Aus dem Jugendmagazin ready for red cross

Babysitting: Mit allen Sinnen dabei sein

Mit kleinen Kindern umzugehen, für sie zu sorgen und sie zu beschäftigen – das alles und noch viel mehr lernen die TeilnehmerInnen in den Babysitterkursen des Schweizerischen Roten Kreuzes SRK. Dass Lernen nicht langweilig sein muss, wurde beim Besuch eines Kursnachmittags schnell klar.

Pünktlich um halb zwei trudeln sie in Aarau ein: Achtzehn angehende Babysitterinnen und Babysitter zwischen 13 bis und über 40 Jahren. An drei Nachmittagen lernen sie hier das Wichtigste über das Babysitten. Andrea Su, die Kursleiterin, leitet seit zwei Jahren Babysitterkurse des Schweizerischen Roten Kreuzes SRK und ge-niesst die Abwechslung. Es ist jedes Mal etwas Neues. So auch heute. Sie eröffnet das Thema «Beschäftigung» mit der Frage: «Was habt ihr früher gerne gespielt?» Denn Babysitten ist mehr als nur Wickeln und Schoppen machen. Sofort machen die Teilnehmenden angeregt mit, es fallen etwa dreissig unterschiedliche Begriffe. Puppen, Lego, Gummitwist, Versteckis, Hütten bauen, Verkäuferlis, Kissenparcours. Die Spiele werden in verschiedene Kategorien eingeteilt, von Konstruktionsspielen bis Rollenspielen ist alles dabei.

Spielen heisst auch Lernen

Doch neben der Theorie kommt das Praktische nicht zu kurz. Spielen heisst auch Lernen, denn Kinder wollen mit allen Sinnen erfahren und ihre Umwelt kennenlernen. Und deshalb startet nun der grosse Spiele-Parcour. Denn um mit Kindern etwas Tolles spielen zu können, muss man selbst auch herausfinden, woran man Spass hat, damit man die Kleinen mit der eigenen Begeisterung anstecken kann. Gekicher beim Wattebällchen-Pusten, spannendes gegenseitiges Geschichtenerzählen.

Finde heraus, was dir Spass macht, damit du die Kleinen mit der eigenen Begeisterung anstecken kannst

Andrea Su erklärt, wie wichtig es ist, dass die Stimme interessant klingt. Denis zeichnet einen bunten Clown, Ingrid macht einen filigranen Scherenschnitt. Mit Stempelkissen und Fingerspitzen lassen sich schnell süsse Tierbilder malen, ein selbstgemachtes Rassel-Memory aus Überraschungseiern ist ein einfacher, kreativer Weg, Kinder zu unterhalten und ihre Fähigkeiten zu fördern. Mit allen Sinnen dabei sein – die Teilnehmerinnen und Teilnehmer üben sich in Geschicklichkeitsspielen. Lianaund Vanessa ertasten Gegenstände aus einem Sack und überlegen, für welches Alter diese geeignet wären. Selbst noch mal Kind sein, ausprobieren, entdecken: Das macht allen Spass. 

Ab in die Küche!

Alle haben zu Beginn des Kurses einen Ordner erhalten, wo sie ausführliche Informationen zu allen Kursthemen nach-lesen sollen. Im zweiten Teil geht es nun um die Ernährung. Die Ernährungspyramide ist den meisten schon bekannt, rasch zählen sie viele verschiedene Lebensmittel auf und ordnen sie in den richtigen Stufen der Pyramide ein. Auch in diesem Teil setzt Andrea Su auf «learning by doing»: es geht in die Kursküche. Wie man einen Schoppen zubereitet, das weiss Nala schon, denn die 48-jährige Tamilin hat selbst drei Kinder. Sie besucht den Kurs als Ergänzung zu einem Spielgruppenkurs. Lachend schnitzt sie aus einem Radieschen und einer Gurkenscheibe eine hübsche Blume – ein schnelles, spielerisches Zvieri, das ich probieren darf.

Mit Freude mixen die TeilnehmerInnen gesunde Müesli aus Haferflocken, Naturjoghurt und Bananen. Alma (13) baut ein Auto aus Rüebli, das garantiert jedem Kind schmecken würde. Sie erzählt, dass sie oft mit den Nachbarkindern im Wald spielt, aber noch nicht richtig mit Babysitten angefangen hat. Eine etwas ältere Teilnehmerin, die bald eine Spielgruppe eröffnet, sieht den Kurs als spannenden Zusatz, um geübter zu werden im Umgang mit kleineren Kindern. Der Babysitterkurs kann also für jeden zu einer wertvollen Erfahrung werden, unabhängig von Alter und Geschlecht

Der Babysitterkurs kann für jeden zu einer wertvollen Erfahrung werden, unabhängig von Alter und Geschlecht.

Auch in der Küche lassen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihren Fantasien freien Lauf. Einzig bei den Schoppen, die aus einem Pulver angerührt werden, gucken einige der Jüngeren etwas skeptisch. Doch schnell wird das Probieren der lauwarmen Folgemilch zu einer Art Mutprobe und sie stossen mit den selbstgemachten Schoppen an – Prost!

Nach diesem intensiven, abwechslungsreichen, kreativen Nachmittag wird klar: Lernen kann man nie genug. Nur braucht es dazu manchmal keine Bücher, keine Hausaufgaben, sondern einfach die eigenen fünf Sinne und etwas Fantasie.