Dossier

Jugendarbeit im Schweizerischen Roten Kreuz

Rund 9'500 junge Freiwillige setzen sich in den vier Jugendorganisationen des Schweizerischen Roten Kreuzes für besonders verletzliche Menschen ein.

Die Bereitschaft junger Menschen, sich für humanitäre Anliegen einzusetzen, ist gross. Viele junge Menschen identifizieren sich mit den Grundsätzen der Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung. Ihr Enthusiasmus und ihre Kreativität sind ein unschätzbares Potenzial, insbesondere auch wenn es darum geht, verletzliche und bedürftige junge Menschen zu erreichen. Das SRK erkennt dieses Potenzial und ermöglicht es jungen Menschen, sich aktiv für das SRK zu engagieren. Es gibt im SRK 13 Jugendorganisationen, die zu drei Themenbereichen arbeiten: Rettung im und am Wasser, Erste Hilfe sowie soziales Engagement.

Jugend der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft SLRG

Die SLRG ist unter den SRK-Mitgliedern die Organisation mit dem grössten Zulauf an Jugendlichen. In den zahlreichen Jugendgruppen der Sektionen treiben 4‘500 Jugendliche regelmässig Sport und sammeln gleichzeitig Erfahrungen als Rettungsschwimmer. Insgesamt umfasst die SLRG im Jugendbereich ungefähr 10‘000 Mitglieder, welche sich auf allen Verbandsstufen engagieren.

Die jungen Rettungsschwimmerinnen und –schwimmer treffen und messen sich an regelmässig stattfindenden Wettkämpfen schweizweit. Die Ambitioniertesten und Talentiertesten unter ihnen schaffen den Sprung in die Jugendnationalmannschaft. Sie vertreten die SLRG respektive die Schweiz an den Europameisterschaften und internationalen Wettkämpfen. Neben Jugendtrainings bietet die SLRG auch Rettungsschwimmkurse für Jugendliche an. Kinder ab vollendetem 10. Lebensjahr können im Jugendbrevetkurs Grundwissen im Rettungsschwimmen erwerben. Das Erlebnismodul Jugend ist eine Ergänzung zum Jugendbrevet - im Zentrum stehen der Spass und die Freude an der Bewegung im Wasser.

Zahlen aus der SLRG
Anzahl Teilnehmende Jugendausbildungen (Stand 2017)
-Jugendbrevets rund 2500
-Jugend Erlebnismodul: rund 500

Help Samariter Jugendgruppen

Die 127 Jugendgruppen des Schweizerischen Samariterbunds sind lokal verankert. Unter dem Motto Helfen – Erleben – Lernen – Plausch erwerben rund 2‘800 Kinder und Jugendliche Grundkenntnisse in Erster Hilfe. Jugendleiterinnen und Jugendleiter bereiten die Übungen mit den Kindern vor. In einer soliden Jugendleiterausbildung werden die Leiterinnen und Leiter für ihre verantwortungsvolle Aufgabe geschult.
Einmal im Jahr findet das traditionelle Jugendlager über Pfingsten statt.
Jugendliche sind ein wesentlicher Pfeiler der Samariterbewegung. Dort wo es keine Helpgruppe gibt, nimmt der Samariterverein Jugendliche auf.

Zahlen aus der Help-Samariterjugend (Stand 2017)
-Aktive Jugendgruppen: 127
-300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer am deutschsprachigen Jugendlager
-60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer am französischsprachigen Jugendlager

Jugendrotkreuz-Gruppen der Rotkreuz-Kantonalverbände

Rund 1'600 junge Freiwillige zwischen 15 - 30 Jahren machen in den neun Jugendrotkreuz-Gruppen der Kantonalverbände mit. Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig und bei (fast) jeder Jugendrotkreuz-Gruppe unterschiedlich. Beispielsweise organisieren die jungen Freiwilligen in Durchgangszentren für asylsuchende Kinder Spielnachmittage, damit diese für einmal ihren Alltag vergessen können. Oder sie fördern im Nachhilfeunterricht fremdsprachige Kinder. Wiederum andere gestalten Unterhaltungsnachmittage im Altersheim oder ermöglichen benachteiligten Kindern einen tollen Sporttag und bringen ihnen nebenbei die Grundsätze einer gesunden Ernährung näher.

