aus dem Jugendmagazin «ready for red cross»

FC Starkickers: Das ehrgeizigste Basler Fussballteam

Freiwillige des Jugendrotkreuzes Basel trainieren einmal in der Woche den FC Starkickers, eine Fussballmannschaft für Menschen mit Behinderung. Ihr Ziel: möglichst viele Siege nach Hause tragen.

Alle halten die Luft an. Captain Joël Rigling schmettert den Ball in bester Shaqiri-Manier mittels Fallrückzieher Richtung Tor. Knapp geht der Ball daneben. Ein lautes «Huiiiii» durchbricht die Ruhe. Einige Spielerinnen und Spieler rennen auf Joël zu und gratulieren ihm zu seinem phänomenalen Schuss. Anders als es die vielen rot-blaugestreiften Fussballshirts vermuten lassen, steht heute nicht der FC Basel auf dem Rasen. Ebenso hat diese Fussballmannschaft auch nicht das millionenschwere Budget wie der Basler Traditionsclub. Der anwesende FC Starkickers hat unbezahlbares Potenzial: eine enorme Portion Leidenschaft, Herzblut und Ehrgeiz, ergänzt mit einem Teamzusammenhalt, der jedes professionelle Fussballteam erblassen lässt. Dies ist auch das Verdienst der jungen Freiwilligen des Basler Jugendrotkreuzes. Einmal pro Woche trainieren sie die besondere Fussballmannschaft, die unter dem Verein Insieme Basel läuft und unterstützt wird.

Mehr Selbstbewusstsein

«Ich will, dass alle Spielerinnen und Spieler auf ihre Kosten kommen», erklärt Cheftrainer Patrick Hunziker seinen Trainingsansatz. «Denn jeder individuelle Fortschritt stärkt das Selbstbewusstsein.» Es geht nicht darum, nur einen Zeitvertrieb anzubieten. Der FC Starkickers will mehr. Er will weiterkommen und gewinnen. Beim letzten Turnier hat es die Mannschaft bis ins Finale geschafft. Erst im Penaltyschiessen wurde sie ausgebremst. Umso motivierter sind alle heute zum Training gekommen. Klar ist, beim nächsten Turnier wollen sie den Sieg nach Hause tragen! «Leider knapp daneben», kommentiert Patrick Joëls Schuss, «Gut nachgesetzt. Weiter so!», spornt er ihn an und lässt den Ball nochmals in der Mitte anstossen. Vor dem unentbehrlichen Match kurz vor Trainingsende zückt Patrick jeweils sein schwarzes Büchlein, in das er vorgängig sorgfältig die Mannschaftsaufteilung fürs Training notiert hat. Die Kräfte sollen ausgeglichen sein. Das verspricht ein erstklassiges Spiel. Und schon rennen die Fussballerinnen und Fussballer wieder über das ganze Spielfeld, dribbeln einander geschickt aus und passen sich die Bälle zu. Kaum zu glauben, dass diese Mannschaft bereits ein hartes Training hinter sich hat. «Los Jungs!», feuert ein Fussballer seine Mitspielerinnen und Mitspieler an. «Und Mädels», korrigiert ihn Maria Schmuki sanft. «Mich überwältigt es immer wieder, wie herzlich und fair das Team ist», strahlt Maria, die ebenfalls im Coachingteam des FC Starkickers ist. Wie herzlich im Team alle miteinander umgehen, zeigt sich auch im Match. Bei einem Zweikampf geht ein Fussballer zu Boden. Sofort helfen ihm andere Spieler auf, klopfen ihm den Rücken ab, und der Verursacher entschuldigt sich aufrichtig.

Ernsthaftes Coaching

«Schön, wie du den Ball angenommen hast!», ruft Patrick einem Spieler zu. «Genauso, wie wir es vorhin geübt haben. Top!» Seine Trainingsmethoden wirken. Kein Wunder – schliesslich plant er jedes Training gewissenhaft und mit einem logischen Aufbau. Die Methoden schaut er bei seinen eigenen Trainings – Patrick spielt Hallenfussball – ab. Seine Co-Trainerinnen und -Trainer unterstützen ihn dabei. Sie sind ein eingespieltes Team. Neben den wöchentlichen Trainings begleiten sie den FC Starkickers an einigen Wochenenden auch an Turniere. Einmal im Jahr findet zudem ein Trainingslager statt. «Das ist jeweils besonders schön, und wir wachsen als Team noch mehr zusammen », schwärmt Maria, bevor sie einen über die Aussenlinie gespielten Ball stoppt und schaut, dass der Einwurf erfolgt. Lohn für ihren Einsatz bekommen die jungen Freiwilligen im Gegensatz zu den Trainern des grossen Vorbilds FC Basel keinen. Besser gesagt keinen, der sich in Banknoten und Münzen ausdrücken lässt. «Gewisse Mitglieder des FC Starkickers kommen an jedes Training – ausnahmslos jedes! Egal, ob es wie aus Giesskannen vom Himmel schüttet oder die eisige Kälte es schwer macht, sich von der warmen Stube in die Turnhalle zu kämpfen », erzählt Patrick. «Das motiviert mich unglaublich. Wirklich! Ich freue mich jedes Mal auf das Training! Auch, weil mich stets etwas anderes erwartet.» Der Schlusspfiff ertönt. Das Spiel bleibt unentschieden. «Guter Match, schön gespielt », ruft Patrick seinen Schützlingen zu, die sich alle abklatschen und in die Arme nehmen. Gemächlich trotten sie an den Spielrand, nehmen noch einen Schluck aus ihren Trinkflaschen oder übersprühen sich, um sich abzukühlen. Die Köpfe sind hochrot und Schweiss perlt auf der Stirn. Zufriedene Gesichter, so weit das Auge reicht. Just als die Mitglieder des FC Starkickers in die Kabinen verschwinden, erhellt das Flutlicht das Spielfeld. Bereit für die nächste Mannschaft.