Entwicklungen 2017 bis 2019

Beratungsdienst Humanitäre Visa: Anzahl erteilter Visa sinkt

Zugang zu internationalem Schutz ersuchen zu können, ist ein Menschenrecht und gesetzlich verankert. Der Beratungsdienst Humanitäre Visa SRK berät seit Ende 2013 Schutzsuchende, die auf legalem und sicherem Weg in die Schweiz einreisen wollen.

Mit dem humanitären Visum erhalten besonders gefährdete Menschen Zugang zu internationalem Schutz. Dieses spezifische Visum gibt es seit 2012. Das humanitäre Visum muss prinzipiell persönlich bei einer Schweizer Vertretung im Ausland beantragt werden. Da nicht in jedem Land eine Schweizer Vertretung existiert, ist es für manche Menschen sehr schwierig, ein solches Visum zu beantragen.

Anzahl erteilter Visa 2017 bis 2019 gesunken

Über die drei Jahre ist die Anzahl erteilter Visa klar gesunken: Wurden im Jahr 2017 noch 252 Visa erteilt, waren es 2019 nur noch 172. Auch das Verhältnis bei den Herkunftsländern, bei der Erteilung von Visa hat sich klar geändert. Syrische Antragstellende machten 2017 noch einen deutlich grösseren Anteil an den erteilten Visa aus als 2019. Im Jahr 2017 wurden 218 Anträge aus Syrien genehmigt, im Jahr 2019 nur noch 85. Es werden vermehrt auch Anträge aus anderen Ländern, wie zum Beispiel Sri Lanka oder Eritrea, bewilligt.

Diese Änderung bei den Herkunftsländern ist einerseits auf die Aufhebung der «Sonderaktion Syrien II» zurückzuführen und andererseits bedingt durch eine Neubeurteilung des Syrien-Konflikts seitens Schweizer Behörden. 

Vermehrt Visa ohne Kontakt zum Schweizerischen Roten Kreuz

Der Zugang zu einem Gesuch für humanitäre Visa muss für alle Personen gewährleistet sein. Um dies sicherzustellen, muss insbesondere in der Öffentlichkeit klar und transparent über die bestehenden Möglichkeiten und die geltenden Kriterien informiert werden.

In diesem Sinne haben sich die Zahlen positiv entwickelt. Während im Jahr 2017 der Beratungsdienst Humanitäre Visa noch bei durchschnittlich jedem zweiten bis dritten Gesuch beteiligt war (über 37 Prozent), reduzierte sich diese Beteiligung im Jahr 2019 auf gut 24 Prozent – das heisst, der Beratungsdienst war nur noch bei jedem vierten Gesuch beteiligt. Das bedeutet, dass drei von vier Personen ihren Antrag selbstständig einreichen konnten. 

Anfragen bleiben konstant hoch, kommen aber aus immer mehr Herkunftsländern

Die Anfragen beim Beratungsdienst Humanitäre Visa haben sich insgesamt nicht stark verändert. Sie liegen im untersuchten Zeitraum (2017 bis 2019) zwischen 2’011 und 2’268 Anfragen. Auffallend ist hingegen die steigende Anzahl unterschiedlicher Herkunftsländer, aus welchen die Anfragen kommen.

Grafik: Von 2015 bis 2019 stieg die Anzahl unterschiedlicher Herkunftsländer, bei den Anfragen für humanitäre Visa. Im Jahr 2015 erreichten den Beratungsdienst Anfragen aus 17 verschiedenen Ländern, 2019 waren es bereits 67 verschiedene Länder. Für die Jahre 2013 und 2014 wurden die Daten nicht erhoben.

Humanitäre Visa werden mehrheitlich an Personen aus Syrien erteilt. 2019 wurden jedoch leicht mehr humanitäre Visa für Menschen aus weiteren Herkunftsländern erteilt: 85 erteilte Visa an syrische Antragsstellende, gegenüber 87 erteilte Visa an Antragsstellende aus weiteren Herkunftsländern. 

Vertraulicher Dialog mit dem Staatssekretariat für Migration (SEM)

In besonders gefährdeten Fällen macht der Beratungsdienst beim SEM eine Vorabklärung bezüglich der Chancen auf ein humanitäres Visum.

«Für besonders vulnerable Personen, die an ihrem Aufenthaltsort in Gefahr sind, aber nicht die Möglichkeit haben, auf gut Glück die gefährliche und häufig weite Reise zu einer Schweizer Botschaft zu machen, ist eine schriftliche Vorabklärung an das SEM häufig die einzige Möglichkeit Schutz zu erhalten ».

Carolin Krauss, Leiterin Fachbereich Migration des SRK

Die Anzahl der Vorabklärungen hat sich über den Zeitraum dieser drei Jahre kaum verändert. Es wurden jeweils um die 50 Vorabklärungen beim SEM eingereicht. Knapp die Hälfte dieser Vorabklärungen wurde pro Jahr positiv beurteilt (43 bis knapp 49 Prozent).

Gleich wie 2017 und 2018 bestätigt sich auch im Jahr 2019 die Tendenz, dass positive Antworten von Seiten SEM nur eine sehr kleine Personenzahl pro Fall betreffen. Bei grösseren Familieneinheiten wird eine Vorabklärung öfters negativ eingestuft. Ebenso gilt weiterhin, dass einzelne Männer oder komplette Kernfamilien geringe Chancen haben, ein humanitäres Visum zu erhalten.