aus dem Jugendmagazin «ready for red cross»

Lachen mit den Redcross Clowns

Das Projekt Redcross Clowns schafft einen Austausch zwischen Freiwilligen und Menschen im Bundesasylzentrum über Mimik, Gesten und Geräusche. Erst vor Kurzem wurde das Projekt ins Leben gerufen. Die insgesamt 30 Teilnehmenden der Ausbildung «Social Clowning» des Roten Kreuzes in Zürich, Thurgau und St. Gallen wenden das Erlernte regelmässig an Abenden in drei verschiedenen Bundesasylzentren an. Mit Spiel und Spass wird der Alltag im Bundesasylzentrum aufgelockert.

Von Fiona Kauer

Im Bundesasylzentrum in Kreuzlingen spielt sich am Mittwochabend eine aussergewöhnliche Szene ab: Zwei Freiwillige des Roten Kreuzes mit roten Nasen und lustigen Outfits sind im Aufenthaltsraum unterwegs. Während Familien und einzelne Personen an den Tischen sitzen und in Gespräche vertieft sind, sind die beiden Clowns umgeben von Kindern. Sie spielen, lachen und entdecken gemeinsam neue Ausdrucksformen, um sich zu verständigen. Die Kinder sind mit ihren Eltern im Zentrum vorübergehend untergebracht. Sie kommen aus ganz unterschiedlichen Weltregionen. Lebhaft und voller Energie springen die Kinder herum und klettern auf den Rücken von Oli, einem der Freiwilligen, der heute Abend anwesend ist. Er fühlt sich sichtlich wohl in seiner Rolle als Clown.

«Ich spiele gerne mit den Kindern und lasse mich überraschen, auf welche Ideen sie kommen»,

meint er lachend. In einem Wagen, der eigentlich für die dreckige Wäsche benutzt und nun als Transportmittel umfunktioniert wurde, stosst er mehrere Kinder durch die Gänge des Bundesasylzentrums. Kreativität ist wichtig bei den Abenden der Social Clowns. Andrea, die zweite Clownin, lädt mich mittels Gebärden ein, ebenfalls im Wagen mitzufahren. Die Kinder schmunzeln, als ich versuche, mich in den Wagen hineinzuzwängen. Schliesslich schaffen wir es aber, dass alle einen Platz finden, und rollen gemeinsam durch die Gänge. Es geht rasant zu und her, denn den Kindern kann es nicht schnell genug gehen. Dennoch bietet der Abend Raum für etwas ruhigere Momente. Während eines Ausflugs in den Innenhof entdecken die Kinder den Mond und winken ihm gemeinsam zu. In einem ruhigen Augenblick schauen alle Richtung Himmel. Dieser Moment kommt ganz ohne Kommunikation und ohne eine gemeinsame Sprache aus.

Ein eingespieltes Team

Die beiden Clowns können während des Abends nicht immer zusammenbleiben. Immer wieder werden sie von den Kindern getrennt und müssen sich aufteilen. Andrea nutzt diese Chancen, um sich langsam einem eher ruhigen Mädchen anzunähern und dieses kennenzulernen. Im Gespräch erklärt sie mir, dass nicht nur die lauten, energiereichen Kinder etwas vom Clown-Abend haben sollen. Sie interessiert sich dafür, wie man einander durch Social Clowning näherkommen kann. Daneben tobt Oli mit den energiegeladenen Kindern herum. So haben alle etwas davon. Dadurch, dass die Clowns immer in Gruppen von zwei bis vier Personen unterwegs sind, kann sich jede Person dort einbringen, wo sie sich selbst wohlfühlt.

Von der Theorie zur Praxis

In der Ausbildung, welche drei Wochenenden dauerte, lernen Oli, Andrea und alle anderen Redcross Clowns verschiedene Techniken, wie Gefühlsausdrücke dargestellt und gespielt werden können. Der Workshop wird von professionellen Clowns geleitet und ist aufbauend organisiert. Die ersten Tage dienen dazu, seine eigene Identität als Clown zu finden, die dann laufend ausgebaut und abgeändert wird. Während der nächsten Workshops gibt es immer wieder spezifische Übungen und Aufgaben, die alleine, in Gruppen und zu zweit einstudiert und geprobt werden. Dabei geht es oft darum, verschiedene Emotionen zu spielen oder Interaktionen zwischen den Clowns zu gestalten. Einzelne Elemente der Ausbildung, wie die Clown-Laute oder bestimmte Gesichtsausdrücke, kann ich während des Abends beobachten. Oli und Andrea geben immer wieder Geräusche von sich, um mit den Kindern zu kommunizieren.

«Wirklich verstehen tun wir diese Laute nicht, aber wenn man seinen Clown-Partner oder seine Clown-Partnerin besonders gut kennt, dann wird die Clown-Sprache recht schnell verständlich»,

erklärt Oli. Es kommt vor, dass auch die Clowns sich während des Abends nur über diese Geräusche verständigen. Die vorweg geübten Techniken helfen den Freiwilligen, den Abend, der durch Improvisation lebt, zu gestalten. Dies liegt auch daran, dass man nie weiss, wie viele Kinder, Jugendliche und Erwachsene im Bundesasylzentrum anwesend sein werden. Damit auf die unterschiedlichen Menschen Rücksicht genommen werden kann, braucht es Fingerspitzengefühl und die Fähigkeit, sich auf verschiedene Situationen einzulassen.

Clown sein macht glücklich

Die meisten Familien im Bundesasylzentrum kommen aus Regionen, wo Clowns bekannt sind. Nebst den praktischen Übungen lernen die Freiwilligen auch, wo Clowns überall auf der Welt verbreitet sind. Nach dem letzten Workshop kann die ganze Gruppe in einer Unterkunft für Asylsuchende in Zürich das Gelernte anwenden. Dann sind dreissig Clowns unterwegs und verbreiten mit ihrer ansteckenden Art Momente der Freude, in einer Zeit, die für viele Menschen mit Fluchterfahrung schwierig sein kann. Das Projekt versucht, den Kulturaustausch zu fördern und im Hier und Jetzt einen Raum zu schaffen mit vielen Lachmomenten, Freude und Ablenkung vom Alltag in den Bundesasylzentren. Nach der abgeschlossenen Ausbildung fahren die Freiwilligen mit regelmässigen Einsätzen in den Bundesasylzentren fort. Dabei lernen sich die Freiwilligen immer besser kennen und rücken als Clown-Familie näher zusammen.

Auf die Frage, was ihm am besten an den ClownAbenden gefällt, sagt Oli: «Das Gefühl nach dem Spielabend. Wenn ich merke, dass die Kinder zufrieden sind, dann bin ich selber auch glücklich.» Genau das ist wohl auch das Wichtigste am Projekt: Gemeinsam einen Moment der Freude zu schaffen und durch den Austausch ein besseres Verständnis zu erhalten für die verschiedenen Situationen, in denen sich die Menschen im Bundesasylzentrum befinden.