aus dem Jugendmagazin «ready for red cross»

Aus dem Leben von Thomas Heiniger, SRK- Präsident

Seit Juni 2019 ist Thomas Heiniger Präsident des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK) als Nachfolger von Annemarie Huber-Hotz. Er gewährt uns einen Einblick in seine Tätigkeiten beim SRK.

Von Melanie Senn*

Die Anfrage für das Amt als Präsident beim SRK war für mich eine freudige Überraschung. Zuvor war ich Regierungsrat im Kanton Zürich. Für mich steht bei allen meinen Tätigkeiten stets die Arbeit für die Gesellschaft im Zentrum. Schliesslich geht es mir um den Menschen, ob in meinem früheren Beruf als Anwalt, bei meinem Engagement in der Politik oder beim SRK. Beim Schweizerischen Roten Kreuz hat mir schon immer die klare Wertorientierung imponiert.

Ich möchte etwas Gutes für die Menschen tun.

All diese Gründe führten dazu, dass ich das Amt gerne angenommen habe und sind auch die Gründe, die mich für diese Arbeit motivieren.

Kein Tag ist wie der andere

Die Hauptaufgabe als Präsident sehe ich darin, der ganzen grossen Organisation einen Zusammenhalt zu geben und sie nach aussen zu vertreten. Ich stehe für die Organisation ein. Ich übernehme damit auch Tätigkeiten immer noch seine Ziele? Ich hoffe, wir liegen nach wie vor auf seiner Linie, aber eben angepasst an die Entwicklung der Zeit, der Gesellschaft. Fest in den Werten, innovativ auf dem Weg. Verantwortung und will deshalb auch die Einhaltung der Werte sicherstellen. Meine konkreten täglichen Aufgaben beim SRK sehen dann aber von Tag zu Tag anders aus. Letzte Woche traf ich mich zum Beispiel mit dem Präsidenten des IKRK, Peter Maurer. Ich war bei den statutarischen Versammlungen des Roten Kreuzes in Genf, wo Delegationen der verschiedenen Rotkreuz- und Rothalbmondorganisationen eine Woche lang zusammen diskutierten. Ich war Gast an der Konferenz der Rotkreuz-Kantonalverbände, unterschrieb Weihnachtskarten, bereitete die Rotkreuzratssitzung vor und leitete sie und führte ein Gespräch mit der Leitung von Blutspende Schweiz. Das sind nur einige Beispiele, und schliesslich sieht für mich jede Woche wieder anders aus. Ob beim SRK oder der Spitex, für mich ist Arbeit stets ein Teil meines Lebens. Sie bereitet mir Freude und braucht, aber gibt mir auch Energie. Trotzdem ist mir selbstverständlich ein unmittelbarer Ausgleich wichtig. Manchmal heisst das kurz zu Fuss zum nächsten Treffen zu gehen, manchmal heisst es spontan ins Marzili laufen und in der Aare schwimmen oder ein Blitzbesuch in einer Kulturausstellung. Vielfalt, Flexibilität und Spontaneität leiten mich. Seit September bin ich nun auch Grossvater eine andere Form von Ausgleich. Die Zeit mit meiner Enkeltochter macht mir Spass und gibt mir Energie, mich weiter einzusetzen.

Ziele für das SRK

Neben den klaren Werten des SRK beeindruckt mich auch die grosse Anzahl an Freiwilligen, die für diese Organisation einstehen.

Sie sind eine in der Gesellschaft fest verankerte Bewegung, ein Wert, der ihr Sorge trägt und dem man Sorge tragen muss. Die Jugend ist ein wichtiger Teil davon. Die Werte des Roten Kreuzes müssen weitergetragen und jeder Generation neu vermittelt werden. Ich bin überzeugt, dass dies gut gelingt, wenn man den jungen Menschen Freiraum für neue Ideen lässt. Die traditionellen Werte des Roten Kreuzes müssen stabil bleiben. Mittel und Wege, wie wir diese Werte vermitteln können, müssen aber immer wieder neu entwickelt werden. Die sieben Werte der Rotkreuz-Familie bilden zusammen eine Einheit jeder hat aber auch einen eigenen Wert. Alle liegen mir am Herzen, heute lege ich den Finger für einmal besonders auf eben diese «Einheit». Denn: Das SRK ist eine grosse Organisation mit komplexen Strukturen. Mir ist wichtig, dass wir diese Strukturen vereinfachen, auch vereinheitlichen, damit sie uns nicht in den Weg kommen bei unserer wertvollen Arbeit. Das Rote Kreuz ist seit der Gründung von Henry Dunant zu einer weltweiten Bewegung angewachsen. Wahrscheinlich hat er sich diese Grösse nie erträumt. Mich würde interessieren, was Dunant heute zum Schweizerischen Roten Kreuz sagen würde. Hat sich für ihn die Bewegung in die richtige Richtung entwickelt? Verfolgen wir mit unseren Tätigkeiten immer noch seine Ziele? Ich hoffe, wir liegen nach wie vor auf seiner Linie, aber eben angepasst an die Entwicklung der Zeit, der Gesellschaft. Fest in den Werten, innovativ auf dem Weg. 

Wo bist du zum ersten Mal mit dem Roten Kreuz in Berührung gekommen?
Meine erste Erinnerung an das Rote Kreuz ist meine Grossmutter, die für den Rotkreuzbasar gestrickt hat. Ich lernte damals, dass das Rote Kreuz Gutes tut.

Welcher Rotkreuzgrundsatz ist dir am wichtigsten?
Es gehören alle Rotkreuzgrundsätze zusamme, und ich will sie nicht priorisieren. Menschlichkeit steht für mich im Zentrum, und eigentlich dienen alle Rotkreuzgrundsätze der Unterstützung dieses Wertes.

Wer ist dein persönliches Vorbild?
Ich habe kein Vorbild. Ich versuche bei jedem Menschen das besondere, herausragende Merkmal, das Charakteristische zu sehen. Das gibt aus vielen beeindruckenden Menschen, Persönlichkeiten, ein interessantes, wunderbares Puzzle. Eine idealisierte Orientierungshilfe. Aber ich weiss auch: Vollkommen sind wir nicht; Unvollkommenheit hat auch ihren Charme.