Flüchtlingstage 2019

Sichere Fluchtwege retten Leben

Durchschnittlich sechs Tote jeden Tag – das ist die traurige Bilanz des Jahres 2018. Schätzungsweise 2'275 Menschen starben oder verschwanden im letzten Jahr alleine bei der Überquerung des Mittelmeers. Werden andere Fluchtrouten zur Mittelmeeroute hinzugezählt, sind es noch um ein Vielfaches mehr. Das Schweizerische Rote Kreuz engagiert sich mit dem Beratungsdienst humanitäre Visa und im Bereich Familienzusammenführungen für besonders verletzliche Menschen auf der Flucht. Veranstaltungen in der ganzen Schweiz machen am 15. Juni auf die Situation der Flüchtlinge aufmerksam.

Nie in der Geschichte waren mehr Menschen auf der Flucht vor Krieg, Gewalt und Verfolgung als heute.  Über 68 Millionen Vertriebene sind es weltweit . Die Flucht ist gefährlich und nicht wenige bezahlen sie mit ihrem Leben. Dass legale Fluchtwege immer mehr eingeschränkt werden verschlimmert die Lage zusätzlich.

Gefahren auf der Flucht

Die Flucht wird immer gefährlicher und entlang der Fluchtrouten kommt es zu humanitären Katastrophen. Menschen ertrinken, werden versklavt und misshandelt. Viele Familien werden auf ihrer Flucht für immer auseinandergerissen. Das Rote Kreuz sucht weltweit nach fast 100'000 Vermissten.  Sichere und legale Fluchtrouten müssen verhandelt und erarbeitet werden. Das Schweizerische Rote Kreuz engagiert sich ganz besonders bei den Humanitären Visa. Weitere sichere Fluchtwege bieten die beiden Instrumente: Resettlement-Programme des UNHCR und Familienzusammenführungen.

Dank humanitären Visa legal einreisen

Sichere und legale Fluchtwege schützen Geflüchtete vor Gewalt, Elend und Tod. Seit 2013 hat das Schweizerische Rote Kreuz einen Beratungsdienst welcher Geflüchtete  zu den Möglichkeiten legaler Einreisemöglichkeiten informiert und bei der administrativen und finanziellen Organisation der Reise unterstützt. So auch bei der Flucht eines jungen Syrers und seiner Mutter → Beitrag «Endlich wieder vereint».

«Die Schweiz muss ihren Beitrag zur Betreuung von Flüchtlingen leisten und die Verfahren vereinfachen.»

Annemarie Huber-Hotz, Präsidentin des Schweizerischen Roten Kreuzes

Der Beratungsdienst hat im Jahr 2018 insgesamt 2'011 Personen erreicht. Gut die Hälfte dieser Personen wurde näher betreut. Die andere Hälfte hat entweder einmalige Informationen zu den Humanitären Visa erhalten oder wurde an weitere Stellen, wie zum Beispiel Beratungsstellen bezüglich der Familienzusammenführung verwiesen oder direkt mit ihnen in Verbindung gebracht. Das Staatssekretariat für Migration erteilte insgesamt 222 humanitäre Visa. Mit 94 Personen davon war das Schweizerische Rote Kreuz in Kontakt und hatte diese in den meisten Fällen im Visums-Prozess eng begleitet.

Humanitäre Visa
Ein humanitäres Visum kann erteilt werden, wenn eine Person im Heimat- oder Herkunftsstaat unmittelbar, ernsthaft und konkret an Leib und Leben gefährdet ist. Der Beratungsdienst humanitäre Visa stellt Informationen für das Beantragen eines humanitären Visums zur Verfügung. Während dem Prozess kann er zudem unterstützen und in besonders vulnerablen Fällen beim Staatssekretariat für Migration eine Voreinschätzung einholen. Der Beratungsdienst des SRK hat im Jahr 2018 über 2‘000  Personen erreicht.
Familienzusammenführung
In Bezug auf den Familiennachzug bestehen in der schweizerischen Gesetzgebung verschiedene Einschränkungen. Zum Beispiel müssen vorläufig aufgenommene Flüchtlinge drei Jahre warten und verschiedene Kriterien erfüllen, bis sie ihre Kernfamilie nachziehen können. Angesichts dieser Tatsache stellt sich die Frage, ob das Recht auf Familienleben gewahrt ist, das die Bundesverfassung (Art. 13 BV) und die Europäische Menschenrechtskonvention (Art. 8 EMRK) gewährleisten. Das Schweizerische Rote Kreuz betrachtet das Familienleben nicht nur als Grundrecht, sondern auch als unabdingbare Voraussetzung für die Integration. Um den derzeitigen Einschränkungen in diesem Bereich abzuhelfen, möchte es sich künftig vermehrt für den Schutz des Familienverbands engagieren.
Resettlement-Programme  
Besonders verletzliche Flüchtlinge (wie zum Beispiel Frauen, Kinder und Kranke) werden mittels UN-Resettlement-Programmen in ein Drittland geflogen und dort dauerhaft angesiedelt. Resettlement ermöglicht die Einreise mit Zustimmung des Zielstaats und schützt dadurch vor den Risiken der gefährlichen, irregulären Fluchtwege . Einzelne Rotkreuz-Kantonalverbände beteiligen sich an diesen Programmen indem sie die Geflüchteten unterbringen und bei der Integration unterstützen. 

Miteinander sprechen – sich kennenlernen

Die Flüchtlingstage sollen jedoch nicht nur auf die Missstände aufmerksam machen. Mit diesen Tagen wird auch klar der Austausch gefördert. Menschen von hier und da kommen am 15. Juni zusammen und sprechen miteinander, lernen Neues kennen und können Vorurteile ablegen. Verschiedene Rotkreuz-Kantonalverbände und andere humanitäre Organisationen planen schweizweit diverse Veranstaltungen. Eine übersichtliche Zusammenstellung findet sich auf der Seite der Schweizerischen Flüchtlingshilfe → Veranstaltungen  (externer Link).  

Veranstaltungen vom Samstag, 15. Juni 2019

Flüchtlingstag in Altdorf UR 
Flüchtlingstag in Basel  
Interkultureller Begegnungstag in St. Gallen 

Veranstaltungen an anderen Tagen

Donnerstag, 13. Juni in Zürich 
Sonntag, 16. Juni in Aarau: Speiss & Trank. Spiel & Spass  
Samstag, 22. Juni in Baden: Kantonaler Flüchtlingstag Aargau