Mitten unter uns

Zeitinvestition mit Mehrwert

Das SRK-Integrationsprogramm mitten unter uns beinhaltet Sprachtreffs für Jugendliche. Diese bauen Vorurteile ab, wecken Verständnis und zeigen, dass Dankbarkeit der schönste Lohn ist. Für fremdsprachige Jugendliche im Kanton Zürich sind die Abende mit den Freiwilligen vom Roten Kreuz und der Credit Suisse wie ein Treffen mit guten Freunden.

mitten unter uns ist ein Integrationsangebot des SRK in einzelnen Kantonen.
Es bringt fremdsprachige Kinder und Jugendliche für zwei bis drei Stunden pro Woche mit deutschsprachigen Gastfamilien oder Einzelpersonen zusammen. Ein guter Weg, um Sprachkenntnisse zu verbessern und gleichzeitig mit den Lebensgewohnheiten in der Schweiz vertraut zu werden.
mitten unter uns gibt es im Kanton Zürich seit 1993, das Angebot besteht auch in den Kantonalverbänden Baselland und Schaffhausen
Das SRK und die Credit Suisse verbindet bereits seit sieben Jahren eine Partnerschaft im Bereich Corporate Volunteering.

Suzi Tesfit schlägt das Mathematik-Heft auf. «Bist du gut in Mathe?» fragt Heiner Brändli. Der grosse Mann mit dem offenen Blick, der als Ingenieur arbeitet, engagiert sich jeden Dienstagabend als Freiwilliger des SRK beim Sprachtreff. Die 17-jährige Suzi Tesfit aus Eritrea lacht und meint: «Es geht so...» – «Dann schauen wir nun, dass du gut wirst», sagt Heiner Brändli. Die wissbegierige Schülerin widmet sich sogleich konzentriert den Zahlen.

Lernen, sprechen und kochen

Hausaufgaben lösen, Konversation führen, zusammen kochen und Znacht essen: Einmal pro Woche treffen sich Freiwillige des Roten Kreuzes und Mitarbeitende der Credit Suisse, die einen Freiwilligen-Einsatz leisten, mit zehn Jugendliche zum Sprachtreff. Die Sprachtreffs des SRK Kanton Zürich sind Teil des Programms mitten unter uns. So heisst das SRK-Integrationsangebot für fremdsprachige Kinder und Jugendliche. Die jungen Menschen im Sprachtreff leben erst seit kurzem in der Schweiz und besuchen die Integrationsklasse der Fachschule Viventa der Stadt Zürich.

Die Sprachtreffs werden teilweise in Zusammenarbeit mit der Credit Suisse gestaltet. Die Grossbank ermutigt mit ihrem Corporate-Volunteering-Programm ihre Mitarbeitenden, durch persönliches Engagement einen aktiven Beitrag für die Gesellschaft zu leisten. Alle Mitarbeitenden können sich mindestens einen Tag pro Jahr bei vollem Gehalt für gemeinnützige Projekte einsetzen. Für Zahra Darvishi, Leiterin Corporate Citizenship Schweiz bei der Credit Suisse, ist mitten unter uns ein sehr sinnvolles Konzept: Die Sprachtreffs sind ein einzigartiges Programm, in welchem sich die Aspekte soziale Integration und Bildung kombinieren lassen.“

Auch Hubert Kausch, Leiter Freiwilligenarbeit beim Roten Kreuz Zürich, ist zufrieden mit der Partnerschaft: «Es war unser Wunsch, die Volunteers der Credit Suisse in längerfristige Programme einzubinden. Bei den Freiwilligen ist mitten unter uns beliebt. Deshalb konnten wir die Anzahl der Plätze in den Sprachtreffs bedeutend erweitern.»

Einsatz nach der Arbeit

Die Sprachtreffs erfordern von allen Freiwilligen eine hohe Einsatzbereitschaft für mindestens ein halbes Jahr. Nach einem normalen Arbeitstag ist für die Berufsleute am Dienstagabend nicht Feierabend: Es warten zehn lebendige, gutgelaunte Jugendliche auf sie mit Hausaufgaben, Hunger und manchmal auch Alltagssorgen. Doch die Freiwilligen betonen, wie viel sie von den Jugendlichen zurückbekommen. So auch die 34-jährige Credit Suisse-Mitarbeiterin Katrin Landolt: «Das Schöne hier ist, dass mitten unter uns so nachhaltig ist. Es ist spannend zu sehen, wie die Jugendlichen Fortschritte machen.» 

Das Vertrauen der Kinder ist der grösste Dank für das Engagement.

Zahra Darvishi, Leiterin Corporate Citizenship Schweiz, Credit Suisse

Freude am Lernen, die Lebendigkeit und der Wille der Jugendlichen nennen alle als Motivation. Viele der Volunteers haben selbst einen Migrationshintergrund. Sie kennen die Schwierigkeiten aus eigener Erfahrung und können sich gut in die Lage der Jugendlichen versetzen. Dennoch sei der Einsatz für die meisten zu Beginn auch eine Herausforderung, weiss Zahra Darvishi.

Dass die Abende anstrengend sind, spürt auch Brenda Brändli. Die 33-jährige Zahnärztin, deren Mutter Philippinin ist, wollte sich im Bereich Integration zu engagieren. Seit einem Jahr ist sie zusammen mit ihrem Mann als Freiwillige für das Rote Kreuz Zürich tätig.

«Man muss sich als Person zurücknehmen und es braucht viel Geduld – allein schon wegen der sprachlichen Barrieren», räumt sie ein. Doch die Dankbarkeit und Herzlichkeit der Jugendlichen zu spüren ist unglaublich schön. Die Lehrerin erzählte uns, wir seien für die Jugendlichen wie eine zweite Familie!“

Kontakte für die Zukunft

Suzi Tesfit kommt sehr gerne zum Sprachtreff. «Wenn ich beispielsweise die Hausaufgaben nicht verstehe, bekomme ich hier echte Lernhilfe. Das ist toll», findet sie. Der 21-jährige Attaollah Rezali aus Afghanistan lernt heute mit drei anderen Jugendlichen lernen ein Gedicht auswendig. Sie üben die Aussprache. Einer der Jungs versteht nicht, was «rot» heisst. Credit Suisse-Mitarbeiterin Funda Güler zeigt auf die rote Baseball-Cap von Attaollah Rezali, die das Markenzeichen des ruhigen und hilfsbereiten jungen Mannes ist. Attaollah Rezali steht mit beiden Beinen auf dem Boden. «Bei den Sprachtreffs kann ich Kontakte knüpfen.»

Mein Wunsch ist es, nach der Schule auf einer Baustelle zu arbeiten. 

Attaollah Rezali 

Zahra Darvishi erhält denn auch gute Rückmeldungen von den Volounteers. «Für sie ist es eine grosse Bereicherung, wenn sie am Ende ihres Einsatzes sehen, dass die Kinder sprachlich und sozial Fortschritte gemacht haben. Das Vertrauen der Kinder ist der grösste Dank für das Engagement.» Credit Suisse-Mitarbeiterin Miriam Obrist, die sich bereits im dritten Semester engagiert, drückt es so aus: «Wenn ich heute Abend nach Hause fahre, habe ich ein Lachen auf dem Gesicht.»