aus dem Jugendmagazin «ready for red cross»

Klimawandel aus der Sicht von Markus Mader, SRK-Direktor

Mit dem Klimawandel werden wetterbedingte Naturereignisse zahlreicher, intensiver und unberechenbarer. Kein Land ist davor gefeit. Auch nicht die Schweiz. Welche Massnahmen ergreift das Schweizerische Rote Kreuz?

Von Fiona Kauer

Wie klimafreundlich ist das SRK?

Ich benutze lieber den Begriff der Nachhaltigkeit. Die Klimafrage ist heute sehr im Fokus, aber die viel umfassendere Frage ist diese der Nachhaltigkeit. Wie nachhaltig ist unser Handeln als Organisation? Vor sechs Jahren hat eine externe Fachperson eine Evaluation zu diesem Thema bei uns durchgeführt. Die Ergebnisse waren gut bis sehr gut. Das zeigte, die Menschen innerhalb unserer Organisation sind sensibilisiert bezüglich Nachhaltigkeit und umwelt-freundlichem Handeln. Wir stellen fest, dass die Klimafrage vor allem bei unseren Projekten im Ausland stärker berücksichtigt wird. Der Grund dafür liegt wohl darin, dass viele unserer Projekte in Gebieten stattfinden, die in der Vergangenheit aber auch heute stärker vom Klimawandel betroffen sind als beispielsweise die Schweiz. Aber natürlich, auch hier in der Schweiz bekommen wir die Auswirkungen bereits viel stärker zu spüren.

Welche Massnahmen hat das SRK ergriffen? Wie will sich das SRK klimafreundlicher gestalten?

Eines unserer konkreten Projekte ist die Klimabilanzierung. Mittels der Online-Plattform myclimate smart 3 berechnen wir den CO2-Ausstoss unserer Geschäftsstellen in Bern und Wabern. Unser Ziel ist es, national und international konzeptioneller zu arbeiten. Bei allen unseren Projekten wollen wir standardisierte Tools nutzen, die in Bezug auf die Nachhaltigkeit angewendet werden. Dazu sind Evaluationen und regelmässige Überprüfungen natürlich sehr wichtig. Aber nur so lassen sich umfassende Daten gewinnen, damit ausgewertet werden kann, in welchen Bereichen Steigerungspotenzial vorhanden ist. Ebenso wollen wir alle Angestellten und Freiwilligen auf die Nachhaltigkeitsthematik sensibilisieren.

Was bedeutet der Klimawandel für die Arbeit des SRKs?

In unseren Auslandprojekten ist der Klimawandel seit Langem ein sehr präsentes Thema. Katastrophenrisikoanalysen und Präventionsmassnahmen werden in ganz vielen Projekten umgesetzt. Diese stehen eng im Zusammenhang mit dem Klimawandel. Aber auch in der Schweiz wird sich die Arbeit durch den Klimawandel verändern. Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Klimawandel unsere Projekte – besonders im Gesundheitsbereich – in Zukunft stärker beeinflussen wird. Ich gebe ein Beispiel: Falls die Sommermonate immer wärmer werden, könnten wir unsere Freiwilligen darauf ansetzen, ältere Menschen täglich zu motivieren, genügend Wasser zu trinken.

Welche Herausforderungen sehen Sie für das SRK? Wie geht das SRK mit diesen Herausforderungen um?

Mir ist es ein Anliegen, dass die Arbeit insgesamt konzeptioneller wird. Also, dass die Planung von Projekten festgelegten Standards folgt. Nebst den 7 Rotkreuzgrundsätzen spielen hier die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen eine sehr wichtige Rolle. Diese Entwicklungsziele sind zentral für die Welt und unsere Arbeit. Gerade deshalb, weil sie alle Bereiche für eine nachhaltige Entwicklung vereinen. In unseren Strategien sind diese Ziele bereits eingebunden und spielen daher auch in der Projektplanung sowie dem Handeln der Organisation eine wichtige Rolle. Schon jetzt engagieren wir uns für unterschiedliche Ziele der Agenda 2030, so zum Beispiel in der Reduktion der Armut, der Förderung der Gleichstellung, dem Zugang zu sauberem Wasser oder auch Zusammenarbeit mit anderen Organisationen und Institutionen.

Welche Rolle soll die Jugend SRK bei der Klimadebatte einnehmen?

Wenn eine Person sagt, die Jugend sei unsere Zukunft entgegne ich immer: Nein, das stimmt so nicht. Denn die Jugend ist immer ein sehr wichtiger Teil unserer Gesellschaft, nicht nur in der Zukunft. Die Jugend gestaltet heute schon aktiv mit und bringt sich ein in die Debatte. Gerade in Fragen der Nachhaltigkeit und des Klimawandels sehen wir dies sehr deutlich. Die Bewegung «Fridays for Future» wird grösstenteils von Jugendlichen getragen. Ihr Engagement ist sehr eindrücklich. Daher bin ich der Meinung, dass die Jugend in der Politik noch viel früher und stärker miteinbezogen werden muss. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen gestalten das SRK aktiv mit. In jedem Vorstand unserer Organisation sollte es eine Vertreterin oder einen Vertreter der SRK-Jugend geben. •