Die jungen Freiwilligen treffen bei ihren Einsätzen nicht nur Gleichgesinnte und haben Spass, sondern erwerben auch wichtige Fähigkeiten. Sie erweitern ihren Horizont, lernen die Lebensrealität anderer Menschen kennen und sammeln Erfahrungen. Ebenso können sie von einem breiten Weiterbildungsangebot profitieren, das sie konkret in ihren freiwilligen Tätigkeiten unterstützt und sie fördert.

Jugend des Schweizerischen Militär-Sanitäts-Verbandes SMSV

Der Schweizerische Militär-Sanitäts-Verband (SMSV) hat eine sehr engagierte Jugendbewegung. Einmal jährlich organisiert zudem der SMSV ein Ausbildungs- und Ferienlager AULA. Dieses findet seit 1983 statt und Jugendlichen im Alter von 13 – 22 Jahren offen. Die über 220 Teilnehmenden erlernen die Grundlagen der Ersten-Hilfe auf Basis einer breit abgestützten, modularen Ausbildung analog der Laienrettung Niveau 1 – 3 gemäss ResQ. Das Lager wird ergänzt durch thematisch angepasste Ausflüge, Spiel, Sport und Spass.

Zusätzlich zur fundierten Ausbildung setzt sich das AULA zum Ziel, jungen Menschen die Welt des Sanitätswesens näher zu bringen: Die Teilnehmenden kommen mit den Grundwerten des Roten Kreuzes in Kontakt und werden für das humanitäre Gedankengut sensibilisiert. Sie lernen Berufsbilder aus dem Gesundheitswesen kennen und erhalten Einblicke in die Partnerorganisationen des SMSV.

Unsere Einsatzmöglichkeiten sind so vielfältig wie du. Werde Teil der Jugendbewegung.

Leitlinien Jugendarbeit SRK

Junge Menschen nehmen im SRK einen wichtigen Stellenwert ein. Jugendarbeit ist in der Strategie 2020 als Kernkompetenz definiert und dient dem SRK dazu, seine Ziele in den Kerngeschäftsfeldern Gesundheit, Soziale Integration sowie Suche und Rettung zu erreichen. Das SRK bindet junge Menschen als Freiwillige in seine Aktivitäten ein.

Die Jugendorganisationen SRK orientieren sich an den Leitlinien zur Jugendarbeit. Darin sind folgende neun Standards für die Freiwilligenarbeit des SRK definiert:

  1. Zugang
    In den Jugendorganisationen SRK gelten klare, niederschwellige Verfahren und die Informationen müssen leicht zugänglich sein.
     
  2. Sicherheit und Verbindlichkeit
    Die jungen Freiwilligen unterschreiben eine Einsatzvereinbarung und gehen ein verbindliches Engagement ein. Während der Dauer ihres Einsatzes sind sie versichert.
     
  3. Kompetenzen und Ausbildungen
    Die jungen Freiwilligen erwerben in ihrem Engagement Kompetenzen, die für ihre persönliche und berufliche Zukunft von Nutzen sind. Die Jugendorganisationen SRK bieten den jungen Freiwilligen regelmässig Weiterbildungen an, um sie für ihr Engagement aus- und weiterzubilden.
     
  4. Flexibilität
    Die Aktivitäten mit jungen Freiwilligen müssen ausserhalb der ordentlichen Arbeits- bzw. Schulzeit angesetzt werden.
     
  5. Partizipation
    Junge Freiwillige wollen Verantwortung übernehmen. Deswegen werden sie in allen Prozessen von der Entwicklung neuer Ideen bis zur Umsetzung einbezogen.
     
  6. Wertschätzung und Anerkennung
    Mit der Abgabe von Empfehlungsschreiben, Bestätigungen oder eines Dossiers freiwillig engagiert wird die Arbeit von jungen Freiwilligen anerkannt.
     
  7. Wirkung
    Junge Menschen möchten sicher sein, dass sie mit ihrem Engagement etwas bewirken. Die Jugendorganisationen SRK zeigen entsprechende Möglichkeiten auf.
     
