chili-Konflikttraining

Mit Lächeln statt Gewalt

Diesen Sommer hat das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) das erste chili-Konflikttraining für die jüngsten Spieler des Berner Fussballclubs Young Boys organisiert. Die Fussballtalente festigten ihre Persönlichkeit und lernten, ihren Spielpartnern mit Respekt zu begegnen. Um zu gewinnen, braucht es einen starken Teamgeist und einen gesunden Umgang mit Konflikten.

Konflikttraining für alle
Mit seinen chili-Trainings setzt das SRK seit 1999 Massstäbe in der konstruktiven Konfliktbearbeitung bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Das Angebot richtet sich insbesondere an Schulklassen jeglichen Alters und kann auf Anfrage gebucht werden. Alle Informationen gibt es auf der Website: chili-srk.ch

Durch die Gänge des Sportzentrums im Emmentaler Dorf Sumiswald hallen Geschrei und Gelächter. Im Laufschritt sausen Kinder in schwarzen Fussballtrikots die Treppen hinunter. Trotz der Gluthitze strotzen sie vor Energie. Sie werden wohl später keine Probleme haben, zwei Halbzeiten auf dem Spielfeld durchzustehen. Es ist August, kurz vor Ende der Sommerferien. Der BSC Young Boys (YB) führt sein traditionelles Lager für talentierten Nachwuchs durch. Jeden Sommer organisiert der Club für sorgfältig ausgewählte 12- bis 15-Jährige eine Intensivwoche. Die ehrgeizigen jungen Talente möchten eines Tages in ihr Lieblingsteam aufrücken und das bekannte gelbschwarze Trikot tragen. Führt diese geballte Energie nicht auch zu Spannungen? 

«Natürlich will jeder Spieler der Beste sein und es herrscht starke Konkurrenz.»

Konkurrenz ohne Kampf

«Natürlich möchten die Spieler immer die Besten sein, unter ihnen herrscht starke Konkurrenz. Im Training und in den Lagern verbringen sie viel Zeit miteinander. Da können Konflikte auftreten, die es zu lösen gilt», räumt Christian Franke ein, der als Leiter Préformation von YB für die Ausbildung der 12- bis 15-Jährigen zuständig ist. Deshalb haben das SRK und YB eine Zusammenarbeit vereinbart. Mit seinen chili-Traininigs setzt das SRK seit 1999 Massstäbe in der konstruktiven Konfliktbearbeitung bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Nun wurde erstmals ein Konflikttraining speziell für das Team FE12ausgearbeitet. Ihm gehören die jüngsten Nachwuchsspieler an, die erst zwölf Jahre alt sind: 16 aufstrebende Fussballer, darunter ein Mädchen, aus der Stadt Bern, bei denen die Verantwortlichen von YB ein besonderes Potenzial erkannt haben.

An zwei Nachmittagen setzen sich die Jugendlichen spielerisch auseinander mit schwierigen Themen wie Konflikten, Respekt und Grenzen der anderen. chili-Trainer Alex Michel setzt verschiedene Spiele ein, um soziale Kompetenzen zu fördern. Dazu zählen das Selbstbewusstsein, die Eigenverantwortung, Konzentration, Umgang mit Risiken, Fairplay sowie Aufrichtigkeit. Nach jeder Partie ruft er die Kinder zu einer Auswertung zusammen: Was ist passiert? Weshalb habe ich mich genervt? «So lernen die Kinder, sich bewusster wahrzunehmen und auf andere Rücksicht zu nehmen», erklärt der Trainer.

Zu den sozialen Kompetenzen zählen Selbstbewusstsein, Eigenverantwortung, Konzentration, Fairplay und Aufrichtigkeit.

Training fürs Leben

Zu Beginn des Trainings müssen die Jugendlichen mehrmals ihren Namen rufen, während sie in den Kreis treten, der vom Team gebildet wird. «Wir möchten den Spielern auch helfen, ihre Persönlichkeit zu festigen. Das ist wichtig, für das Leben als Profi und für den Alltag», erklärt Christian Franke. Dann geht es um Zusammenarbeit und Freundschaft: Die Kinder spielen Fangen und üben sich im Zuspielen des Balls. Vier Stunden lang bleiben sie konzentriert und diszipliniert bei der Sache. Wie schafft Alex Michel das? «Wenn ich die Kinder im Kreis zusammenrufe und sie auf den Boden klopfen lasse, habe ich ihre Aufmerksamkeit im Handumdrehen gewonnen», erklärt er. Gegenseitiges Händeklatschen ist ein weiteres Ritual, das der Trainer nutzt, um die Energie der Jugendlichen zu bündeln. Auch der Wechsel zwischen Spielen und Diskussionsrunden sorgt dafür, dass das Team begeistert mitmacht. «Die Kinder werden sich bewusst, dass eine Meinungsverschiedenheit nicht immer Ärger oder Schwierigkeiten bedeutet. Es kann auch Spass machen, einen Konflikt zu lösen», fügt er hinzu.

Am Schluss sind sich die Kinder einig: «Es war mega cool.» Und obwohl sie noch etwas jung sind, um die erworbenen Kompetenzen detailliert zu analysieren, ist ihnen zumindest ein wichtiger Wert geblieben: «Freundschaft!» Christian Franke bestätigt: «Ich bin sehr zufrieden. Die Jugendlichen lernen sich besser kennen und werden sich bewusst, wie wichtig der zwischenmenschliche Kontakt, Regeln und gegenseitiger Respekt sind. Und sie haben Spass dabei.» Kommt die Partnerschaft zustande, werden künftig alle 12- bis 15-jährigen YB-Spieler im Sommerlager ein chili-Training besuchen.