aus dem Jugendmagazin «ready for red cross»

Mujinga Kambundji: Das Ziel vor Augen

Seit Jahren begeistert die sympathische und bodenständige Berner Sprinterin und SRK-Botschafterin Mujinga Kambundji die Schweiz. Ready hat mit ihr über ihre nächsten Ziele, schlechte Angewohnheiten und den Alltag als Spitzensportlerin gesprochen.

Von Miriam Häfliger, Jugendrotkreuz Luzern

2019 war ein ganz spezielles Jahr für Mujinga Kambundji: An der WM in Doha krönte sie ihre Karriere mit einer Bronzemedaille, Ende Jahr folgte die Auszeichnung als Sportlerin des Jahres. Der WM Medaille gingen jedoch auch viele bittere Karrieremomente voraus. Das Schweizer Fernsehpublikum litt mit, als Mujinga 2019 an der Weltmeisterschaft in Doha den 100-m-Final um Tausendstelsekunden verpasste. In diesen Momenten die Enttäuschung zuzulassen, gehört für Mujinga dazu. Was zähle sei, nicht zu lange über diese Momente nachzudenken, sondern bevorstehende Chancen zu sehen und wieder zu nützen. Wie professionell es ihr gelingt, auch enttäuschende Momente schnell wegzustecken, zeigte Mujinga eindrücklich: Nur wenige Tage nach dem emotionalen Rückschlag holte sie sensationell WM-Bronze über 200m und sorgt für einen historischen Erfolg für die Schweizer Leichtathletik. Ihr Ziel dabei nicht aus den Augen zu verlieren, fällt Mujinga nicht schwer. Der Gedanke an den nächsten Sommer und die bevorstehenden Wettkämpfe motivieren sie auch während den Trainings an kalten Wintertagen. Die Augen sind ganz klar auf das nächste bevorstehende Ziel gerichtet: die olympischen Spiele in Tokyo 2020.

Leben als Spitzensportlerin

«Wenn ich morgen mit dem Sport aufhören und etwas anderes arbeiten müsste, ich wüsste nicht, was ich machen würde.»

Was es genau bedeutet, den Sport zum Beruf zu machen, können nur wenige nachvollziehen. In Mujingas Fall beginnen die Tage jeweils mit dem Training, rund drei Stunden an fünf bis sechs Tagen pro Woche. Dass zum Alltag als Spitzensportlerin jedoch noch weit mehr gehört als die tägliche Trainingszeit, gehe oft vergessen. Nebst den Trainings gehören auch Physiotherapie, Massage und Termine mit Sponsoren und Partnern und genügend Zeit für die Erholung zum täglichen Programm. So sind die Wochen mal mehr, mal weniger streng, abhängig davon, wie viel nebst dem Sport ansteht für die Sprinterin und BWL-Studentin. Mujinga betont, dass die Ruhephasen essenziell sind für die sportlichen Höchstleistungen. Deshalb lässt sie es ausserhalb des Trainings gerne gemütlich angehen, nimmt lieber den Lift als die Treppe und vermeidet unnötige Bewegung. Dass sie auch 10 Jahre nach ihrem ersten Titel als Schweizer Meisterin noch mit ganzem Herzen beim Sport dabei ist, wird schnell klar. Während sie sich momentan keinen beruflichen Plan B vorstellen kann, steht fest, dass sie definitiv öfters Zeit mit Reisen verbringen würde, hätte sie eine andere Karriere eingeschlagen. Ein grosser Traum ist eine Reise in den Kongo, dem Herkunftsland ihres Vaters, zusammen mit der ganzen Familie. Eine solche Reise zu planen mit sechs Personen, die alle arbeiten und Sport treiben, sei organisatorisch aber eine Herausforderung, lacht Mujinga. Und noch etwas verrät Mujinga: Abseits der Tartanbahn ist sie unzufrieden mit ihrem Zeitmanagement. So komme sie öfters zu spät, weil sie ihre Zeit zu optimistisch einteile.

«Bärner Modi» durch und durch

Mujingas Wurzeln liegen in Bern, wo sie aufgewachsen ist, zur Schule gegangen ist und immer noch lebt und trainiert. Auf der Strasse erkannt und angesprochen zu werden, gehört für Mujinga inzwischen zum Alltag. Die bodenständige Bernerin betont aber, wie positiv die Begegnungen sind. Die Schweiz sei der perfekte Ort, um bekannt zu sein, weil die Menschen zurückhaltend und respektvoll im Umgang seien. Im Quartier kenne man sich, und beim Einkaufen wird ganz normal gegrüsst. So erstaunt auch Mujingas Antwort nicht auf die Frage, wie ein Land nach ihren Wünschen aussehen würde: genau wie die Schweiz, mit den Qualitäten der Schweiz, mit verschneiten Bergen und «härzigen » Städten wie Bern. Einzig einen direkten Zugang zum Meer und eine Grossstadt wie New York würde sich Mujinga für die Schweiz noch wünschen.

Freiwillig engagiert

«Ohne Menschen, die freiwillig arbeiten und anderen Menschen helfen, wäre ich nicht dort, wo ich heute bin.»

Die Bedeutung der Freiwilligenarbeit kennt Mujinga aus eigener Erfahrung: Ein Grossteil der Arbeit im Breitensport wird auf freiwilliger Basis geleistet. Als junge Sportlerin durfte Mujinga davon profitieren und wurde auf diesem Weg gefördert. Als ehrenamtliche SRK-Botschafterin möchte sie nun aus Dank etwas zurückgeben. Das freiwillige Engagement, sich gegenseitig zu helfen, sei dies im Inland oder im Ausland, liegt ihr sehr am Herzen. Auf die Frage, ob es etwas gibt, das sie schon lange machen würde, sich aber bis jetzt noch nicht getraut hat, überlegt Mujinga lange. Ihr kommt schlussendlich nichts in den Sinn – was nicht erstaunt, bei einer Frau, die so willensstark und ausdauernd für ihre Ziele arbeitet.