  8. Vielfalt von Aktivitäten
    Junge Menschen erhalten die Möglichkeit, sich in verschiedenen Tätigkeiten unterschiedlicher Dauer zu engagieren.
     
  9. Spass und Teamarbeit
    Das Engagement ermöglicht es jungen Freiwilligen, neue Kontakte und Freundschaften mit Gleichgesinnten zu knüpfen und Spass zu haben

Partizipative Ansätze in der Jugendarbeit des SRK

Junge Freiwillige wollen in strategischen Fragen mitentscheiden. Das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) hat dies erkannt und fördert die Partizipation seiner jungen Freiwilligen gezielt. Alle SRK-Jugendorganisationen sind lokal verankert. Sie bieten den jungen Freiwilligen die Möglichkeit zur Mitsprache und Beteiligung auf allen Stufen. Beispielsweise bei der Festlegung von Aktivitäten und Formen der Zusammenarbeit oder bei der Wahl und der Mitarbeit von Vertreter/-innen in Gremien der SRK-Mitgliedorganisationen. Erhalten junge Menschen die Möglichkeit, mit erfahrenen Führungspersonen zusammenzuarbeiten, so ist der generationenübergreifende Wissenstransfer sichergestellt. Gleichzeitig sind junge Menschen dank ihres Idealismus und ihrem Einfallsreichtum eine grosse Bereicherung für die Arbeit in Erwachsenengremien. Deswegen hat das SRK in seiner neuen Strategie 2020 verankert, eine angemessene Vertretung junger Menschen in seinen Organen und Delegationen anzustreben. Dass es sich dabei nicht um leere Worte handelt, wurde an der Rotkreuzversammlung 2013 klar. Ende Juni wurde die 25-jährige Danielle Breitenbücher in den Rotkreuzrat gewählt.

Trends: Jugendarbeit im Wandel

Gemäss einer Studie des Bundesamtes für Statistik aus 2016 sind 38,7% der jungen Menschen zwischen 15 und 24 freiwillig tätig, davon 18,8% in einer Organisation (institutionelle Freiwilligenarbeit). Jugendliche Freiwillige wollen den Sinn in ihrer freiwilligen Tätigkeit sehen. Der Nutzen ihres Engagements muss dementsprechend aufgezeigt werden. Junge Menschen wollen mit ihrem freiwilligen Einsatz ihrer persönlichen Motivation Ausdruck verleihen, sich aber auch für ihre berufliche Zukunft rüsten. Sie haben Spass an ihrer Tätigkeit, wollen zusammen mit anderen etwas bewegen, sympathische Menschen kennenlernen und ihre eigene Erkenntnisse und Erfahrungen erweitern. (Freiwilligen-Monitor Schweiz 2016)
Jugendliche kommen weg von traditionellen Formen der Freiwilligenarbeit. Sie wollen sich in Projektform und/oder während einer bestimmten Dauer engagieren. Das SRK hat dies erkannt und bietet seit über 10 Jahren solche Einsatzmöglichkeiten an. Innerhalb eines definierten Rahmens dürfen junge Freiwillige selbstständig arbeiten. In allen Projektschritten werden sie eingebzogen – von der Idee, zur Umsetzung bis hin zur Auswertung. Dabei erwerben sie wichtige Kompetenzen, welche im «Dossier freiwillig engagiert« ausgewiesen werden. Das »Dossier freiwillig engagiert" ist bei der Stellensuche nützlich.

Kompetenzzentrum Jugendarbeit

Das Kompetenzzentrum Jugendarbeit der Geschäftsstelle SRK übernimmt die Vernetzung, die Betreuung und Koordination der Jugendorganisationen des SRK und unterstützt die Mitgliedorganisationen beim Auf- und Ausbau von Jugendgruppen und Jugendarbeit. Es organisiert nationale Tätigkeiten wie das Sommerlager mit der Stiftung swisscor oder Austauschtreffen für die jungen Freiwilligen aus den Jugendorganisationen SRK. Zudem ist es Herausgeberin des Jugendmagazins «ready for red cross».