen gerade in den Sommermonaten wieder möglich sein. Doch was ist mit den Grenzöffnungen für Flüchtlinge?

Jeder Mensch hat das Recht darauf, um Asyl zu ersuchen. Die vergangenen und zum Teil immer noch aktiven Grenzschliessungen verhindern einerseits, dass Menschen aus Krisen- und Kriegsländern flüchten und so in einem sicheren Land um Schutz ersuchen können. Zudem verunmöglichen die geschlossenen Grenzen die Rückkehrmöglichkeiten für Geflüchtete, die in ihre Heimatstaaten zurückkehren wollen.

Evakuierung der Flüchtlingslager in Griechenland

Die Rotkreuz-/Rothalbmond Bewegung ist extrem besorgt über die Situation in Griechenland. Die Schweiz muss, zusammen mit ihren europäischen Partnern, Griechenland bei der Evakuierung der Lager auf den griechischen Inseln unterstützen. Auf der der Basis eines verbindlichen Verteilschlüssels sollen verletzliche Menschen auch in der Schweiz aufgenommen werden.

Schweiz hält geltendes Recht ein

Mit der Aufnahme von 23 minderjährigen Asylsuchenden setzt die Schweiz geltendes Recht um. Die Dublin III Verordnung verpflichtet die Schweiz, dass unbegleitete Minderjährige das Asylverfahren im gleichen Land durchlaufen können wie Familienangehörige.

Solidarität kennt keine Grenzen

Die Auswirkungen des neuen Coronavirus betreffen uns alle: Arbeitsplätze verschwinden, der Kontakt zu unseren Mitmenschen ist erschwert und der Hunger nimmt weltweit wieder zu. Doch nicht alle Menschen sind gleich betroffen oder haben dieselben Unterstützungsmöglichkeiten. Geflüchtete Menschen, die unseren Schutz bereits ohne Coronavirus dringend nötig haben, sind in der aktuellen Situation noch viel mehr auf unsere Solidarität angewiesen als sonst schon.