aus dem Jugendmagazin «ready for red cross»

Freiwilligenarbeit - ein Ausgleich zum Berufsalltag

Die 22-jährige Tatjana ist Freiwillige beim Jugendrotkreuz Kanton Aargau. Sie besucht Bewohnerinnen und Bewohner in einem Altersheim, spielt, bastelt und lacht mit ihnen. Sie geniesst die Zeit ausserhalb des Büros, denn ihr beruflicher Alltag sieht komplett anders aus.

Tatjana hat diesen Sommer ihre Ausbildung als kaufmännische Angestellte mit Bestnoten abgeschlossen. Sie arbeitet für eine internationale Firma, welche in der Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie tätig ist. Vor der Ausbildung hat sie ein Jahr als Praktikantin in einem Kinderhort gearbeitet. Es hat ihr gefallen, aber sie hat sich dann doch für eine kaufmännische Ausbildung entschieden. Schlussendlich entspricht ihr ein Beruf im Büro mehr.

Ein spannendes Projekt

Seit Januar 2019 ist Tatjana Teil des Jugendrotkreuzes Kanton Aargau. Sie schnupperte in verschiedene Aktivitäten rein und entschied sich schlussendlich für die Altersheimbesuche. Einmal im Monat organisiert Tatjana mit anderen Freiwilligen einen Nachmittag in einem Seniorenheim in Ennetbaden.

Das Programm planen sie nach den Wünschen und Bedürfnissen der teilnehmenden Bewohnerinnen und Bewohnern. Die Aktivitäten sind dabei vielfältig und können von Malen und Basteln, zu Brettspielen bis hin zu Spaziergängen reichen. Die Nachmittage sind kostenlos. Mitmachen dürfen alle Bewohnerinnen und Bewohner, die Freude am Umgang mit jungen Leuten haben und offen für Aktivitäten und Gespräche sind. Ziel ist es, durch den Austausch neue Perspektiven kennenzulernen und die Solidarität zwischen den Generationen zu fördern.

Tatjana wurde ausserdem zusammen mit einem anderen Freiwilligen zur Delegierten der Kerngruppe der Altersheimbesuche gewählt. Sie übernimmt dadurch mehr Verantwortung für das Projekt und beteiligt sich aktiv bei der Ideensammlung. Sie trifft sich viermal im Jahr mit den Delegierten der anderen Aktivitäten des Aargauer Jugendrotkreuzes, um sich auszutauschen und gegenseitig bei allfälligen Problemen oder neuen Ideen zu unterstützen.

Vier Gründe für Freiwilligenarbeit: 
1. Mit Freiwilligenarbeit tust du nicht nur Anderen, sondern auch dir selber etwas Gutes.
2. Freiwilligenarbeit macht glücklich und lässt dich deine eigenen Sorgen vergessen.
3. Freiwilligenarbeit ermöglicht es dir neue Menschen kennenzulernen und deinen Bekanntenkreis zu erweitern.
4. Durch deine freiwillige Tätigkeit kannst du Kompetenzen entwickeln und dich selbst verwirklichen. 

Eine persönliche Bereicherung

Das Jugendrotkreuz hat Tatjana per Zufall online entdeckt. Sie war sofort begeistert und voller Tatendrang.  «Ich dachte zuerst, die Nachmittage im Altersheim finden jede Woche statt. Als ich erfuhr, dass diese lediglich einmal pro Monat durchgeführt werden, war ich fast schon enttäuscht», erzählt Tatjana. Die Besuche im Altersheim sind für sie ein Ausgleich zum beruflichen Alltag:

«Bei der Arbeit habe ich nicht sehr viel Kontakt zu Menschen –  ich verbringe meine Zeit hauptsächlich selbstständig am Computer».

Umso mehr geniesst sie die Besuche im Altersheim. Im Gespräch mit älteren Menschen kann sie stets Neues erfahren. Tatjana ist offener geworden und es fällt ihr leichter, auf Menschen zu zugehen. Dank ihrem offenen Ohr konnte sie schon viel von den Erfahrungen der Teilnehmenden der Altersheimnachmittage aufnehmen. Diese Einsicht hat sie nun auch in ihrem Alltag verinnerlicht. Im Kundenkontakt tritt sie sicherer und bewusster auf. Wie Tatjana erzählt, kann sie viel von der Freiwilligenarbeit lernen.

«Die Besuche sind eigentlich auch ein Geschenk an mich selbst. Sie geben mir sehr viel zurück.»

Die Dankbarkeit von den Bewohnerinnen und Bewohnern  sei sehr schön. Es macht sie glücklich, zu sehen, dass sie etwas bewegt. Sie verlässt die Altersheimnachmittage immer mit viel Freude. Tatjana kann sich vorstellen, auch in weiteren Projekten aktiv zu werden. Ihr gefallen alle Aktivitäten und sie werde dort helfen, wo Hilfe am meisten benötigt werde.

In ihrer Freizeit malt Tatjana neben ihrem freiwilligen Engagement gerne und auch «Gamen» ist ein Hobby von ihr. Zudem hat sie damit begonnen, sich selbst das Programmieren beizubringen. Sie könnte sich auch vorstellen, eine entsprechende Weiterbildung in diese Richtung zu absolvieren. Denn obwohl Tatjana mit viel Leidenschaft von der Freiwilligenarbeit erzählt, könnte sie sich nicht vorstellen, ihr freiwilliges Engagement zu ihrem Beruf zu machen: «Ich bin eine Person, die gerne alleine für sich arbeitet –  aber man weiss ja nie, was die Zukunft bringt».