Neues Jugendrotkreuz in Zug

Nachhilfe für Kinder aus benachteiligten Familien

Was haben wir im Kanton Zug viel zu lange vermisst? Genau, ein Jugendrotkreuz! Das ist auch Nicole Henggeler aufgefallen. Gemeinsam mit Frieda Waldispühl Zindel, Leiterin Freiwillige beim SRK Zug, hat sie das Jugendrotkreuz Zug auf die Beine gestellt.

geschrieben von Larissa Werren, 21 Jahre, JRK Luzern

Jeden Dienstagabend um 17.00 Uhr besucht Nicole Henggeler den 12-jährigen Dylan (Name geändert) aus der Türkei. Aber nicht etwa um zu spielen, sondern für einen Nachhilfeunterricht. Gemeinsam erledigen sie die Hausaufgaben, behandeln den Schulstoff und entwickeln Lernstrategien. Sie bearbeiten, was gerade in der kommenden Woche ansteht. Sei es ein aktuelles Thema aus Mensch und Umwelt oder eine grosse Mathematikprüfung. Für den jungen Mann gibt es stets etwas Neues zu lernen.

«Die Stunden mit Nicole helfen mir sehr!»,

ist Dylan überzeugt. Ein sehr wertvoller Austausch, aber wie kam es dazu?

Ein glücklicher Zufall

Als sich Nicole für einen zweiten Bildungsweg an der Pädagogischen Hochschule Zug entschieden hatte, war für sie sofort klar, dass sie sich neben dem Studium freiwillig engagieren wollte. Vorher hatten ihr vor allem die unregel­mässigen Arbeitszeiten als Grafikerin einen Strich durch die Rechnung gemacht. So nahm sie mit dem SRK Zug Kontakt auf und informierte sich über Möglichkeiten, sich aktiv einzubringen. Aus dem Gespräch mit Frieda Waldispühl Zindel, Leiterin Freiwillige, kristallisierte sich dann schnell heraus, dass dies die Chance war, eine von Friedas offenen Aufgaben mit der Einsatzbereitschaft von Nicole zu verbinden: Ein Jugendrotkreuz Zug soll her!

Jetzt kanns losgehen!

Es folgte eine spannende aber auch fordernde Zeit voller Ideen, Planungen und Konzeptarbeit. Stets haben sich die beiden Frauen darauf konzentriert, was gebraucht wird, wie geholfen werden kann und wo dementsprechend am besten angesetzt werden sollte. Nach zahlreichen Diskussionen und Abwägung aller Möglichkeiten war das erste Angebot des Jugendrotkreuz Zug beschlossene Sache: Nachhilfe für Kinder aus benachteiligten Familien. Die Zusammenarbeit und Gespräche mit Freiwilligen, Familien, Schulen und Lehrpersonen vereinfachten den Start des neu gegründeten Jugendrotkreuz Zug. Nicole wurde im Juli 2017 vom SRK Zug mit einem kleinen Pensum angestellt als Leiterin Jugendrotkreuz Zug. Aktuell zählt das Jugendrotkreuz Zug 13 Freiwillige, wovon bereits neun ein Kind unterstützen. Unter anderem aufgrund des intensiven Kontakts mit der Leitung des Vereins MUNTERwegs, Mentoringprogramm für eine bereichernde Freizeitgestaltung für Kinder und Jugendliche, steigt die Nachfrage rasant an und es wird zunehmend Unterstützung gebraucht. Infolge der guten Beziehungen zur Pädagogischen Hochschule Zug konnte ausserdem eine wertvolle Zusammenarbeit aufgebaut werden: Die Studierenden erhalten Credit Points, wenn sie beim Jugendrotkreuz Zug Nachhilfeunterricht geben.

Hoffnung schenken

«Ich gehe gerne zu Dylan, weil ich merke, wie dankbar die ganze Familie ist und wie sehr es sich lohnt, an jemanden zu glauben»,

erzählt Nicole, als sie auf ihre Motivation angesprochen wird. Für sie ist es ein grosses Anliegen, dass die Bildung für alle Menschen zugänglich wird. Oft verfügen Familien mit Migrationshintergrund oder Schweizer Familien an der Grenze des Existenzminimums nicht über die entsprechenden finanziellen Mittel, um ihren Kindern die nötige Unterstützung zu gewährleisten, was ein Gefühl der Machtlosigkeit auslösen kann.

«Ich will mit meinem Einsatz die Eltern entlasten und der ganzen Familie helfen, sich einfacher zu integrieren»,

bekräftigt Nicole. Sie konzentriert sich auf das Gute im Menschen und möchte einerseits Freude weitergeben und andererseits die Fähigkeiten und Stärken der nächsten Generation fördern. Gleichzeitig gibt sie den Kindern und Jugendlichen Strategien mit, auf welche sie auf ihrem weiteren Weg zurückgreifen können, und eröffnet den jungen Erwachsenen damit neue Aussichten für ihr bevorstehendes Leben. Zu Recht sagt sie: «Die Kinder sind unsere Zukunft!» Nicole ist zuversichtlich, dass sich das Jugendrotkreuz Zug entwickeln wird und dass weitere Einsatzmöglichkeiten geschaffen werden. Ihr ist es wichtig, auch auf die Ideen der Freiwilligen einzugehen und immer ein offenes Ohr für deren Gedanken und guten Ideen zu haben.